Erste Sahne-Stücke zum Geburtstag der Mülheimer Theatertage

Schöne neue Arbeitswelt: „Homo Empathicus“, Theater Göttingen.
Schöne neue Arbeitswelt: „Homo Empathicus“, Theater Göttingen.
Foto: Thomas Aurin
Was wir bereits wissen
Die 40. Mülheimer Theatertage spiegeln einen starken Jahrgang wider. Der Auftakt ist am Samstag. Es gibt die sechste Auflage der Kinder-Stücke.

Mülheim.. Die 40. Ausgabe der Mülheimer „Stücke“ startet am kommenden Samstag, 16. Mai, 18.30 Uhr, in der Stadthalle. Tobias Becker, Sprecher des Auswahlgremiums, nennt es ein „Glücksjahr für das Mülheimer Publikum, das sieben starke Stücke sehen kann, außergewöhnlich starke Stücke.“ Die um den mit 15.000 € dotierten Mülheimer Dramatikerpreis 2015 konkurrierenden Werke verhandeln Themen von großer gesellschaftlicher Relevanz und warten mit einem Spektrum an Formen und Sprachen von der Groteske bis zum Dokumentartheater auf.

Zur Eröffnung ist „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz in der Inszenierung des Wiener Burgtheaters zu sehen. Nun ist er mit seiner klugen wie komischen Überschreibung von Conrads „Herz der Finsternis“ und Coppolas „Apocalypse Now“ über Kolonialismus und die Angst vor dem Fremden, die bereits an sieben Theatern gespielt wird, erstmals selbst nominiert.

Felicia Zeller erzählt in „Wunsch und Wunder“ mit kleinen Zoten und großem Sprachwitz vom Alltag in einer Praxis für Reproduktionsmedizin und entlarvt die Absurditäten um den Kinderwunsch.

Elfriede Jelinek, die den Dramatikerpreis bereits vier Mal gewonnen hat, nimmt mit ihrem Drama „Die Schutzbefohlenen“ am Wettbewerb teil, einer kämpferischen Wut- und Klagerede über die Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa.

In ihrer Satire „Homo Empathicus“ zeigt Rebbeka Kricheldorf, wohin politische Korrektheit und Gesundheitswahn unsere Gesellschaft möglicherweise führen könnten. Die zweite Mülheim-Debütantin Yael Ronen und ihr Ensemble bringen in „Common Ground“ die Ergebnisse einer gemeinsamen Reise nach Ex-Jugoslawien – die Heimat der meisten Mitwirkenden – auf die Bühne und erzählen persönlich und direkt, mit Humor, Kraft und Tränen aus ihrem Leben im und nach dem Balkankrieg.

Komplexe Familiengeschichte um drei Frauen

In „Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute“ hat sich Dirk Laucke mit den Niederungen des deutschen Rechtsextremismus’ befasst und auf der Basis von Interviews und Zeitungsmeldungen eine Vielzahl von Stimmen und Haltungen zu einem sehr eindringlichen Stück montiert. Ewald Palmetshofers rhythmisiertes Sprachkunstwerk „die unverheiratete“ schließlich ist eine komplexe Familiengeschichte um drei Frauen und eine alte Schuld, die sich von Generation zu Generation fortschreibt.

Im Anschluss an „die unverheiratete“ diskutiert am 4. Juni die Jury wie immer öffentlich und gibt den Gewinner des Mülheimer Dramatikerpreis 2015 bekannt.

Vom 18. bis 22. Mai finden außerdem zum sechsten Mal die Kinder-Stücke mit den fünf besten neuen Dramen für Zuschauer zwischen 6 und 12 Jahren statt. Wegen der großen Nachfrage werden drei Kinder-Stücke auch nachmittags gezeigt.

Ein Fest für die ganze Familie

Im Rahmenprogramm sind die spanischsprachige Erstaufführung von Katja Brunners 2013 mit dem Dramatikerpreis ausgezeichnetem „Von den Beinen zu kurz“ aus Mexiko und „Eine Schneise“ von Händl Klaus zu sehen.

Anlässlich des Jubiläums lädt das „Stücke“-Team außerdem in Kooperation mit der Stadtbibliothek zu einer Ausstellung mit Fotos, Manuskripten und O-Tönen aus 40 Jahren ins Medienhaus ein.

Am 31. Mai wird ein großes „Stückefest“ für die ganze Familie veranstaltet: Bei freiem Eintritt können die Besucher in der Stadthalle und den angrenzenden Ruhranlagen Konzerte, Lesungen und Szenen erleben, mit Theaterexperten ins Gespräch kommen oder auf Schnitzeljagd gehen.

Weitere Info: www.stuecke.de, www.kinderstuecke.de, Karten an allen Adticket-Vorverkaufsstellen und auf www.adticket.de.