Erste Mülheimer Buchmesse

Bei der 1. Mülheimer Buchmesse in der „Fünte“ in Mülheim-Heißen stellten heimische und auswärtige Autoren ihre Bücher aus.
Bei der 1. Mülheimer Buchmesse in der „Fünte“ in Mülheim-Heißen stellten heimische und auswärtige Autoren ihre Bücher aus.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Im Kulturzentrum „Fünte“ präsentierten sich zahlreiche Autoren zwei Tage lang. Sie stellten ihre neuen Werke vor: Geschichten von Märchen über Fantasy bis zur Zeitgeschichte.

Mülheim.. „Willste auch eine mitnehmen?“, deutet Ulli Engelbrecht mit hochgezogener Augenbraue auf die Glasschale mit Ahoi-Brause. Wer wie der Bochumer Autor in den siebziger Jahren groß geworden ist, kann der prickelnden Versuchung in die Kindheit zurück zu reisen ja kaum widerstehen. Gespickt mit „Geschmackserlebnissen“ aus Brause, Petting und Pop-Stars der 70er und 80er sind aber auch seine Kurzgeschichten. „Wer die Jahrzehnte erlebt hat, erkennt alles sofort wieder“, meint Engelbrecht. Im Heißener Kulturzentrum „Fünte“ stellten er und gut 17 weitere Autoren am Samstag ihre neuen Werke vor.

Kurzerzählungen über die 70er Jahre

Verlage aus Essen, Hattingen und Gladbeck hatte Fünte-Chef Frank Bruns zu einer Art „Leipziger Buchmesse“ im Kleinen für zwei Tage nach Mülheim bestellt. In Leipzig sei Bruns dem Literaturpapst Hellmuth Karasek über den Weg gelaufen, und der sei nicht nur Ideenpate für diese Wochenendaktion gewesen, sondern habe auch Kontakte zu Autoren hergestellt. Ein Anfang soll die „1. Mülheimer Buchmesse“ sein, Spaß machen – „mit Doppeldeckerbussen voller Besucher habe ich nicht gerechnet“, meint Bruns augenzwinkernd.

Die Runde ist dennoch durchaus launig, wenn auch leicht fantasylastig geworden, Zeitgeist-Kommentatoren wie Engelbrecht aber sind eher die Ausnahme. Werner Zapp zählt jedoch zu diesen seltenen Gästen. Seit 2011 schreibt er sich alles Mögliche und manches Schwarzhumorige von der Seele, „die Geschichten mussten einfach raus“, merkt der Duisburger an. Ob sich das verkauft, sei dabei eher nebensächlich. „Geschichten umständehalber abzugeben“ hat er eines seiner Bücher konsequent betitelt.

Lovestorys und Fantasy-Geschichten

Biografisches und Geschichten von der Liebe hat Ev von der Gracht in Einklang mit Gedichten und Liedern gebracht: „Manche Bemerkungen aus meinem Umfeld habe ich einfach weitergedacht“, erzählt die Mülheimerin, die auch eine Leidenschaft fürs Theater hat, und mit ihrem bürgerlichen Namen Eva Stoldt beim ehemaligen Theater Spätlese (jetzt Volxbühne) mitwirkt.

Von Engeln, Vampiren und was zwischen den beiden Widersachern leider auf der Strecke bleibt, schreibt Halina Monika Sega leidenschaftlich gern, weil „mich der Kontrast zwischen Gut und Böse fasziniert“. Ein Theaterstück über Blutsauger hat sie auch schon in der Mache. Kollegin Martina Sprenger hat hingegen ein „Zauberbuch für Jungs“ geschrieben, und nebenan fasst Frank Vollmann in „Stadtprinzessin“ altbekannte Märchen in ein modernes – wenn auch nicht immer schönes – Gewand: „Schneewittchen im Asylantenheim“ klingt zwar ziemlich ernüchternd, seine Märchenlesungen seien dennoch immer wieder gut besucht, versichert Vollmann.