Ernst nehmen

Streik. Der Streik der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst zeigt, was soziale Arbeit einer Gesellschaft wert ist. Natürlich ist sie ideell gesehen sehr wertvoll und gesellschaftlich wichtig. (...) Bei vielen Kommentaren in den Medien und in Internetforen spiegelt sich diese Wertschätzung nicht wider. Polemisch heißt es „Augen auf bei der Berufswahl“, wenn es um die Höhe des derzeitigen Gehalts geht. Als unverschämt und verantwortungslos werden diejenigen, die die Arbeit niedergelegt haben, abgewertet. Es geht ja um (hilfsbedürftige) Menschen, die jetzt unversorgt sind - was aber bedeuten würde, dass das im Grundgesetz verankerte Streikrecht nicht für sozial arbeitende Arbeitnehmer gelten darf oder zumindest nur theoretisch.

Durch den Streik zeigt eine ganze Berufsgruppe der Gesellschaft, dass sie Bedarf nach Anerkennung und Wertschätzung hat - nicht nur den kommunalen Arbeitgebern. Denn wir alle verlassen uns auf diese Menschen (...). Für die gesellschaftliche Entwicklung, die Frauen möglichst früh an den Arbeitsplatz zurückwünscht, für Frühförderung und Chancengleichheit unserer Kinder, für die Umsetzung der Inklusion und weiteres brauchen wir gute Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Erzieher und Kinderpfleger. Das sollte uns allen etwas wert sein. Und wir sollten sie ernst nehmen. Wenn es stimmt, dass die letzte Bewertung und die Einstufung in die Entgeltgruppen 1991 erfolgt ist, ist die Forderung nach Neubewertung aufgrund der vielen veränderten Arbeitsanforderungen nachvollziehbar. Darüber muss geredet werden - hierzu müssen die Gewerkschaften und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber an einen Tisch und endlich verhandeln. Das Ziel muss sein, den Streik schnellstmöglich zu beenden. Und das sollte für alle am Verhandlungstisch selbstverständlich sein. Alexandra Schirm