Erinnerungen an die Frauenhilfe Mülheim-Styrum

Christa Michel leitete 31 Jahre lang die Frauenhilfe Styrum. Im September 2014 feierte diese 100 Jahre Bestand - nun wurde sie aufgelöst
Christa Michel leitete 31 Jahre lang die Frauenhilfe Styrum. Im September 2014 feierte diese 100 Jahre Bestand - nun wurde sie aufgelöst
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nach 100 Jahren löste sich die ev. Frauenhilfe im Dezember auf. Christa Michel leitete diese 31 Jahre lang. Ein Rückblick.

Mülheim.. Unsere Geschichte beginnt diesmal am Ende. Und zwar mit dem Abschied der Ev. Frauenhilfe Styrum, die sich nach genau 100 Jahren im Dezember aufgelöst hat. Christa Michel engagierte sich 31 Jahre lang als Vorsitzende der Frauenhilfe. Jeden zweiten Mittwoch gestaltete sie ein Programm für die Damen der Immanuelkirche. Wenn sie an diese Zeit zurück denkt, sind es vor allem die Begegnungen mit den Menschen, die ihr in liebevoller Erinnerung bleiben.

Ihre Mutter hatte Christa Michel überredet, einmal mitzukommen. Schließlich war schon die Großmutter in der Frauenhilfe aktiv. „Ich muss etwa 45 gewesen sein“, sagt die heute 79-Jährige. Die Frauen waren freundlich, die Atmosphäre locker. Und so wurde der Mittwoch zum Frauenhilfe-Tag – für die nächsten 31 Jahre. „1983 wurde ich dann zur Vorsitzenden des Vereins gewählt. Damals war das schon ein Sprung ins kalte Wasser.“ Doch eine ältere Dame sprach ihr Mut zu. „Sie sagte, ‘das hast du aber gut gemacht’. Das hat mich unheimlich motiviert.“

Christa Michel blickt zuversichtlich in die Zukunft

Der damalige Pfarrer Heinz Schellberg organisierte die Treffen der Frauenhilfe, „er gestaltete den theologischen Teil des Nachmittages, acht Frauen und ich den Rest“, erinnert sich Christa Michel. Anfangs bestanden die Treffen hauptsächlich aus Lesestunden und Kaffeetrinken. Christa Michel gründete einen Bastelkreis und lud Referenten ein, etwa Ernährungsexperten, Kosmetikerinnen oder Menschen, die von karitativen Projekten berichteten. Für solche sammelten die Frauen stets Spenden.

Zudem organisierte Christa Michel viele Tagesausflüge und Freizeiten. „Wir hatten immer viel Spaß, haben uns verkleidet und darüber gelacht.“ Überhaupt: „Der starke Zusammenhalt machte die Frauenhilfe aus.“ Christliche Werte wie Nächstenliebe lebten die Frauen in der Gruppe, die in der Spitze etwa 100 Mitglieder zählte. Wurde eine krank, besuchte eine andere sie, hatte eine Geburtstag, standen fünf morgens zum Ständchen auf der Matte. Ein soziales Netz im Stadtteil, das es heute nicht mehr gibt. Viele sind verstorben oder zu alt geworden, der Nachwuchs fehlt. „Da muss man irgendwann einen Schlussstrich ziehen.“

Aber ein Ende ist ja auch immer ein Anfang, daher blickt Christa Michel mit Zuversicht in die Zukunft. Sie will nun viel reisen. Wie früher mit den Frauen, zum Attersee oder nach Kiens in Südtirol. Außerdem gibt es schon einen neuen Treff für Senioren: Die „Immanuel-Nicht-Feiglinge“ treffen sich unter Leitung von Pfarrer Michael Manz zweimal im Monat an der Albertstraße. Immer mittwochs – das bleibt.

Sozial engagiert von Anfang an

Zum 75-jährigen Bestehen der Frauenhilfe 1989 verfassten Pfarrer Schellberg und Christa Michel eine Festschrift, in der sie einen Teil der Historie aufschrieben. Die Anfänge nachzuzeichnen sei nicht einfach gewesen. „Wir haben alte Kirchenbücher durchsucht, aber es gab kaum Aufzeichnungen“, erinnert sich Michel. Aus Erzählungen älterer Damen rekonstruierten sie die Anfänge.

Ende des 19. Jahrhunderts wuchs mit der Industrie in den Städten auch die Not der Menschen. Frauen fingen an, sich in nachbarschaftlichen Vereinen zu engagieren, um sich gegenseitig zu helfen. Mit dem ersten Hilfsprediger, Pfarrer Wetzmüller, wurden die ersten „Frauen-Hülfen“ in Styrum gegründet. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren greift die Frauenhilfe oft tief in die Tasche, um zu helfen. Etwa für Mütter mit Babys oder bedürftige Konfirmanden. Von 1942-1963 finanzieren die Frauen zwei Kindergartenplätze, ab 1976 betreuen sie ein Patenkind der Kindernothilfe. „Bis zum Schluss haben wir immer gesammelt für verschiedene Projekte, z.B. die Blindenmission oder das Friedensdorf.“