Erfasst, verfolgt und vernichtet

Der 13. März 1941 ist für Benjamin Traub und 63 weitere Patienten der „Heilanstalt Weilmünster“ der letzte Tag ihres Lebens. Voller Vorfreude auf einen Ausflug steigen sie in die grauen Busse mit dem Ziel Hadamar, wo in der Tötungsanstalt schon die Vorbereitungen in den Gaskammern im Gange sind.

Kranke und behinderte Menschen gehörten zu den Verfolgten im Nationalsozialismus, bis zu 400 000 Menschen wurden zwangssterilisiert, mehr als 200 000 in den „Heil- und Pflegeanstalten“ ermordet. Auch im Nachkriegsdeutschland drohte die Opfer-Gruppe der „NS-Euthanasie“ in Vergessenheit zu geraten. Politisch, weil Täter im neuen System Fuß fassten, Behinderungen und Nervenkrankheiten ein Tabu waren. „Ein dunkler Fleck in den Familiengeschichten, verdrängt, verschwiegen und verleugnet“, sagt Dr. Hartmut Traub. In seinem Buch „Ein Stolperstein für Benjamin“ (Klartext Verlag) hat er den Lebens- und Leidensweg seines Onkels Benjamin Traub rekonstruiert. Erst in jüngster Vergangenheit rückte diese Opfergruppe ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Bei der Einweihung des Gedenkortes 2014 in Berlin las Traub aus seinem Buch, war auch zur Eröffnung der Wanderausstellung „Erfasst, verfolgt, vernichtet“ in Berlin dabei. Mitveranstalter ist die „Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie“, die sich damit ihrer Vergangenheit stelle und Verantwortung übernehme. Bei der Eröffnung am 27. Januar im Düsseldorfer Landtag berichtet er vom Schicksal seines Onkels.