Eppec regiert das DJ-Pult vom Rollstuhl aus

Leo Eppe am Mischpult: Der 17-Jährige Mülheimer ist gerade dabei, sich als DJ einen Namen zu machen. Als „Eppec“ legt er auf in ganz Deutschland und in Nachbarländern.
Leo Eppe am Mischpult: Der 17-Jährige Mülheimer ist gerade dabei, sich als DJ einen Namen zu machen. Als „Eppec“ legt er auf in ganz Deutschland und in Nachbarländern.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Leo Eppe bekam zum zwölften Geburtstag einen Turntable. Der Mülheimer ist schwer im Geschäft.

Mülheim.. Für einen, der mit Feiern sein Geld verdienen möchte, klingt dieser Satz komisch. „Ich feiere selber gar nicht gerne.“ Aber Leo Eppe hat Spaß daran, wenn andere Party machen, wenn sie abfeiern auf die Musik, die er aussucht und nahtlos abspielt. „Stimmung machen“ nennt er das und sieht darin seine Zukunft. Der 17-Jährige, der im Rollstuhl sitzt, ist gerade dabei, sich als DJ einen Namen zu machen.

Einen DJ-Namen hat er natürlich schon: Als „Eppec“ legt er auf in ganz Deutschland und den Nachbarländern. Partys sind es meistens: die Geburtstagsparty in Köln, Party in Bremen, Abiball in der Stadthalle, die Silvestersause in Österreich. Langsam, sagt Leo Eppe, habe sich das entwickelt. Und passenderweise hat es alles mit einem Geburtstag angefangen – mit seinem eigenen nämlich. „Ich habe mir zum zwölften Geburtstag einen Turntable gewünscht“, sagt der Saarner. Rund ein Jahr beschallte er nur sein Elternhaus, bis ein Freund ihn bat, bei seinem 13. Geburtstag aufzulegen. Die Premiere war gleich ein Erfolg. Mehr Aufträge folgten und so ging es stetig weiter.

Rund 6000 kennt Eppec aus dem Effeff

Seitdem baute er sich eine stattliche Musikbibliothek auf. Rund 6000 Titel davon kennt er aus dem Effeff. Schwerpunkt: House-Musik. „Deep-House und Elektro-House“ legt Leo Eppe am liebsten auf. Ist er jedoch für Partys gebucht, passt er sich an die Wünsche seiner Auftraggeber an: „Dann muss auch mal Schlager sein.“ Noch schlimmer findet der Jugendliche allerdings Musik der 80er – die kommen ihm gar nicht auf den Turntable. Inzwischen lehnt er auch lieber einen Auftrag ab, als ganz gegen seinen Geschmack zu gehen. In seiner Spezialisierung sieht er einen klaren Vorteil: „Besser man hat ein kleines Repertoire und macht das dafür gut.“

Seine Zukunft sieht er jedoch woanders. „Langsam komme ich in die Clubszene“, sagt der Gymnasiast, der mit seinen 17 Jahren in vielen Clubs noch gar nicht eingelassen wird. Jüngst nahm er an einem DJ-Wettbewerb teil, belegte den zweiten Platz, und machte dafür in einem Essener Club Musik. Das möchte er ausbauen, würde am liebsten eigene Partys organisieren. „Aber dafür habe ich bisher noch nicht die richtige Location gefunden.“ Schwierig ist zudem die fehlende Barrierefreiheit in den meisten Discos. „Aber ich habe super Freunde, die mir helfen“, betont der Rollstuhlfahrer und fügt an, dass auch Türsteher oft mit anfassen. Oft mit dabei ist zudem seine Mutter, die selber gerne feiert. Und: „Wenn ich erst einmal am DJ-Pult bin, geht das alles.“

Dort agiert Eppec spontan. „Ich habe Freunde, die planen den Abend und wann sie was auflegen. Das mache ich nicht.“ Er hat stets ein Auge auf die Tanzfläche und überlegt was passt. Ein Ziel von Leo Eppe ist, mal auf Ibiza, seiner selbst ernannten zweiten Heimat, aufzulegen – „wenigstens am Strand“.