Endstation Hauptschule
25.08.2009 | 20:28 Uhr 2009-08-25T20:28:00+0200Die Durchlässigkeit der Schulsysteme ist nicht so groß, wie die NRW-Schulministerin behauptet. Das zeigt eine Umfrage bei den Schulleitern.
Der Weg zum Abitur ist in Nordrhein-Westfalen zuweilen steinig. So hört man immer wieder Klagen über das „Turbo-Abitur” oder Grundschullehrer, die sich schwer tun, wenn sie Empfehlungen für das Gymnasium ausstellen sollen. Dass es trotzdem möglich sei, es als Haupt- oder Realschüler bis zum Abitur zu schaffen, hieß es jetzt von Seiten des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW. Fast 20 Prozent aller Haupt- und Realschüler würden inzwischen in die Oberstufe wechseln. Im Schuljahr 2000/2001 sei dies nur 12,9 Prozent der Schüler geglückt.
NRW-Schulministerin Barbara Sommer sieht in der Entwicklung einen klaren Beweis für die Durchlässigkeit und Chancengleichheit im Schulsystem des Landes. Doch stimmt das wirklich? In einer NRZ-Umfrage äußerten sich die Schulleiter nicht ganz so positiv. In den letzten Jahren habe es zwar mehr Empfehlungen für die Oberstufe gegeben, so Gabriele Klar, Schulleiterin der Hauptschule Bruchstraße. Jedoch hätte es auch insgesamt mehr Schüler gegeben. Von einem Jahrgang mit 60 Schülern hätten in diesem Jahr acht die Fachoberschulreife mit Qualifikation erlangt. Davon seien drei in die Oberstufe gewechselt. „Diejenigen, die eine Lehrstelle bekommen, nehmen lieber die an”, sagt Gabriele Klar. Die Oberstufe werde also zu einer Alternative für die, die keine Lehrstelle erhalten. Gebhard Lürig von der Realschule Stadtmitte kann ebenfalls keinen deutlichen Trend hin zu mehr Schülern erkennen, die in die Oberstufe wechseln: „Bei uns gehen immer mal wieder Schüler zum Gymnasium. Es sind nicht weniger geworden, aber auch nicht mehr”, so Lürig.
Bei den Gymnasien, bei denen laut Ministerium 47 Prozent der Haupt- und Realschüler in der Oberstufe ankommen, lässt sich in Mülheim ebenfalls keine deutliche Zunahme erkennen. „Ich kann der Meldung des Ministeriums nicht zustimmen”, so Ralf Metzing vom Gymnasium Broich. „Wir haben drei bis fünf Realschüler, die in der 11 anfangen. Das hat sich über Jahre nicht geändert”, erklärte der Schulleiter. Hauptschüler fänden gar nicht den Weg zu ihnen. Eine neue Verschärfung der Duchlässigkeit sieht Metzing durch Einführung des verkürzten Abiturs. Ein Wechsel zum Gymnasium bedeute dann eine soziale Benachteiligung, da die Haupt- und Realschüler wieder in der 10. Klasse beginnen müssten.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW begrüßte die Entwicklung hin zu mehr Durchlässigkeit. „Wir bewerten die Zahlen aber eher als Beleg für eine falsche Sortierung vorher”, so Pressesprecher Berthold Paschert. Die frühzeitige Sortierung bringe später eine besondere Belastung für die Schüler mit sich.
Behrend Heeren von der Willy-Brandt-Schule kann zwar den positiven Trend des Schulministeriums bestätigen, jedoch sieht auch er den Schulwechsel als besonders kritisch. „Erreicht ein Realschüler nach zehn Jahren die Fachoberschulreife mit Qualifikation, kann er dasselbe, wie ein Gymnasiast nach dem zehnten Schuljahr. Doch der Realschüler muss einen Schulwechsel auf sich nehmen, um in die Oberstufe zu kommen, weshalb viele sich dagegen entscheiden”, erklärte Heeren. Dabei könne es sich das Land gar nicht leisten, Bildungsressourcen zu verschenken. Bemerkenswert findet er auch die Ergebnisse einer Erhebung der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule NRW und der Schulleitungsvereinigung Gesamtschulen. Diese vom Land NRW unabhängige Statistik zeigt, dass 70,5 Prozent der Schüler, die das Abitur machen, nach der Grundschule keine Empfehlung für eine gymnasiale Laufbahn hatten. „Dies ermöglicht eine ganz andere Deutung der Zahlen des Ministeriums”, betont Heeren und bedauert, dass es den Schülern in vielen Fällen so erschwert wird, das Abitur zu machen.

13:03
@panoptikum schrieb:
Und Firmen haben schon gar nicht in den Unterricht rein zu reden.
Bloß nicht auch noch die Schulen privatisieren!
hallo...@panoptikum...ich meinte mit meiner aussage:
und durch das vorzeitige einbinden von firmen in den schulalltag...könnten durch praktika und begeleitenden firmenuntericht oder auch durch engagierten laien-untericht
NICHT...das die schulen privatisiert würden,sondern einzig ein ausbilder eines betriebes oder ein meister entsprechend seiner firmen-sparte ...technik untericht oder anderen berufsbezogenen unterricht leisten/einbringen könnte...ebenso besteht die möglichkeit ausgebildete laien als fachlehrerersatz für diesen oder jenen fachbereich einzubinden...
das alles meinte ich ausschließlich bezogen auf die hauptschule...weil ich überzeugt bin das auch hier am ende schüler dadurch einen guten abschluss erreichen und so bei den ihnen schon von der schule her bekannten firmen unterkommen könnten...
ansonsten sind mir gesamtschulen auch lieber als dieses heutige selektionsprinzip von realschule und gymnasien ... wo alleine der name und der Ruf sowie das lehrpersonal zählt,um seine kids dann dorthin zu schicken
11:57
Wieso kann man nicht einfach die Eltern entscheiden lassen? Warum muss ein System Gesamtschule mit Gewalt durchgedrückt werden? Für manche Kinder ist sie vielleicht das richtige, aber warum soll das für alle zwingend sein?
10:31
Mehr Gesamtschulen ,schön und gut, aber wo sollen die Kinder dafür herkommen ?
Dem Teil der Eltern, der heute für seine Kinder Realschulen oder Gymnasien wählt, steht ja auch die Gesamtschule offen. Aber sie haben sich nicht dafür entschieden.
Und wenn die Eltern ihre Kinder nicht freiwillig auf die Gesamtschule schicken, wird man versuchen müssen sie zu zwingen. Das wäre die Konsequenz aus der Umsetzung der SPD Forderung nach mehr Gesamtschulen. Wie soll das sonst gehen ?
Konkret würde das für MH bedeuten: Zusammenlegung von Gymnasium Broich und Realschule Broich zu einer Gesamtschule. Die Eltern würden dann wahrscheinlich auf Realschule Stadtmitte, Karl-Ziegler-Schule oder Otto-Pankok-Schule ausweichen. Folglich müsste man als nächstes das Otto-Pankok-Gymnasium mit der Realschule Stadtmitte zusammenlegen und so weiter.
Am Ende gehen die Schüler, die nicht auf eine Gesamtschule wollen nach Essen, Oberhausen oder Duisburg. Ich verstehe daher den Sinn dieses Mühlenfeld-Plans nicht.
01:00
Heute ist die Hauptschule überall zur Resteschule verkommen. Da nützt es auch nichts, sie in Zukunftsschule umzubenennen.
Das einzige, was wirklich hilft, sind Gesamtschulen.
Das dreigliedrige Schulsystem sorgt nur für eine ungerechte Frühselektierung.
Die Kinder aus finanziell benachteiligten Familien bleiben in der Regel dabei auf der Strecke.
Es helfen nur Gesamtschulen weiter, wenn wir wirklich mehr Bildung und mehr Förderung haben wollen.
Und Firmen haben schon gar nicht in den Unterricht rein zu reden.
Bloß nicht auch noch die Schulen privatisieren!
22:23
@1 Genau!
Früher hat z.B. ein Dachdecker (nicht der Firmenchef) nicht erst eine theoretische Abhandlung über das Flachdach in der Kunst des 15. Jhdt. verfassen müssen, bevor er aufs Dach durfte.
Der soll doch bloß ranklotzen und schwindelfrei sein. Und sein Boss soll ihm, dem Übermotivierten sagen, er habe die Sicherheitsvorschriften zu befolgen. Und bezahlen muss er ihn, auch wenn er nur Hauptschule hat.
Auch ist die Kenntnis, welcher Berg der höchste in Ostfriesland ist, beim Berufsbild StraßenbahnbewegerIn zu vernachlässigen.
Und das Berufsbild Personaler, das den obigen Terror zum Eigennutz fördert, gehört verboten.
Könnten selber mal was Vernünftiges lernen--oder schweigen.
21:43
Endstation Hauptschule....mit sicherheit nicht !!!
...wenn die politik einiges an lehrkräften mehr für grund- und hauptschüler bereitstellen würde...
...wenn firmen und ehrenamtliche bürger,spätestens sich in der hauptschule mehr einbringen würden...
wenn die klassenstärke reduziert würde...
tja...das wenn kann man noch zigmal wiederholen...
am ende,;-)) WENN alle wünsche in erfüllung gegangen sind...werden etliche hauptschüler/innen ihren abschluss erlangt haben...und durch das vorzeitige einbinden von firmen in den schulalltag...könnten durch praktika und begeleitenden firmenuntericht oder auch durch engagierten laien-untericht ...so machner schüler nach dem abschluss genau in diesen firmen ihre lehre bzw. berufslaufbahn starten...
es muss nicht immer heißen ...realschulabschlüsse haben mehr chancen ... oder gymnasiasten bevorzugt ...NEIN der lernwillige,auf sein berufsleben vorbereitete hauptschüler kann am ende genausogut seine gesellenprüfung oder facharbeiterprüfung ablegen...so er sich anstrengt und einbringt in den alltäglichen berufs-und lehrablauf...
ABER...leider schmeißen die Politiker den Banken Miliarden hinterher welche in Bildung und Ausbildung wesentlich besser angelegt wären...