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Karstadt

Endlich der Durchbruch

03.09.2010 | 18:45 Uhr
Endlich der Durchbruch
Karstadt im Rhein-Ruhr-Zentrum Foto:Ole Heyer

Sekt oder Selters? Den Beschäftigten des Karstadt-Konzerns im Rhein-Ruhr-Zentrum ist eine Riesenlast von den Schultern gefallen.

Die Stimmung im Rhein-Ruhr-Zentrum bringt Ulrich Bauer (53), Betriebsrat und Mitarbeiter der Kleingeräteabteilung, auf den Punkt: „Entenpelle. Als die Nachricht über die Lautsprecher kam, haben die Kunden mit den Kollegen gemeinsam applaudiert.“

Karstadt ist hier eine Herzenssache. „Es gab im letzten Jahr viel Anspannung, klar“, gibt Renate Kreisel (57, Parfümerie) offen zu, „doch es hat sich keiner hängen lassen.“ Seit 25 Jahren ist sie für Karstadt tätig, „ein zweites Zuhause“. Gegenseitig habe man sich von Juni 2009 an, in der schweren Zeit des Insolvenzverfahrens, aufgebaut, erzählt Alexandra Langner (38, Schreibwaren), es wurde offen über die Situation und Sorgen diskutiert in der Mittagspause, „aber immer gehofft.“

Noch am Morgen dauerte die Zitterpartie an, übers Radio lauschten die Beschäftigten nach Neuigkeiten. Als Karstadt-Geschäftsleiter Gilbert Weigel (51) um 14.55 Uhr die gute Nachricht über den Hausfunk verbreitete, entlud sich die Spannung. „Ich bin stolz auf unsere Mitarbeiter“, lobt Weigel, „sie sind mit der Situation professionell umgegangen und sie haben die Kunden ihre Anspannung nicht merken lassen.“

Krise vorbei? Die fehlenden zwei Unterschriften für den Einigungsvertrag zwischen Investor Berggruen und Vermieter Highstreet sind geleistet worden, Betriebsratschefin Andrea Grisail bleibt dennoch beim Wasser: „Ich freue mich, wenn das Amtsgericht dem Insolvenzplan zustimmt.“ Man ist vorsichtig geworden in der Belegschaft, denn das Ringen um die Warenhauskette haben viele bereits seit Jahren miterlebt.

Seit 2004, blickt Grisail zurück, als es zum ersten Mal Spitz auf Knopf stand, willigten die Mitarbeiter in Sanierungstarifpläne ein. 75 Prozent weniger bei Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld, völliger Verzicht auf Urlaubsgeld. Ein starker Beitrag zur Rettung des Konzerns, der noch zwei Mal erneuert wurde, bis heute gilt und noch bis 2012 seine Gültigkeit behalten wird. „Danach“, so Grisail, „sollen wieder die normalen Verträge gelten.“ Auf der Gewinn-Seite der Belegschaft steht, laut Betriebsrat, jedoch die Garantie für den Erhalt aller Mitarbeiter und 120 Standorte bis 2012.

Das gilt natürlich ebenso für die Arkaden im Rhein-Ruhr-Zentrum. 408 Menschen arbeiten hier, hinzu kommen 300 Partner und Mieter in den Arkaden. Gilbert Weigel wirkt sichtbar erleichtert: „Die Unterzeichnung ist eine hervorragende Nachricht. Ich bin sicher, wir sind auf einem guten Wege.“ Über die Zeit nach 2012 will er noch nicht spekulieren – es wird an den Konzepten liegen, die der neue Investor entwickeln muss. Denn die ganze Branche kränkelt: Hertie, Woolworth, Kaufhof.

Karstadt sei aber stark, so Weigel, im Vergleich aller Filialen befinde sich die Mülheimer sogar unter den 15 umsatzstärksten. Dies liege an der zielgerichteten Auswahl, „nicht alles, aber alles relevante unter einem Dach – das gilt heute für das Warenhaus“.

Stadt, Wirtschaft und Gewerkschaft begrüßen die Rettung der Warenhauskette: „Karstadt ist ein wesentlicher Faktor für das Rhein-Ruhr-Zentrum“, kommentierte die Rettung OB Dagmar Mühlenfeld, die vor kurzem mit dem Betriebsrat und der Geschäftsführung sprach, „ich freue mich, dass eines der umsatzstärksten Karstadt-Häuser in Deutschland seine Existenz sichern konnte.“ Erleichtert zeigte sich auch Jürgen Schnitzmeier, Geschäftsführer von Mülheim & Business, das bedeute die Sicherung von rund 450 Arbeitsplätzen für den Wirtschafts- und Einkaufsstandort Mülheim.

Dennis Vollmer

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Kommentare
05.09.2010
10:14
Endlich der Durchbruch
von @fussi | #2

@ Kajovo
Hier ne kleine Auflistung :

Euro Tedi
Netto
Aldi
Penny usw….

Und wenn dir da auch nicht geholfen wird gibt es noch den Trödelmarkt

04.09.2010
10:28
Endlich der Durchbruch
von Kajovo | #1

haben die Kunden mit den Kollegen gemeinsam applaudiert. So, so es waren also Kunden da. Komisch meistens ist doch der Laden leer. Man kann nur hoffen, das die Bedienungen freundlicher werden und sich nicht verstecken, wenn mal ein Kunde den Laden betritt.

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