Einsatz für die Unfallopfer

Stephan Buscheinen und Florence Buttler sind die neuen Opferschützer im Bereich Verkehrsdelikte bei der Polizei Essen/Mülheim.
Stephan Buscheinen und Florence Buttler sind die neuen Opferschützer im Bereich Verkehrsdelikte bei der Polizei Essen/Mülheim.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
Was wir bereits wissen
Florence Buttler und Stephan Boscheinen sind die neuen Opferschützer im Bereich Verkehrsdelikte bei der Polizei Essen/Mülheim. Sie vermitteln Hilfe und sind mit sozialen und psychologischen Diensten vernetzt.

Mülheim.. Der erste Besuch führte zu einer alten Dame, die nach einem Verkehrsunfall im Krankenhaus lag: „Sie hat sich gefreut, dass wir kamen. Sie hatte zu Hause noch einen pflegebedürftigen Mann, den sie versorgte und sie wusste nicht, was sie machen sollte“, erzählt Florence Buttler. Sie und Hauptkommissar Stephan Boscheinen sind seit gut zwei Wochen die neuen Opferschützer für den Bereich Verkehrsdelikte bei der Polizei Essen/Mülheim. Die beiden informierten den Sozialdienst des Krankenhauses, der sich dann um die alte Dame weiter kümmerte.

Florence Buttler und Stephan Boscheinen sind Ansprechpartner für Unfallbeteiligte, „die mit jemanden über das Erlebte reden wollen oder nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen“, erklären die beiden. „Das können die Verletzten sein, genauso wie Unfallverursacher, die Schuldgefühle haben oder auch Zeugen, die nicht mit dem klar kommen, was sie gesehen haben“, sagt Stephan Boscheinen. Er und seine Kollegin können keine psychologische Hilfe leisten, aber sie können sie vermitteln, genauso wie andere Ansprechpartner und soziale Dienste oder sie können auch einfach bei der Bürokratie behilflich sein. Was passiert mit meinem Auto? Wann werde ich vorgeladen? Soll ich einen Anwalt nehmen? Fragen, die Buttler und Boscheinen beantworten – auch wenn sie keine Rechtsberatung geben können und weiter dem Strafverfolgungszwang unterliegen.

Manchmal reicht ein Anruf

Die Opferschützer arbeiten eng mit dem Verkehrskommissariat zusammen, das ihnen Unfälle mit Verletzten meldet. 2013 waren dies in Essen und Mülheim 1958 Fälle. „Wir nehmen dann Kontakt zu den Unfallbeteiligten auf“, erklärt Stephan Boscheinen den Regelfall. Manchmal reicht ein Anruf und die Opfer sagen, das alles in Ordnung ist. „Andere sind dankbar und sagen, wie wussten gar nicht, dass es sie gibt und die Betreuung läuft über Monate oder aber sie kommen erst nach Monaten auf uns zu“, weiß Boscheinen aus Erzählungen seiner Vorgänger. Er selbst blickt auf eine langjährige Polizeilaufbahn zurück, war bei der Kripo und zuletzt in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Jetzt kann er sich noch einmal verstärkt getreu dem „alten Spruch ,Die Polizei, dein Freund und Helfer’ mit den Menschen beschäftigen“.

Florence Buttler freut sich nach 20 Jahren im Streifen- und Wechseldienst „für die Opfer da zu sein.“ Ihr Büro haben die Opferschutzbeauftragen in der Verkehrsdirektion in Mülheim. Zuständig sind die Opferschützer für die Städte Essen und Mülheim und auch, wenn auf den angrenzenden Autobahnen Unfälle passieren, oder auch Opfer aus Essen und Mülheim im Urlaub verunglücken. „Viele Unfallopfer wissen auch nicht, mit wem sie reden können, da ist es einfacher, wenn man etwas Distanz hat“, sagt Florence Buttler. Nur zu einem würden sich die beiden nie äußern: zur Schuldfrage.