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Einmal Probewohnen, bitte

09.06.2009 | 18:41 Uhr

Der Landschaftsverband Rheinland will das Mülheimer Projekt für Menschen mit geistiger Behinderung rheinlandweit umsetzen

Einmal alleine wohnen. Selbst wenn es nur für vier Wochen zur Probe ist. Für viele junge Erwachsene mit geistiger Behinderung ist das ein großer Traum. Die Trainingswohnung der Rembergschule bietet diese Chance und sie hat mittlerweile Modellcharakter, der über die Stadt hinausstrahlt. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) ist von der Mülheimer Initiative richtig begeistert: „Wir sind von der Mülheimer Idee so beeindruckt, dass wir es in andere Regionen des Rheinlandes anstoßen wollen”, sagt Martina Hoffmann-Badache, LVR-Sozialdezernentin. Gestern tagte der LVR-Sozialausschuss in Mülheim, um auch persönlich die Probewohnung an der Hingbergstraße zu besichtigen.

Sie nutzten die Chance: Dennis Wald, Tarno Nadaraiah, David Memis (v. li.) haben für einige Wochen in der Probewohnung gelebt. Foto: WAZ, Andreas Köhring

Schon bis Ende 2009 will der LVR in acht Regionen im Rheinland das Mülheimer Probewohn-Konzept umsetzen, in den drei Städten Duisburg, Solingen und Mönchengladbach ist ein Start nach den Sommerferien geplant, so die LVR-Pressesprecherin Martina Krause. Denn die Trainingswohnung zeigt Menschen mit geistiger Behinderung schon früh eine Alternative zum langen Leben bei den Eltern oder zum Heim auf. Sie bietet die Chance, sich für einen überschaubaren Zeitraum alleine zu versorgen. Und sie bietet kritischen oder ängstlichen Eltern die Möglichkeit, ihr Kind für vier Wochen einmal der heimischen Obhut zu entlassen: „Und die es einmal probiert haben, sind begeistert und damit die besten Botschafter”, so Dorothee Daun, Vorsitzende des LVR-Sozialausschusses.

In einer vierköpfigen Gruppe wohnen die 18- bis 20-Jährigen für vier Wochen in der Wohnung, jeder hat sein eigenes Zimmer, sie teilen sich eine Küche, müssen den Putzplan organisieren und fahren morgens mit öffentlichen Verkehrsmitteln alleine zur Rembergschule. Dennis Wald (20) ist einer der Mülheimer, der schon im vergangenen Jahr für vier Woche zur Probe gewohnt hat: „Ich wäre am liebsten direkt dort geblieben.” Es war die Freiheit, die er sehr geschätzt hat. Die Chance, selbst zu bestimmen, was mittags auf den Tisch kommt, wann er abends ins Bett geht.

Ein Projekt in dieser Größenordnung ist allerdings nur möglich, wenn vor Ort das Engagement riesig ist. Beispielsweise ausgedrückt durch die Bereitschaft, dass Lehrer der Rembergschule pro Tag für eine Stunde in der Wohnung vorbeischaut, wie Peter Kalde, Leiter Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung erläutert. In Mülheim unterstützt der LVR das Projekt durch Fachkräfte, darüber hinaus ist die Finanzierung vor Ort geregelt worden. Die Wohnung stellt die städtische Wohnungsbaugesellschaft SWB für fünf Jahre kostenlso zur Verfügung, die Nebenkosten übernimmt die Stadt Mülheim, darüber hinaus waren Stiftungen bei der Einrichtung beteiligt.

Bei den zukünftigen Projekten in anderen Städten wird der LVR die Miete sowohl die Nebenkosten zusätzlich übernehmen. „Wir können anderen Städten nur Mut machen, das Projekt umzusetzen”, sagt Brigitte Mangen, Mitglied des LVR-Sozialausschusses. Ob das Projekt in allen Städten und Kreisen umgesetzt wird? „Am Geld scheitert es auf keinen Fall”, sagt Martina Krause.

Daniela STÄDTER

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