Eine Stadt, gezeichnet vom Sturm - Mülheim 2014

Nach dem Pfingststurm „Ela“: Auf dem stark betroffenen Kahlenberg starten am Tag danach die Aufräumarbeiten. In der ganzen Stadt sind längst nicht alle Sturmschäden beseitigt. Das Pflanzen von Ersatzbäumen wird wegen hoher Kosten noch Jahre dauern.
Nach dem Pfingststurm „Ela“: Auf dem stark betroffenen Kahlenberg starten am Tag danach die Aufräumarbeiten. In der ganzen Stadt sind längst nicht alle Sturmschäden beseitigt. Das Pflanzen von Ersatzbäumen wird wegen hoher Kosten noch Jahre dauern.
Foto: Deike Frey
Was wir bereits wissen
Pfingststurm „Ela“ hat Mülheim 2014 besonders bewegt und geprägt. Stürmisch war das Jahr auch in manch anderer Hinsicht. Ein Jahresrückblick.

Mülheim.. Kein anderes Ereignis als der Pfingststurm „Ela“ hat Mülheim mehr bewegt und geprägt. Stürmisch war das Jahr auch für manch ein Großunternehmen. Und zwei Fragen bleiben Dauerbrenner: Wann gibt es die Kaufhof-Lösung und wie kommt der ÖPNV in die Spur?

Januar: Dramatischer Jahreswechsel mit Wohnhausbrand in Dümpten

Dramatisch startet das neue Jahr in Dümpten: In der Silvesternacht setzt ein Feuerwerkskörper ein Haus am Bickenborn in Brand, vier Bewohner erleiden Rauchvergiftungen. +++ Die Gastronomie im Schloss Styrum wird geräumt. Voraus gegangen war ein Rechtsstreit zwischen der Hausherrin MST und dem früheren Restaurantbetreiber. +++ Die Bezirksregierung lehnt den beantragten Ausbau der Schrottverarbeitung an der Weseler Straße ab. Anwohner atmen auf.

Städtische Beteiligungsholding und Ruhrbania-Gesellschaft ließen ein Geheimkonzept erstellen, das Pläne nach einem Abriss des leerstehenden Kaufhof skizziert. +++ Am Neubau der Hochschule Ruhr West an der Duisburger Straße wird Richtfest gefeiert. +++ Bauarbeiten beginnen auf dem Areal von Ruhrbania II. +++ Beim Festakt zum 800-jährigen Bestehen von Kloster Saarn würdigt Ministerpräsidentin Kraft diesen „Schatz der Stadt“. +++ Heinz Rinas, Ex-Chef der Seniorendienste, und die Stadt treffen sich erstmals vor Gericht.

Februar: Falscher Mörtel - Wennmann-Bad macht für vier Wochen dicht

Das Friedrich-Wennmann-Bad muss schon wieder geschlossen werden: Bei der Sanierung vor zwei Jahren wurde falscher Mörtel verwendet. +++ Gymnasium macht dicht: Weil sich an der Otto-Pankok-Schule Betonfaserplatten lösen, muss die komplette Schule gesichert werden. +++ Der Mülheimer lebt sicherer: Laut Polizei steigen die Einbruchszahlen nicht mehr. +++ Es geht nur mit Überbelegung: Die Stadt ist im Kindergartenjahr 2014/2015 im U-3-Bereich noch lange nicht da, wo sie hin muss. +++ Lebensretter: Ein Friseur rettet eine Frau vor dem Erfrieren.

Eine Million mehr für die Straßen: Von 2014 bis 2015 kann das Amt für Verkehrswesen mit drei Millionen Euro planen. +++ 550 Dauercamper bangen am Entenfang um ihren Erstwohnsitz: Ein Bundesgesetz untersagt das Leben im Erholungsgebiet. +++ Die Stadt lässt 227 Bäume fällen, aus Sicherheitsgründen. +++ Freispruch für MBI-Politikerin Annette Klövekorn im Beleidigungsprozess. +++ Stadt macht mit weniger Knöllchen mehr Geld nach Änderung des Bußgeldkatalogs.

März: Schüler mit Gebetsteppich suspendiert

Grundstückswerte in der Innenstadt verfallen: Gutachter ermitteln einen Wertverlust bis zu 9 Prozent. +++ Feuerwehr rettet 30 Menschen beim Kellerbrand an der Heißener Straße. +++ Gebetsteppich im Sportunterricht: Schüler am Berufskolleg Lehnerstraße wird suspendiert. +++ Vor 40 Jahren wurde das „City Center“, heute: Forum, eröffnet. +++ Milder März mit Temperaturen bis zu 23 Grad. +++ Immobilienpreise haben Höhepunkt erreicht: Nur bei Eigentumswohnungen erwarten Makler noch Steigerungen.

Jahresrückblick Streit um die „Ruhrperlen“: Werdener Heimatverein wirbt damit, MST reklamiert den Begriff für sich. +++ Neuer Wirt für den „Krug zur Heimaterde“ gesucht. +++ Die Awo Mülheim und ihre ehemalige Geschäftsführerin Adelheid Zwilling treffen sich vor Gericht. +++ Ev. Kirche legt Streichliste vor. +++ Bündnis der Pleitestädte wächst. Konferenz in Mülheim. +++ Konflikt um spielende Kinder im Umfeld einer Seniorenanlage. +++ Parken in den Wohnvierteln: Anwohnerregelung in der Innenstadt angeregt.

Das bewegte Mülheim im zweiten Quartal

April: Die Industrie schwächelt, SPD-Chef tritt zurück und „Akkordeonale“ wird gefeiert

Der April kommt mit wechselhaften Nachrichten: Die Industrie schwächelt mit einem Umsatzrückgang von 7,7 Prozent gegenüber 2013. +++ Flüchtlinge erfinden sich neu bei dem Theaterprojekt „Ruhrorter“. +++ Mit Beifallsbekundungen wird die „Akkordeonale 2014“ im Ringlokschuppen gefeiert. +++ Die Esche kränkelt an der Ruhrpromenade. +++ Landesweite Fachtagung will sexuelle Vielfalt in der Jugendarbeit fördern. +++ Millionen für den Schulneubau.

Ein Investor steht am Speldorfer Depot parat. +++ Stadt plant mit dem Café del Sol in Dümpten. +++ Brand in Gesamtschule Saarn wird gelegt. +++ „Volxbühne“ ist mit der „Winterreise“ von Jelinek für den Deutschen Amateurtheaterpreis nominiert. +++ Rechtsstreit um die fristlose Kündigung von Awo-Geschäftsführerin Adelheid Zwilling endet mit außergerichtlichem Vergleich und einer Abfindung von gut 70 000 €. +++ SPD-Chef Lothar Fink tritt zurück. +++ Macke-Schau bringt das Kunstmuseum mit 30 000 Besuchern seit Jahresanfang an Grenzen.

Mai: Ruhrpromenade wird eröffnet, Kommunalwahl-Pleite der FDP

Der Umbau der U-Bahn-Station am Rhein-Ruhr-Zentrum beginnt, mit viermonatiger Sperrung +++ Party von „Funkhaus Europa“ zieht 2500 Besucher zum Ringlokschuppen +++ Bürgerversammlung zum Thema Straßenbäume: Einige wollen nach Fällungen klagen +++ Wieder muss das Wennmann-Bad schließen, diesmal ist die Wasseraufbereitung gestört +++ Ruhrpromenade und Stadthafen werden eröffnet. +++ Die 39. Mülheimer Theatertage starten.

Das Landgericht Essen verurteilt den früheren Vorstandsvorsitzenden von Easy Software wegen Untreue zu dreieinhalb Jahren Haft. Revision wird eingelegt +++ Verdi und MVG-Betriebsrat sammeln 10 000 Unterschriften für Erhalt der Straßenbahn +++ Bei der Kommunalwahl rutscht die SPD ab, die CDU holt auf, FDP bricht ein. AfD sitzt erstmals im Stadtrat +++ Wahl des Integrationsrates mit nur 17 Prozent Beteiligung +++ Bei der Briefwahl vermissten einige Bürger den dritten Stimmzettel +++ Ein Ingenieur erlangt den ersten Doktortitel an der Hochschule Ruhr West.

Juni: Pfingststurm „Ela“ schockiert die Mülheimer

Nach 15 Jahren ist Markus Püll nicht mehr Bürgermeister. Ursula Schröder folgt ihm; Püll fühlt sich „gemobbt“. +++ Frank Schwarz wird Schlossherr; er übernimmt die Gastronomie auf Schloß Styrum. +++ Uwe Ganz fährt zu WM: Der Polizist, der bei Tuspo Saarn kickt, leitet die deutsche Polizei-Delegation in Brasilien. +++ Überraschend gibt es eine neue Option fürs Kaufhof-Areal: Jochen Hoffmeister will sich um die Sparkassenakademie bewerben.

Mit „Und dann“ gewinnt Wolfram Höll den 39. Dramatikerpreis. +++ Pfingststurm „Ela“ schlägt zu: Es gibt Verletzte und hohe Sachschäden; allein 20000 Bäume sollen beschädigt sein; Menschen müssen in Notunterkünften schlafen; Schulen, Kitas, Friedhöfe und Wälder bleiben geschlossen. +++ Der neue Stadtrat tagt. +++ Für die Sanierung von Schloß Broich werden Retter gesucht: Die Stadt will Privatleute und Unternehmer als Spender gewinnen. +++ Im Hildegardishaus und an der Gustavstraße sollen Flüchtlinge unterkommen. Viele Anwohner sind skeptisch.

Das bewegte Mülheim im dritten Quartal

Juli: Weltmeister-Monat mit Fußball, Flüchtlingen und den Ela-Folgen

Die Stadt hat nach Unwetter „Ela“ Bilanz gezogen und beziffert die Schadenshöhe auf 29,2 Millionen Euro. +++ Der Klöttschen wird saniert – Autofahrer brauchen viel Geduld. +++ In den Ferien gehen die Bauarbeiter zur Schule: An 16 Schulen laufen Maßnahmen. +++ Rund 150 Flüchtlinge sollen an der Gustavstraße untergebracht werden. Die Unsicherheit ist groß. Die rechte Szene nutzt das zur Demo. +++ Tengelmann zieht positive Bilanz: Der Jahresumsatz sei mit 7,82 Milliarden Euro stabil.

Deutschland ist Fußball-Weltmeister. In Mülheim mischt sich nach dem Abpfiff unter Böllern, Autohupen und Tröten auch Glockengeläut vom Kirchenhügel. +++ Unmut: Damwild, das beim Pfingstunwetter aus dem Gehege im Witthausbusch ausbüxte, wird erschossen. +++ Das Forum klagt gegen die Rumbach-Baustelle. +++ „Willkommen in Mülheim“ hilft nun Flüchtlingen. +++ Die MST wirbt um Schloss-Retter. +++ Baudezernent Peter Vermeulen spricht sich für die Ansiedlung der Sparkassen-Akademie im Kaufhof aus.

August: Feueralarm - 70 Bewohner werden aus Hochhaus evakuiert

Im Hildegardishaus sind die ersten Flüchtlingsfamilien eingezogen. +++ Stadt präsentiert detaillierte Pläne für ihre Bewerbungen um Ansiedlung der Sparkassen-Akademie. +++ Das sanierungsbedürftige VHS-Gebäude verdient Denkmalschutz, meint Erich Bocklenberg, städtischer Denkmalschützer im Ruhestand. Seine Ansicht löst lebhafte Diskussionen aus. +++ Gegen den Planfeststellungsbeschluss zur Rumbach-Kanalsanierung legt das Forum beim Verwaltungsgericht Klage per Eilantrag ein. Baustart im September gefährdet.

Projekt „Willkommen in Mülheim“ wächst zu großem Netzwerk für Flüchtlinge. +++ Nachdem das Pfingstunwetter den Blimp zerstört hat, lässt WDL neues Luftschiff fertigen. +++ Max-Planck-Institut für Kohlenforschung feiert 100-jähriges Bestehen. +++ Brand in der Müllschluckeranlage des Hochhauses am Hans-Böckler-Platz: 70 Bewohner werden evakuiert. +++ Nach fünfstündiger Verhandlung vor dem Landgericht Duisburg ist Beleidigungsklage gegen MBI-Ratsfrau vom Tisch.

September: Dritter Day of Song krönt Sangeslust

Fußballspielen während der Arbeitszeit? Mitarbeiter des Baudezernats haben das getan, mit Genehmigung des Dezernenten Vermeulen. Das sorgt für viel Wirbel und manche reden gar von „Kickergate“ +++ Der feuchte Sommer hat eine negative Freibad-Bilanz zur Folge, das Friedrich-Wennmann-Bad zählt nur 47 000 Gäste +++ Das Veterinäramt entzieht einem Pferdehalter seine abgemagerte Stute Eleisa +++ Die Ruhr-Kunst-Szene präsentiert sich mit der Ausstellung „Der subversive Geist“ neben dem Kunstmuseum Alte Post in neun weiteren regionalen Museen.

Erste Präsentation von 100 Oldtimern in Saarn +++ Elf Cups und Outfit-Pokale werden beim 18. Drachenbootrennen verliehen +++ Sanierungsschock für Politiker: Für sieben Bauten wären 89 Mio. Euro erforderlich +++ 50-Jähriger stirbt bei Brand +++ Affentheater feiert in ausverkaufter Stadthalle Premiere mit „Männer ohne Nerven“ +++ Mülheim fehlen 77 Mio. Euro. Kämmerer rät zu höheren Steuern +++ Staatsschutz setzt Salafisten aus Dümpten fest.

Das bewegte Mülheim im vierten Quartal

Oktober: Tengelmann will sein Supermarktgeschäft verkaufen

Die Planung für einen Fuß- und Radweg auf den Bahnbögen wird präsentiert: Hier soll eine attraktive Flaniermeile entstehen +++ Mit dem Kaufhof- und dem VHS-Standort steht Mülheim in der Endrunde um die Ansiedlung der Sparkassen-Akademie NRW +++ Nach Verzögerungen am Bau wird das Zeitkorsett eng für eine Eröffnung der neuen Hochschule in ­Broich zum Wintersemester 2015/16 +++ Ein Fall fürs Kartellamt: Tengelmann kündigt an, sein Supermarktgeschäft an Edeka verkaufen zu wollen. Betroffen sind rund 16 500 Mitarbeiter.

299 Stellen stehen am Siemens-Standort Mülheim auf der Streichliste +++ Chemiehändler Brenntag will mit seiner Zentrale von Heißen nach Essen umziehen +++ Aldi Süd stellt mit 5000 Filialen weltweit eine neue Rekordmarke auf +++ Nach Protesten aus der Anwohnerschaft zieht die Neuapostolische Kirche ihr Angebot zurück, der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde ihre verwaiste Kirche an der Max-Halbach-Straße zu verkaufen +++ Die Metro feiert in Dümpten ihren 50. Geburtstag.

November: Ein Korruptionsverdacht erschüttert die Stadt

Die Stadt beginnt in Heißen mit dem Bau der Bezirkssportanlage, deren Finanzierung umstritten ist +++ Ein Korruptionsverdacht erschüttert die Stadt: Heinz Rinas, Ex-Geschäftsführer der Mülheimer Seniorendienste, soll mit Geschäftspartnern der Stadttochter ein umfangreiches Netzwerk der Bestechlichkeit, Bestechung, Vorteilsannahme und -gewährung aufgebaut haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt +++ Der Förderverein übergibt der OB 1750 Unterschriften für den Erhalt der VHS in der Müga. Ein Bürgerbegehren ist in Vorbereitung.

An der Mühlenbergkreuzung wird eine 16-Jährige von einem Kleintransporter erfasst und stirbt +++ Arbeiter stoßen bei der Sanierung von Schloß Broich im Gemäuer auf eine „Schatzkiste“ +++ Mülheims SPD wählt Ulrich Scholten zum neuen Vorsitzenden +++ Nach tagelanger Suche auch mit Spürhunden wird ein vermisster Patient des Marien-Hospitals tot in einem Hinterhof der Altstadt gefunden. Der Dümptener (71) war offensichtlich eine Kellertreppe heruntergestürzt.

Dezember: Seniorenresidenz statt Sparkassen-Akademie

Theatermacher Roberto Ciulli erhält für seine Verdienste um die Clownerie den „Planet-Of-Smiles-Award“ +++ Die Gemeinden im Ruhrbistum sollen bis 2020 rund 30 % ihrer Ausgaben einsparen. Stadtdechant Michael Janßen bleibt gelassen. Es bleibe Zeit, um nachzudenken +++ Mit Storch Georch fällt eine Saarner Institution +++ Russland stoppt das Pipeline-Projekt „South Stream“. Die Mülheimer Firmen Europipe, MGB und Pipecoatings sind betroffen.

Dem Ringlokschuppen fehlen 400 000 Euro. Die Rettung gelingt dank Hilfe von Stadt und Land in letzter Minute +++ Die Gedenkstätte Yad Vashem verleiht Otto und Hulda Pankok posthum den Titel „Gerechte unter den Völkern“ +++ SPD und CDU beschließen den Haushalt 2015 mit erneuten Sparzielen für den ÖPNV +++ Der Vertrag steht: Die wegen ihrer Schwermetall-Emissionen umstrittene Schrottverarbeitung Jost zieht um zum Hafen +++ Die Sparkassen-Akademie kommt nicht nach Mülheim. Am Kaufhof-Standort wird nun eine Seniorenresidenz geplant.