Eine Rolle, die die Darsteller verändert

Sie stellen Nikolaus und Elisabeth Groß dar: (v.l.) Tim Timmer, Jürgen Wrobbel, Verena Rützel und Dorothee Schäfer.
Sie stellen Nikolaus und Elisabeth Groß dar: (v.l.) Tim Timmer, Jürgen Wrobbel, Verena Rützel und Dorothee Schäfer.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Tim Timmer, Jürgen Wrobbel, Dorothee Schäfer und Verena Rützel verkörpern auf der Musical-Bühne von St. Barbara Nikolaus und Elisabeth Groß.

Mülheim.. Wer die Darsteller von Elisabeth und Nikolaus Groß trifft, sitzt vier Personen gegenüber. „Wer Nikolaus oder Elisabeth Groß verkörpert, der muss im Musical 160 Minuten auf der Bühne stehen, sprechen und singen. Da möchte man niemandem der ehrenamtlichen Darsteller zwei Aufführungen hintereinander zumuten“, erklärt der Unternehmensberater Jürgen Wrobbel. Er teilt sich seit 2011 die Rolle des katholischen Widerstandskämpfers mit dem Rechtsanwalt Tim Timmer. „Die Rolle hat mich vom Abitur bis ins Berufsleben begleitet“, erzählt Timmer, der schon seit 18 Jahren den Arbeiterführer, Journalisten und siebenfachen Familienvater spielt.

„Wir haben Hochachtung vor Elisabeth und Nikolaus Groß, die sich beide im Angesicht aller Konsequenzen für den Widerstand gegen Hitler entschieden haben“, betonen die Hauptschullehrerin Verena Rützel und die in der Offenen Ganztagsschule tätige Pädagogin Dorothee Schäfer.

Die Verantwortung spüren

Auch Wrobbel und Timmer sind sich einig: „Wir möchten eine solche Entscheidung nicht treffen müssen. Wer so lange, wie wir, Nikolaus und Elisabeth Groß gespielt hat, ist ein anderer, als er es vorher war.“

Wie anders? Das Groß-Quartett, das zu einer rund 150-köpfigen Musical-Crew gehört, spricht von Mut, Ernst, Glauben und Verantwortung, die sie immer wieder spüren, wenn sie in die Rolle der Widerstandskämpfer aus der katholischen Arbeiterbewegung schlüpfen.

Professionelle Laienschauspieler

„Dieses Musical zeigt an einem persönlichen Beispiel, was der Nazi-Terror ganz konkret für die Menschen im damaligen Deutschland bedeutet hat“, finden sie. Besonders beeindruckt waren die inzwischen professionellen Laienschauspieler und Sänger von den Gesprächen mit dem 1934 geborenen Nikolaus Groß-Sohn Bernhard.

„Bernhard Groß hat uns mit seinen eigenen Erinnerungen an die NS-Zeit geholfen, unsere Rollen möglichst authentisch zu spielen. Und er hat fast jede unserer Aufführungen besucht“, unterstreicht Verena Rützel. Ihre Kollegin Dorothee Schäfer, die wie die anderen drei aus dem Quartett auch schon vor den Musical-Zeiten in der Kirchenmusik von St. Barbara aktiv war, hat aber auch Verständnis „für die zwei Seiten dieser Familiengeschichte.“

Sie kann verstehen, dass nicht alle Groß-Kinder Fans des Musicals über ihren 2001 selig gesprochenen Vater sind. „Einige der Groß-Kinder sind der Ansicht, dass die katholische Kirche mehr hätte tun können, um ihren Vater zu retten und ihrer Mutter das Schicksal einer alleinerziehenden Mutter von sieben Kindern zu ersparen“, weiß Schäfer. Besonders beeindruckt sie die Tatsache, dass Elisabeth Groß, trotz ihrer Familienpflichten nach 1945 die Zeit fand, um sich politisch zu engagieren.