Eine Handreichung zur Hilfe

Das ehrenamtliche Engagement für die Flüchtlinge in der Stadt ist hoch. Neben dem Warenhaus der WiM, gibt es eine Gruppe, die direkt in der Unterkunft an der Gustavstraße aktiv ist, Sportvereine engagieren sich und viele andere auch - teilweise schon seit vielen Jahren. Dieses Engagement ist eine gute und wichtige Unterstützung der hauptamtlichen Beratung, wie sie das Flüchtlingsreferat des evangelischen Kirchenkreises leistet. „Da wächst etwas“, freut sich Annette Faßbender, die seit vielen Jahren im Flüchtlingsreferat aktiv ist, das in diesem Jahr seit 35 Jahren besteht.

In ihrer Arbeit merkt sie aber, dass es bei den Ehrenamtlern oft eine Wissenslücke gibt, die zu Ratlosigkeit, Frustration und auch zu verpassten Chancen führen kann. Diese Lücke soll nun mit einer Broschüre mit vielen praktischen Tipps, Hintergrundinformation und Adressen geschlossen werden. Ein wichtiges Thema sind die interkulturellen Fallstricke, die Ehrenamtlern leicht zum Verhängnis werden können. Ein weiterer Schwerpunkt sind Symptome und Auswirkungen von Traumatisierung. „Flüchtlinge, die unter diesen Symptomen leiden, haben manchmal Schwierigkeiten, sich neu zu orientieren, ihr Leben aktiv zu bewältigen und Herausforderungen anzunehmen“. Auch das kann zu Enttäuschungen führen. Faßbender hat aber auch die Erfahrung gemacht, dass gut gemeint nicht immer gut gemacht ist. Sie erzählt von einer Frau, die einer afghanischen Flüchtlingsfamilie helfen wollte, in dem sie ihr einen Schnellkochtopf gegeben hat – allerdings vorsichtshalber ohne Deckel. Das verwirrte die Afghanische Frau, die entgegen der Vermutung sehr wohl wusste, was ein Schnellkochtopf ist.

Nicht unterschätzen

Damit will sich Faßbender nicht lustig machen, aber deutlich machen, dass die Kenntnisse der Flüchtlinge leicht unterschätzt werden. Bei Treffen hat sie auch oft erlebt, dass Deutsche unsicher sind, was sie die Flüchtlinge fragen oder wie sie auf sie zugehen sollen. Am besten unbefangen, wenn etwas nicht klappt, merkt man das schon. Gemeinsam könne man dann lachen und staunen, wie sie es beim gemeinsamen Memory-Spiel zwischen Flüchtlingen und Styrumern im Welcome-Meeting in der Lukas-Gemeinde erlebt hat. Das hat sich schon nach zwei Terminen gut als Treff etabliert. Wichtig ist ihr, dass Deutsche und Flüchtlinge etwas gemeinsam machen und nicht nur Dinge speziell für Flüchtlinge angeboten werden.

„Gute Erfahrungen, bereichernde Begegnungen, aber auch Geduld und Kraft, das wünschen wir Ihnen für ihre Arbeit mit Menschen, die in Mülheim Zuflucht suchen“, schreibt Faßbender in ihrem Vorwort. „Es gibt auch blöde Situationen. Manchmal passen Menschen einfach auch nicht zusammen“, sagt sie. Das muss man auch aushalten.

In der Broschüre wird zunächst erklärt, zwischen unterschiedlichen Flüchtlingsarten von Kontingentflüchtlingen über Geduldete bis hin zu Asylbewerbern zu unterschieden, dann wird der Ablauf des Asylverfahrens skizziert und auf Spezialthemen wie Wohnen, Arbeitserlaubnis, medizinische Versorgung, Sprachförderung und Schule eingegangen.

Vor allem der offizielle Anhörungstermin, das „Interview“ wie viele Flüchtlinge sagen, ist von großer Wichtigkeit. Aus Scham oder Höflichkeit neigen Flüchtlinge dazu, es kurz zu halten und wichtige Gründe für ihre Flucht nicht zu nennen. Gravierend sind die Einschränkungen bei der medizinischen Versorgung. Die ersten 15 Monate lang ist eine Mitgliedschaft in einer Kasse nicht vorgesehen, die Leistungen trägt das Sozialamt. Nach dem Gesetz werden aber nur notwendige Behandlungen bei akuten Schmerzen übernommen.

Wie immer ist das auch abhängig vom herrschenden Klima in der Stadt und der Stadtverwaltung und das ist in Mülheim günstig., aber alles kann man auch nicht ändern. Die Broschüre stellt auch einen guten Einstieg in das Thema dar, für alle, die sich politisch im Rat, den Bezirksvertretungen oder Organisationen engagieren.