Eine Frage der Perspektive

Ist da jemand auf die schiefe Bahn geraten? Ein Zug ist erst dann unpünktlich, wenn er 5,59 Minuten zu spät ist. Festgelegt hat das die Deutsche Bahn selbst.

Ein menschenfreundlicher Zug? Aus meiner Perspektive eigentlich schon. Denn ich komme leider gerne mal zu spät. Dann ist aber der Zug schon abgefahren, der jetzt ausgerechnet pünktlich ist. Aber würde diese Regelung auf den Alltag übertragen werden, ich wäre problemfrei. Denn ich komme vielleicht nicht punktgenau, aber so einen großen Spielraum, wie die Bahn ihren Zügen lässt, brauche ich nicht. So spät bin ich nicht.

Aber das Beispiel zeigt, letztlich ist alles eine Frage der Perspektive. Vielleicht sollten wir nicht nur unsere Vorstellung von Pünktlichkeit verändern. Ich hätte da auch noch andere Vorschläge. Zum Beispiel: Zeche prellen. Wenn ich in der Kneipe, sagen wir, 20 Euro zahlen muss, aber nur 18 dabei habe, wird der Wirt in der Regel ungemütlich. Kann man hier nicht eine neue Regelung einführen. Ich wäre für die fünf Euro-Hürde. Nur wenn der Fehlbetrag größer ist, gilt das als Prellerei. Oder Rechtsschreibung: Ein Wort sollte erst dann als falsch geschrieben gelten, wenn mindestens 50 Prozent der Buchstaben falsch sind. Sind es weniger, ist ja schließlich der Großteil von dem, was geschrieben ist, vollkommen korrekt.

Die Bahn hat tatsächlich die Weichen in eine neue Zeit gelegt.