Eine einschneidende Entwicklung

Die Nachricht ist für das Dorf Saarn gleich ein Einschnitt in mehrererlei Hinsicht: Abschied von einem Traditionsgeschäft, aber eine deutliche Vergrößerung des dort integrierten Reitsportbedarfs und eine größere und modernere Sparkasse an zentraler Stelle. Ja, Bellscheidt schließt. Der Bauernmarkt schließt. Da denkt man, regionale Produkte erfreuten sich wachsender Beliebtheit und der Laden hätte eine gesicherte Zukunft. Dem ist aber nicht so, sagt Betreiber Helmut van der Bey. „Als Einzelkämpfer hat man schon Probleme“, sagt der 69-Jährige, der jetzt die Zeit für gekommen sieht, sich zurückzuziehen. Einen Nachfolger für den Laden habe er nicht gefunden. Vermutlich machen ihm auch die Supermärkte und Discounter zu schaffen, die sich am Rande des Dorfs etabliert haben. Die haben auch ihre regionalen Produkte, die möglicherweise billiger sind. Vielleicht war der Laden auch einfach zu groß. Die Reaktionen der Stammkunden, die von der Schließung im Sommer erfahren haben, waren massiv, erzählt van der Bey. Sie können es nicht fassen. Für die zwölf Mitarbeiter, die teilweise seit Jahrzehnten bei ihm beschäftigt sind, ist es eine bittere Entscheidung. Er verspricht ihnen Unterstützung.

Eine bittere Entscheidung

Dort, wo jetzt Äpfel, Kartoffeln und andere Lebensmittel gehandelt werden, zieht Mitte nächsten Jahres die Sparkasse ein. Vier Motive sind es, die sie zu dem Schritt bewegen, wie Vorstandsmitglied Ralf Dammeyer erläutert: Da die Beratung für die Sparkassenkunden immer wichtiger wird und sie diskret in geschlossenen Räumen geschehen soll, genügt das Raumangebot in der bisherigen Filiale am Anfang der Düsseldorfer Straße nicht mehr den Anforderungen. Nach 20 Jahren stünde ohnehin ein großer Renovierungsbedarf an und die Kunden hätten schon mehrfach über die schlechte Parkplatzsituation an der Filiale geklagt. Außerdem fühle sich die Sparkasse dort zu sehr in einer Randlage und wolle „ab in die Mitte“.

Zwei Millionen Euro will das Kreditinstitut in moderne Technik investieren. Saarn ist nach der Zentrale am Berliner Platz der wichtigste Standort für die Sparkasse. „Das gilt sowohl hinsichtlich der Anzahl der Kunden als auch der Höhe der Erträge“, so Dammeyer. Die Sparkasse verwaltet dort 7000 Privatgirokonten und 600 Geschäftskonten. Aufgegeben werden soll dagegen die Filiale an der Saarner Kuppe, die nicht wie erwartet expandierte und nur einen sehr kleinen Kundenkreis anspricht. Und auch sie ist nach 20 Jahren deutlich in die Jahre gekommen. Da auch hier der Mietvertrag ausläuft, ist es Zeit zu handeln.Ein SB-Angebot soll es aber weiterhin geben. Bis zur neuen Filiale sind es 1,4 Kilometer. „Die Saarner gehen ohnehin ins Dorf zum Einkaufen“, sagt der Sparkassenmann. So könnten sie dann dort gleich ihre Geldgeschäfte tätigen. Die sechs Mitarbeiter ziehen mit um, so dass am neuen Standort auf 930 Quadratmetern 20 Mitarbeiter tätig sein werden.

Neben einem Selbstbedienungsbereich und einer Kundenhalle wird es im hinteren Teil auf zwei Etagen 15 Büros geben, wobei dann dort auch die drei Vermögensberater anzutreffen sein werden, die am bisherigen Standort keinen Platz mehr hatten. Trotz Treppen lege man großen Wert auf Barrierefreiheit, betont Dammeyer, was auch in der Bedienung der Geräte deutlich werden soll.

„Der Zeitplan für den Umbau ist sportlich“, sagt Dammeyer, wobei verschiedene Dinge miteinander verbunden sind. Im hinteren Bereich des Bellscheidtkomplexes soll ein Teil abgerissen werden, um Platz zu schaffen für das Geschäft für Reitsportbedarf, das im vorderen Teil aus allen Nähten platze, und nun eine Verkaufsfläche von 600 Quadratmeter auf zwei Etagen erhalten soll. Mit dem Abriss muss bald begonnen werden. Vorgespräche mit der Verwaltung seien schon geführt worden, so van der Bey. Einen Bauantrag werde man voraussichtlich in zwei Wochen einreichen und hoffe dann nach sechs weiteren auf grünes Licht. Voraussichtlich im Juli, August soll der Landhandel schließen, womit eine hundertjährige Tradition zu Ende geht und zum 1. Oktober mit dem Umbau begonnen werden kann.