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Einbrecher gehen auf Raubzug durch Mülheim

25.03.2010 | 17:37 Uhr
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Einbrecher gehen auf Raubzug durch Mülheim

Mülheim. Die Zahl der Einbrüche ist in Mülheim rasant gestiegen. Ein Plus von fast 50 Prozent hat die Polizei festgestellt. Die Tatortwahl geschieht eher zufällig - Tätergruppen ziehen offenbar von Stadt zu Stadt. Die Aufklärungsquote liegt bei knapp 20 Prozent.

Hingbergstraße. Es ist kurz nach 3 Uhr. Ein Bewohner wird durch Geräusche geweckt. Er steht auf, blickt aus dem Fenster und sieht noch zwei Männer aus dem Fenster des Nachbarhauses klettern. Er ruft sofort die Polizei. Als die vor Ort auftaucht, sind die Einbrecher verschwunden. Alltag in Mülheim. Jeden Tag dringen Täter in zwei, drei Wohnungen ein.

„Es sind Tätergruppen von auswärts, die uns zu schaffen machen“, sagt Kriminalhauptkommissar Gisbert Tiede. „Die ziehen von Stadt zu Stadt.“ Manche seien vielleicht nur eine halbe Stunde am Ort und dann wieder weg, berichtet Polizeioberrat Manfred Joch. In der Zeit hätten sie aber auch mehrfach zugeschlagen.

Beliebter Einstieg über Balkon oder Terrasse

Die Auswahl der Tatorte geschieht aus Sicht der Polizei eher zufällig. „Die kommen von der Autobahn runter und fahren in die nächstbeste Gegend. Wir können daher nicht sagen, dass in Mülheim bestimmte Viertel besonders stark betroffen oder gefährdet sind. Das kann überall sein.“ Für die Täter, so Tiede, ist vor allem eines entscheidend: Wo ist das Risiko, entdeckt zu werden, möglichst gering? „Das kann ein großes Mehrfamilienhaus genauso sein wie ein Haus, das allein steht.“

Nach wie vor gelangen die meisten Einbrecher über den Balkon oder die Terrasse ins Haus, beliebt seien auch die Hochparterre und der Einstieg über Garagendächer. Und auch eine alte Haustür gilt als Lockmittel für Einbrecher, von denen viele schon als Jugendliche mit Brecheisen und Schraubenzieher unterwegs sind.

Blücherstraße. Mittagszeit. Diesmal ist die Polizei schnell vor Ort. Ein 18-Jähriger ist in eine Wohnung eingebrochen. Als die Beamten ihn vernehmen, stellen sie fest, dass mindestens 16 Wohnungseinbrüche auf sein Konto gehen.

Die meisten Täter haben es auf Schmuck, immer auf Bargeld, zunehmend auf Laptops abgesehen. Der Einbruch erfolgt schnell. „Selten bleibt ein Einbrecher länger als ein paar Minuten in einer Wohnung.“

Leichtes Spiel für die Täter

Speldorf. Wieder sind zwei noch jugendliche Täter unterwegs, entdecken eine offene Terrassentür. Es ist spät am Abend, der Bewohner schläft bereits. Die Täter haben leichtes Spiel. Sie nehmen mit, was sie auf die Schnelle finden: Uhr, Handy, Laptop. Lautlos verschwinden sie wieder. Erst viel später kommt die Polizei ihnen auf die Schliche.

Es gehört zur großen Ausnahme, sagt der Kriminalhauptkommissar, dass bei einem Wohnungseinbruch die Täter mit den Opfern zusammentreffen. „Wo sie Geräusche hören oder auf Nachbarn stoßen, verschwinden sie schnell.“ Die soziale Kontrolle im Umfeld hält Tiede denn auch für ein ganz wertvolles Abwehrsystem. Die Polizei hofft darauf, dass Nachbarn und andere mögliche Zeugen aufmerksam sind, misstrauisch reagieren, wenn ihnen etwas verdächtig vorkommt.

Vor allem ließe sich so auch die Aufklärungsquote steigern. Mit den aktuellen Zahlen kann die Polizei nicht zufrieden sein. Dabei stehe man in Mülheim mit einer Quote zwischen 15 und 20 Prozent noch besser da als viele andere Städte im Land, heißt es im Präsidium. Die Probleme der Ermittler: Selten finden sie eine gute Spurenlage vor. Fingerabdrücke – das war mal. „Die Täter lernen auch aus dem Fernsehen.“ Und wenn einer erwischt wird, legt der kaum noch „eine Lebensbeichte“ ab.

Würde eine stärkere Präsenz der Polizei vor Ort helfen? „Wir haben Konzepte, bei denen wir verstärkt uniformiert in Stadtteilen auftauchen und gleichzeitig in Zivil in anderen Viertel vor Ort sind.“ Doch der große Erfolg bleibt aus. Die Ermittler wissen: Es kann tagelang nichts passieren und dann plötzlich viel an vielen unterschiedlichen Orten. Wohnungseinbrüche seien unberechenbar.

Andreas Heinrich

Kommentare
27.03.2010
13:35
Einbrecher gehen auf Raubzug durch Mülheim
von ich lebe gerne hier | #22

Am besten wäre es, die Radarwagen dort zu positionieren, wo gerade eingebrochen wird -:)

So, jetzt sind wir wieder beim Thema Einbruch.
An #9 Bildung für alle:

Einfachheit ist nichts Schlimmes und sollte nicht mit Oberflächlichkeit verwechselt werden. Und kurze Denkanstöße sind meist besser als ellenlange Beiträge. In meinem Beitrag habe ich das Wort „Schuld“ bewusst vermieden. Ich beteilige mich nicht an diese stupiden Diskussionen Ewiggestriger, die schon wenige Sekunden nach Veröffentlichung einer Polizeimeldung wissen, wo die Täter zu suchen sind.
Allerdings sind Google World und Bing Maps für Einbrecher (und für Menschen die gutes tun wollen) sehr nützliche Werkzeuge. Dabei bleibe ich.

27.03.2010
09:36
Einbrecher gehen auf Raubzug durch Mülheim
von esreichmirlangsam | #21

@15

30 er Zonen sind sehr gut ausgeschildert.
Gerade das 30 Zonen Schild ist eines der größten Schilder die es gibt, ich verstehe die Problematik nicht.....

26.03.2010
22:18
Einbrecher gehen auf Raubzug durch Mülheim
von GoWest | #20

Die Frage ist auch wieviele Menschen jedes Jahr durch von überhöhter Geschwindigkeit ausgelöste Unfalle im Straßenverkehr verletzt werden oder sterben und wieviele durch Wohnungseinbrüche. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass oftmals an den falschen Stellen geblitzt wird. Auf einer Hauptstraße mit 65 geblitzt zu werden zieht die gleiche Strafe nach sich wie 65 km/h in einer kleinen Straße in einem Wohngebiet. Das ist falsch. Wer mit 50 durch eine 30er Zone fährt müsste den Lappen für mindestens einen Monat abgeben. Die 30er Zonen sollte man dafür vielleicht auch deutlicher kennzeichnen.

26.03.2010
17:24
Einbrecher gehen auf Raubzug durch Mülheim
von esreichtmirlangsam | #19

@ 13
Zitat:
Wie kommt es, dass immer an Stellen, die zum etwas zu schnell fahren einladen geblitzt wird.
Fährt man auf der Mendener Brücke 60km/h, so dient es sicher nicht der Verkehrssicherheit dort zu blitzen.

Total falsch, es wird auch in 30er Zonen geblitzt.
Bei 60 km/h dürfte man sowieso nicht geblitzt werden, die Geräte sollten anders eingestellt sein, weil sich der Aufwand für 10 oder 15 Euro Geldbuße ja gar nicht rentieren würde.

Zitat:
Am Rande bemerkt: bei der Überwachung der Handy-am-Steuer-Telefonierer ist auch noch eine Menge Abzockpotential.

Das ist leider ebenfalls falsch, laut Tabestandkatalog heißt es......Mobiltelefon aufnahmen oder hielten......auf deutsch, man muss nicht telefonieren um den Tatbestand erfüllt zu haben, das Handy in der Hand halten reicht.

Zitat:

Im Zuge der klammen Haushaltskassen sollen die Sheriffs offensichtlich die Autofahrer im großen Stil abzocken. Dass dann keine Sheriffs mehr für andere Aufgaben mehr zur Verfügung stehen, ist wohl klar.

Verwarngelder gehen zur Landeskasse in Düsseldorf nicht an die Kommunen.
Von Abzocke sprechen nur Leute die gegen Gesetze verstoßen und den Fehler dann bei anderen suchen anstatt sich einzugestehen das gegen geltendes Recht numal verstoßen haben.

Und zu schnell ist zu schnell da kann man noch so viele Zwischenstufen sehen, die gibt es in der Realität nicht und das ist auch gut so, weil nämlich ansonsten alles schwammig wäre mit der Konsequenz das alle machen was sie wollen.

Bei Einbrüchen gibt es keine Prophylaxe, höchstens durch die Eigentümer (Wohnungssicherung) und hier ist die Polizei sehr wohl tätig.

26.03.2010
16:44
Einbrecher gehen auf Raubzug durch Mülheim
von Eagle2 | #18

#12:
Ich denke, die Sache mit dem zu schnell Fahren hat eine breite Grauzone, die Sache mit den Einbrüchen nicht.

Wie kommt es, dass immer an Stellen, die zum etwas zu schnell fahren einladen geblitzt wird. Fährt man auf der Mendener Brücke 60km/h, so dient es sicher nicht der Verkehrssicherheit dort zu blitzen. Fährt man in der Spielstraße in der ich wohne 60km/h (UPS, BO-Frost, DPD, jugendliche GTI Dynamiker) so stimme ich Ihren Ausführungen zu. In unserer Spielstraße wird allerdings nie geblitzt, weil die Sheriffs alle auf der Mendener Brücke oder auf der Straße zwischen Hauptfriedhof und Flughafen (oder vergleichbaren Strecken) stehen. Die Verlockung, dort 60 zu fahren ist einfach da, oft geschieht dies auch aus Versehen.
Am Rande bemerkt: bei der Überwachung der Handy-am-Steuer-Telefonierer ist auch noch eine Menge Abzockpotential.
Sicherlich ist Ihre Formulierung ....nicht an Verkehrsgesetze halten, für ihre Verfehlungen bestraft werden formal richtig. Jedoch aus meiner Sicht nur formal richtig für Menschen, die nur schwarz-weiß denken können und nicht wissen, dass es im Leben noch ne ganze Menge Zwischenstufen gibt.
Und trotzdem fehlen die Sheriffs, die da am Straßenrand rumstehen um Geld einzutreiben bei der Prophylaxe gegen den Einbruch.

26.03.2010
13:48
Einbrecher gehen auf Raubzug durch Mülheim
von schranzbaum | #17

@10: wieso ist es abzocke, wenn menschen, die sich nicht an die verkehrsgesetze halten, für ihre verfehlungen bestraft werden? sie möchten doch sicherlich auch, daß, wenn denn die einbrecher denn erwischt werden, diese auch bestraft werden. da kann man nicht mit zweierlei maß messen.

26.03.2010
13:29
Einbrecher gehen auf Raubzug durch Mülheim
von von eiem ders weiss | #16

so ist es.

26.03.2010
10:51
Einbrecher gehen auf Raubzug durch Mülheim
von Eagle2 | #15

In den letzten 3 Wochen habe ich auf dem Weg zur Arbeit und zurück an jedem Tag eine Polizei-Geschwindigkeitskontrolle im Straßenverkehr beobachtet.
Früher habe ich diesbezüglich 3-4 Kontrollen im Jahr beobachtet.
Ist das ein Zufall?
Im Zuge der klammen Haushaltskassen sollen die Sheriffs offensichtlich die Autofahrer im großen Stil abzocken. Dass dann keine Sheriffs mehr für andere Aufgaben mehr zur Verfügung stehen, ist wohl klar.
Seid doch froh, dass es nur Einbrüche sind. Wenn demnächst Eure Töchter auf offener Straße vergewaltigt werden und die Polizei nicht kommen kann, weil sie Autofahrer abzocken muß, dann ist wohl in Mülheim die von der Politik gewollte Normalität eingekehrt.

26.03.2010
09:29
Einbrecher gehen auf Raubzug durch Mülheim
von Bildung für alle | #14

Wieder mal der Beweis, dass einfach strukturierte Bürger an einfachen Lösungen interessiert sind: Schuld an den Einbrüchen sind:
1. Ausländer (war schon immer beliebt)
2. Google (das Internet ist sowieso an allem schuld)
3. die Politiker (siehe Google)
4. die Polizei
Ja, dann gutes Nächtle...

26.03.2010
08:48
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #13

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