Ein Wunsch nach dem anderen

Haben Sie alles, was Sie brauchen?“, fragt mich der Gemüse- und Obsthändler meines Vertrauens. Ich antworte: „Ja!“ Dann fällt mir ein, dass meine Antwort vorschnell war. Ich habe Bohnen, Tomaten und Orangen im Sack. Aber reicht das, um zu sagen: „Ich habe alles, was ich brauche“? Natürlich könnte ich jenseits meiner Gemüseeinkaufstasche noch vieles haben und brauchen.
Traumfrau, Traumjob, Traumreise, Traumauto, traumhafte Gelassenheit, traumhaftes Vermögen. Aber dann fällt mir ein, dass ich nicht im Traum, sondern in der Realität lebe, in der es zumindest schon mal traumhaft ist, für Sie, liebe Leserinnen und Leser, in dieser Zeitung zu schreiben. Denn nur wenn wir Journalisten schreiben, können wir bleiben, aber auch nur dann, wenn wir gelesen werden. Alles andere wäre für uns ein Alptraum. Denn dann könnten wir uns auch alle anderen Träumereien von der Wunschliste streichen. Deshalb sind wir schon fast wunschlos glücklich, wenn Sie uns die Treue halten und wir uns nicht nur Vitamine für den Körper (siehe oben) leisten, sondern auch noch Vitamine für die Journalistenseele bekommen. Denn dann haben wir, was wir brauchen, wenn wir vielleicht auch nicht alles haben. Es ist ja auch schön, wenn man sich noch etwas wünschen kann.