Ein Vorzeigemodell in Sachen Integrationsarbeit

Staatsministerin Aydan Özoguz und Integrationsminister Guntram Schneider besuchten das Kommunales Integrationszentrum, hier im Bild mit dem Beigeordneten der Stadt Mülheim, Ulrich Ernst.
Staatsministerin Aydan Özoguz und Integrationsminister Guntram Schneider besuchten das Kommunales Integrationszentrum, hier im Bild mit dem Beigeordneten der Stadt Mülheim, Ulrich Ernst.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
NRW-Integrationsminister Guntram Schneider und Staatsministerin Aydan Özoğuz machten sich gestern ein Bild von der Arbeit des kommunalen Integrationsdienstes in Mülheim.

Mülheim.. Die Kameras von WDR und SAT 1 liefen wieder, als die Integrationsminister aus Land und Bund, Guntram Schneider und Aydan Özoğuz (beide SPD) das Kommunale Integrationszentrum (KI) besucht. Die Stadt ist längst zum Vorzeigeobjekt geworden, wenn nach guten Modellen Ausschau gehalten wird, wo Integration gut funktioniert.

„Wir wollen Mülheim nicht über Gebühr loben, aber was man Bildungskette nennt, wird hier ausgezeichnet praktiziert“, sagte Schneider und verwies auf ein Modellprojekt, das er schon wiederholt besucht hat: das U25-Haus am Synagogenplatz, das für einen besseren Übergang von der Schule in den Beruf ermöglicht. „Man merkt, dass Integration hier eine Herzensangelegenheit ist“, bilanziert Özoğuz nach einem mehrstündigen Meinungsaustausch, an dem neben Sozialdezernent Ulrich Ernst und Martina Kleinewegen, Leiterin des KI unter anderem auch einige Ehrenamtler teilgenommen haben. Dass Integration hier tatsächlich als Querschnittsaufgabe wahrgenommen werde und effizient laufe, stieß bei der Besucherin aus Berlin auf Begeisterung. Dazu zählt auch das Bemühen, Migrantenorganisationen einzubinden. „Migranten sollen nicht als Objekte betüttelt werden von vermeintlich Schlaueren, sondern Subjekt sein, wenn es um ihre eigene Zukunft geht.“

Menschen zur Selbsthilfe aktivieren

Das ehrenamtliche Engagement ist ein weiterer wichtiger Punkt des Mülheimer Weges: Die WiM, die in Saarn das Warenhaus für Flüchtlinge betreibt, hat auf ihrer Facebook-Seite erst kürzlich das Tausendste Mitglied begrüßt und Sonja Clausen, die das ehrenamtliche Engagement koordiniert, hat inzwischen 130 Personen auf ihrer Liste, die den Flüchtlingen ganz unmittelbar dabei helfen wollen, sich hier zurecht zu finden. Eine geeignete Aufgabe zu finden, scheint dabei manchmal nicht so einfach zu finden zu sein. Die Haltung sei dabei, wie Clausen erzählt, allerdings schon klar. Erste Hilfe leisten und die Selbsthilfe aktivieren. Da scheint es sinnvoll, Anlässe für Begegnungen der Menschen und damit für Kommunikation zu schaffen. Eine dieser Ehrenamtler ist Petra Wagner, pensionierte Lehrerin vom Gymnasium Broich.

Für die Grundschüler scheint der Spracherwerb noch am einfachsten zu sein, wie Simone Dausel, Leiterin der Styrumer Gemeinschaftsgrundschule, erläuterte. 32 ihrer 220 Schüler sind Seiteneinsteiger und nehmen, abgesehen von einigen separaten Deutschstunden, am Regelunterricht teil. Schwieriger ist da schon die Situation in der Realschule Stadtmitte. Dort besteht Jahrgangsübergreifend eine Internationale Klasse, im Sommer wird die nächste gegründet, doch die 13 Lehrerstunden dafür müssen irgendwoher kommen, sagt die neue Schulleiterin Sabine Dilbat. Das bedeute Einschnitte an anderer Stelle.

Die Stadt braucht mehr Personal

„Zusätzliches Personal ist dringend nötig“, sagt sie und die Minister hörten gut zu. Ganz viel hängt auch vom Engagement des Teams ab, wissen beide Schulleiterinnen. Welchen Stellenwert das KI in diesem Prozess hat, weiß Dilbat besonders gut zu schätzen, denn sie kam erst im vergangenen Jahr aus Niedersachsen nach Mülheim. Im hohen Norden gab es diese Unterstützung nicht, die sie als ausgesprochen wichtig und ansprechend empfindet. Dausel erzählt von einer dreitägigen „interkulturellen Sensibilisierung“ durch die Mitarbeiter des KI, was sich als sehr fruchtbar erwiesen habe und vom Kollegium auch begrüßt wurde. Die Unterstützung der Schulen ist eine der zentralen Aufgaben des KI, das über 5,5 Stellen verfügt.