Ein Spiel mit der Wahrnehmung

Wer die zweite Metamorphose der Jahresausstellung „weiß-schwarz“ im Kunstmuseum nicht gesehen hat, hat etwas verpasst. Zwei Mal hatte sich die Ausstellung, an der sich 50 Mülheimer Künstler beteiligten verändert. Schwarzmalerei folgte der alten Weißheit, und die war, schon allein durch die stärkeren Kontraste, fast noch besser gelungen als der erste Teil. Die gestrige Finissage, die musikalisch von Philipp aus dem Siepen und Hanno Poths an Gitarre und Schlagzeug hörenswert begleitet wurde, war sehr gut besucht. Gut angekommen sind auch die Künstlergespräche. „Die gute Resonanz ist doch ein starkes Argument für die Jahresausstellung“, ist von den beteiligten Künstlern immer wieder zu hören. Geht es nach den Vorstellungen von Kunstmuseum und Kunstverein soll die Jahresausstellung aber nur noch alle zwei Jahre präsentiert werden. Schon in diesem Jahr gab es erstmals keinen Preis. Über die Zukunft wird noch in Gesprächsrunden hinter den Kulissen gerungen. Dazu haben die Mülheimer Künstler auch einen eigenen Vorschlag ausgearbeitet.

Viele Arbeiten spielten mit der Wahrnehmung. Man musste genau hinschauen, um etwas zu erkennen. Bei Klaus Urbons stand auf dem weißen Quadrat „ich weiß, ich soll“, was er jetzt auf schwarzem Grund fortsetzte mit den Worten „ nicht immer schwarzmalen“. Eine humorvolle Auseinandersetzung mit Kasimir Malewitschs Ikone von 1915, die Urbons wie jener damals knapp unterhalb der Decke platzierte.

Noch bis zum 25. Januar zu sehen ist aber die Ausstellung des Kunstvereins. „Schnittlinien“ zeigt Arbeiten von Corinna Krebber (Foto) und Alexander Voß. Die Schnittmenge der beiden ist der Prozess des Zerschneidens und Zerteilens. Krebber arbeitet mit Papierfragmenten, die sie aus Kunstkatalogen schneidet und mit Stecknadeln an den Wand pinnt. Auf den ersten Blick wirkt eine große Rauminstallation wie eine Weltkarte. Voß möchte durch Eingriffe in Materialien das normierte Gleichmaß von Flächen unterbrechen und eine Spannung zu Raum und Wand erzeugen.