Ein Platz zum Wohlfühlen

Ulas Bozdag hat einen Traum. Ein kleines Restaurant, nicht viele Plätze und ganz ohne Speisekarte. „Ich koche für jeden Gast das, was er sich wünscht.“ Nun ist der 38-Jährige seinem Traum ein Stück näher gekommen: In den nächsten Tagen eröffnet er an der Leineweberstraße gegenüber dem Berliner Platz sein Restaurant „Visconti“. Allerdings ist er auf der Leineweberstraße kein Unbekannter, seit vier Jahren betreibt Bozdag die Pizzeria „La Bella Toscana“ direkt neben der Koffer-Ecke. Und das mit Erfolg - so dass er sich nun für ein zweites Standbein entschieden hat. Auch in dem neuen Restaurant wird italienische Küche angeboten – aber keine Pizzen und Nudelgerichte. „Wir bieten gehobene mediterrane Küche in einer mittleren Preisklasse an. Vor allem Fisch- und Fleischgerichte. Auch Hummer wird es geben.“

Aber der Gastronom will seinen Gästen nicht nur eine Speisekarte vorlegen, sein Restaurant soll ein Lebensgefühl verkörpern. Und das reicht über Italien hinaus. „Die mediterrane Küche reicht von Frankreich bis nach Israel. Vor allem geht es nicht nur um das Essen, die Atmosphäre ist genauso wichtig. Es soll eine persönliche Beziehung zum Gast geben. Mir ist wichtig, dass man sich kennt. Für mich ist selbstverständlich, dass Wünsche des Gastes bei der Zubereitung immer berücksichtigt werden.“ Zu diesem Konzept gehört auch, dass die Küche für die Gäste einsehbar ist. „Wir haben nichts zu verbergen. Der Gast soll sehen können, wie wir kochen und dass wir frische Zutaten verwenden.“

Die persönliche Beziehung zum Gast - das ist ein Konzept, das sich auch schon in Bozdags Pizzeria bewährt hat. Wenn man um die Mittagszeit das Lokal betritt, ist fast jeder Platz besetzt. Der Chef geht durch den Raum, nimmt Bestellungen auf und scherzt mit den Besuchern. Für jeden hat er ein freundliches Wort. „Mir ist wichtig, dass sich die Menschen hier wohlfühlen.“ Das soll natürlich auch für das neue Restaurant gelten: „Ich fände es schön, wenn es für die Menschen zu einem zweiten Zuhause wird.“ Um so eine Bindung zu erzeugen, bedarf es eines Konzeptes. Und das spiegelt sich schon in der Namensgebung wider: „Visconti“ - ganz bewusst hat sich der 38-Jährige für den Namen des berühmten italienischen Regisseurs entschieden, der mit „Der Leopard“ und „Der Tod in Venedig“ Filmgeschichte schrieb.

„Der Name klingt elegant. Ich kann mir gut vorstellen, wie ein Gast zu seinen Freunden sagt: ,Ich bin im Visconti.’ Das hat eine Wirkung, klingt doch nach etwas.“ Vielleicht spielte bei der Taufe aber auch eine Rolle, dass der Name dem von Bozdags Mitarbeiter ähnelt, der nun in dem neuen Restaurant die Verantwortung übernehmen wird: Rosario Conti, gebürtiger Italiener und als ausgebildeter Hotelkaufmann seit über 25 Jahren im Gastronomiegeschäft tätig, wird den Chef entlasten. Denn der hat auch jetzt schon einen vollen Arbeitstag. Von 9 bis 23 Uhr ist er fast täglich in seiner Pizzeria. „Am liebsten würde ich alles selbst machen. Es ist nicht einfach, gutes Personal zu bekommen.“ Da ist er froh, einen Mitarbeiter an seiner Seite zu haben, der ihn am zweiten Standort entlasten kann. „Trotzdem werde ich natürlich, so oft es geht, dort sein.“ Zumal die Wege ja kurz sind.

Und der Standort? Allerorten wird über die Verödung der Innenstadt geklagt und er entscheidet sich, ausgerechnet hier ein zweites Lokal zu eröffnen. Bozdag ist überzeugt, dass das Gästepotenzial für sein Restaurant groß ist, hofft auf das neue Kaufhofkonzept. Er setzt vor allem auf Geschäftsleute und Menschen, die in der Innenstadt arbeiten. Auch seine Pizzeria bekommt vor allem in der Mittagspause Zulauf. Bozdag weiß aber auch, dass viele jenseits des Pizzeria-Angebots, Menschen Appetit auf mediterrane Küche haben. Ein weiterer Akzent: Ab 8 Uhr gibt es Frühstück. Schließen soll das rund 60 Plätze umfassende „Visconti“ um 23 Uhr.

Vielleicht hängt die Entscheidung für den City-Standort aber auch damit zusammen, dass Ulas Bozdag sich besonders der Stadtmitte verbunden fühlte. Seit er vor gut 30 Jahren als kleiner Junge aus Kurdistan nach Mülheim gekommen ist, wohnt er hier. „Ich mag diese Stadt“, sagt der 38-Jährige. Nun hofft er, dass die Mülheimer auch sein „Visconti“ mögen.