„Ein Partner für die Bürger“

Eigentlich hätte es eine kurze Rede werden können: „Der Kandidat ist geradlinig, sagt schnörkellos, was er will, ist gesellig, praktisch veranlagt, fasst sich kurz, ist lebensfroh und hat den Blick fürs Wesentliche. Mit dem kann man arbeiten,“ beschrieb Ulrich Scholten sich selbst. Doch der OB-Kandidat der SPD weiß natürlich, dass dies dann doch nicht reicht, um auf den Wahlkampf einzustimmen. Und so machte der Parteichef dann, „was Politiker, auch die weniger prominenten, wie ich so machen: Ich beantworte Fragen, die mir keiner gestellt hat“, gab sich der Eppinghofener humorvoll am Samstag in der Stadthalle. Das kam an. Mit 97 Prozent der Stimmen wählte die SPD Scholten zu ihrem Kandidaten. Ein deutliches Ergebnis bei nur drei Nein- und 119 Ja-Stimmen.

Dagmar Mühlenfeld hatte den Familienvater, der sich seit gut 40 Jahren in Mülheim politisch engagiert, vorgeschlagen, „weil er kompetent ist und bis jetzt schon hohe Verantwortung für die Stadt übernommen hat“, sagte die scheidende Oberbürgermeisterin. Ulrich Scholten nahm die Wahl „gerne an“. Er will „Partner und Pate für die Bürger“ sein, wenn er im September zum OB gewählt wird. Er möchte kreative Ideen entwickeln und selbst mit anpacken. Mülheim sei derzeit schon „Vorbildstadt für Familien-, Bildungspolitik und Integration“. Doch das reiche nicht.

Energetische Stadtentwicklung

Ulrich Scholten will neue Impulse setzen. „Der Ruf nach Förderung der heimischen Wirtschaft und der Sicherung unserer Arbeitsplätze ist für mich als Personalchef nach knapp 30 Jahren Arbeit für ein traditionsreiches Mülheimer Industrieunternehmen schon fast Bestandteil meines genetischen Codes geworden.“ Rufen und Fordern allein reiche aber nicht.

Als Vater und Großvater lasse ihn die Frage nicht los, „wie wir in Mülheim den klimagerechten Stadtumbau hinkriegen, damit es sich hier auch in 30 Jahren noch gut leben lässt“, so Scholten. Die „energetische Stadtentwicklung“ werde „das Zukunftsthema“ sein. Als Oberbürgermeister will Scholten die Voraussetzungen nutzen, dass Mülheim ein Zentrum für innovative Umwelt- und Energietechnik werden kann – gerade vor dem Hintergrund steigender Energiepreise.

Scholten reißt viele Themen an, spricht davon, dass der Flughafen „ein historischer Bestandteil Mülheims ist“, aber auch „ein hochwertiger Wirtschaftsstandort mit Potenzial“. Der öffentliche Nahverkehr sei eine „Pflichtaufgabe“, aber die Notwendigkeit der Sanierung der MVG bei ihrem Defizit unumstritten. Scholten setzt auf eine engere Kooperation mit den Nachbarstädten. „Das Ruhrgebiet wird erst dann eine echte Metropole sein, wenn die Infrastruktur Metropolcharakter hat und die Versorgung, die Netze und die Schienen keine Stadtgrenzen mehr kennen.“

Ein langer Weg sei es auch, die Innenstadt attraktiver zu machen. „Das geht nur über kleine Schritte. Wir werden uns um kleine und kleinste Quartiere mit Wohlfühl-angeboten kümmern“, so Scholten. Dazu gehörten Geschäfte, die zum Stöbern einladen, „in Kombination mit Gastronomie“.

Familienstadt

Doch bei allen Problemen sei Mülheim eine Stadt, „in der man gerne wohnt und lebt“, in der die Menschen füreinander da sind. „Wir sind die Familienstadt“ – und die will Scholten als OB weiter entwickeln. Die Unterstützung der SPD hat er sicher. Mit minutenlangem Beifall signalisierte die Partei Geschlossenheit.