Ein Mülheimer Junge tritt als OB-Kandidat an

Blumen gab es für den Werner Oesterwind  nach der Wahl zum CDU-Oberbürgermeisterkandidaten.
Blumen gab es für den Werner Oesterwind nach der Wahl zum CDU-Oberbürgermeisterkandidaten.
Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die CDU wählte Werner Oesterwind mit 96 Prozent der Stimmen zum Oberbürgermeister-Kandidaten. In seiner Rede setzt er auf wirtschaftliche Themen und betont, dass es mit ihm keine teuren Wahlversprechen geben wird.

Mülheim.. Er ist ein Mülheimer Junge, in Stadtmitte aufgewachsen, seit 20 Jahren Kommunalpolitiker, Lebensretter, weil seit 25 Jahren bei der DLRG, Karnevalist, Mitglied in der Geschäftsleitung eines Unternehmens mit 1800 Mitarbeitern, Familienvater – und seit nun auch der Oberbürgermeister-Kandidat der CDU: Werner Osterwind wurde mit 96 Prozent der Stimmen gewählt. 73 von 76 anwesenden Delegierten gaben dem Saarner auf der Kreisvertreterversammlung in der Stadthalle ihre Stimme.

Oesterwind gab sich zuvor in seiner Rede realistisch. Eines stellt der 56-Jährige schon mal klar: „Teure Wahlversprechen wird es mit mir nicht geben. Die hohe Schuldenlast schränkt sowohl politische Gestaltungsmöglichkeiten als auch notwendige Investitionen ein.“ Dennoch dürfe „die Verschuldung nicht jede Kreativität ersticken“, appellierte er an die Parteifreunde – und Mülheimer Bürger.

Mit ihm werde ein „anderer Politikstil“ ins Rathaus einziehen. Nicht das Parteibuch zähle, sondern die Leistung. Direkt geht Oesterwind nicht auf die Arbeit der Amtsinhaberin ein. Doch wenn er von den „erheblichen Defiziten“, von teuren und wenig effektiven Ausflügen in die Europapolitik, und davon spricht, dass er als OB auch die Beschlüsse des Rates – „Stichwort Flughafen“ – umsetzen werde, ist es doch ein Seitenhieb auf Dagmar Mühlenfeld.

Das Rathaus müsse näher zum Bürger gebracht werden. „Hierzu müssen wir die Chancen internetbasierter Prozesse noch stärker nutzen“, sagt der Christdemokrat.

„Ehrlicher Kassensturz“

Dass jegliches politische Handeln unter der Schuldenlast der Stadt steht, ist Oersterwind natürlich bewusst. Er will „für einen ehrlichen Kassensturz“ stehen und „eine offene Diskussion, was in Mülheim möglich und machbar ist.“

Es sind vor allem wirtschaftliche Themen, die er anspricht, wie den Ausbau des Breitbandnetzes: „Es ist einfach nicht hinnehmbar, dass einzelne Stadtteile schlechter ausgebaut sind und sich dort beinahe schon ein Tal der Ahnungslosen bildet.“ Auch auf das akute Problem fehlender Gewerbeflächen geht Oesterwind ein. Als OB will er gemeinsam mit Akteuren der Wirtschaft, Verwaltung und Grundstückseigentümern an Lösungen arbeiten: „Ein Oberbürgermeister von Mülheim muss der erste Wirtschaftsförderer in Mülheim sein“. Und ein grüner Wirtschaftspolitiker dazu. Das grüne Mülheim bilde keinen Widerspruch. In den Natur- Landschafts- und Erholungsräumen stecke viel Potenzial. „Deshalb gibt es mit mir auch keinen Kahlschlag oder gar Fracking“, betonte Oesterwind – vielleicht auch in Richtung der Grünen, die sich noch nicht dazu geäußert haben, welchen Kandidaten sie unterstützen werden.

Der ÖPNV – ein weiteres Thema, das in diesen Tagen auf der Hand liegt. Oesterwind betont: „Ein ÖPNV mit dem jetzigen Defizit ist nicht tragbar für die Stadt. Attraktiver ÖPNV heißt: Die Bürger müssen von A nach B kommen. Das Transportmittel ist dabei nicht ausschlaggebend.“

„Ein Glücksfall für die Partei“

Werner Osterwind will „nah bei den Leuten“ sein, „nicht nur als Kandidat“, auch als Oberbürgermeister, der aber, „kein Wunderheiler oder Alleskönner ist, aber auch kein Einzelkämpfer,“ wie er sagt. Dass er letzteres auch nicht sein wird, versicherten ihm die Parteifreunde mit langem Beifall. Ob er die Unterstützung auch über die Parteigrenzen hinaus bekommen wird, bleibt abzuwarten.

Die CDU zeigte sich gestern kämpferisch. „Die Leute wollen einen Neuanfang“ stimmte der Kreisvorsitzende Andreas Schmidt die Parteifreunde auf den bevorstehenden Wahlkampf ein. Werner Oesterwind sei ein Kandidat, der ein „Glücksfall für die Partei“ ist.