ein-LESEN

Die Texte von Elfriede Jelinek sind nicht einfach zu lesen. Liest man sie häufiger, büßen sie diese Sperrigkeit ein. Das haben die Ensemblemitglieder der Volxbühne gemerkt, die erst kürzlich mit der Winterreise der Nobelpreisträgerin begeisterten. „Wir haben den Originaltext zuerst gemeinsam alle laut gelesen, jeder eine Passage“, erzählt Angela Pott, die in der Inszenierung lange Monologpassagen hat. Das laute Lesen sei hilfreich. Wenn man so locker reinhorcht in den Text, fallen auch die humoristischen Passagen auf. „Ich habe da mehrmals laut lachen müssen“, sagt die 67-Jährige. Erst später entsteht dann die Strichfassung des Regisseurs. Da es weder Handlung noch Dialoge gibt, habe es ihr beim Einlesen geholfen, sich mit der Biographie der Autorin zu befassen.

„Eigentlich lerne ich am besten Texte beim Autofahren, aber dieser Text hat mich dann doch vier, fünf intensive Abende gekostet“, erzählt sie. Wichtig ist ihr, den Text zu strukturieren und mit Zahlen zu versehen, an denen sie sich entlang hangelt. „Ich liebe Zahlen.“ Mathematik und Sport hat sie dann auch studiert. Wenn sie ihr Zahlengerüst habe, dann geht das auch ganz flott. Das meiste lernt man dann auf der Bühne. „Der Chortext aus dem Hintergrund liefert dann für mich die Stichworte.“ Wen Jelinek interessiert, sollte die „Klavierspielerin“ lesen. Der Roma wurde auch gut verfilmt.