Ein kleines Team führt über den Flughafen

Raadt..  Die einen hätten ihn gerne erhalten, sogar ausgebaut zu einem Flugplatz für die kleine Düse. Vor allem die Mülheimer Wirtschaft hat sich stets dafür stark gemacht, aber auch zahlreiche Privatflieger. Doch politisch ist der Flughafen auf den Ruhrhöhen erledigt. Nach jahrelangem, manche sagen jahrzehntelangem Streit. Schließung – dafür haben sich große politische Mehrheiten in Mülheim, Essen und im Land – die drei Eigentümer – ausgesprochen.

Dabei zieht der kleine Flugplatz nach wie vor Menschen an: Seit gut zehn Jahren bietet die „Arbeitsgemeinschaft Flughafen und Ökologie Essen/Mülheim“ (AGFÖ) dort Führungen an. Rund 3600 Besucher aus vielen Städten und Ländern haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft in der Zeit über die Ruhrhöhen begleitet und ihnen erklärt, was in Mülheim so alles fliegt und was nicht.

Darunter waren sehr viele Schulklassen, erinnert sich Heinz Schlosser, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft. Aber eben auch Gäste aus Berlin, aus Zürich, aus Dresden, von der Insel Norderney oder sogar aus Durban in Südafrika und Japan.

Die Nachfragen steigen, stellt das Team um Schlosser fest. Allein im letzten Jahr kamen 750 Besucher zu den Führungen, in den ersten Jahren waren es gerade mal um die 100. Ziel sei es gewesen, erinnert sich der Vorsitzende, den Flughafen stärker in der Allgemeinheit bekannt zu machen. Bekannt ist der Flughafen heute in der Stadt wie die Ruhrpromenade. Und wenn im Hangar Fußball auf der Großleinwand angeboten wird, dann pilgern die Mülheimer in Scharen dorthin.

Schlosser und seine sechs Kollegen sind Flughafen-Fans und machen das alles ehrenamtlich, und man stellt inzwischen erfreut fest, dass auch Kindertagesstätten sich zunehmend für den Flughafen interessieren. Die Führungen über das Gelände beinhalten meist auch eine Fahrt mit dem Kleinbus über die Start- und Landebahn, die Besichtigung der Fahrzeug- und der Werkstatthalle sowie Besuche der Verkehrs- und Luftaufsicht. Vorgestellt werden zudem einzelne Maschinen. Doch es geht nicht nur um die Fliegerei und die Technik, sondern auch um das Gebiet, das ökologisch eine besondere Bedeutung hat, für Tier und Mensch, unter anderem gilt es als bedeutsame Zone für die Frischluftzufuhr Richtung Innenstadt.

Ökologisch ist die Fläche wertvoll, für die ganze Innenstadt. Von dort oben kommt frische Luft ins Tal. Das wird eines Tages noch einmal eine große Rolle spielen, wenn es darum geht: Was folgt? Ein Gewerbegebiet, ein Wohnviertel, ein Büroquartier? Es ist eine jener unbeantworteten Fragen in der Stadt, eine, an die sich so recht auch keiner heranmacht. Die Stadtspitze sieht die Auflösung des Flugbetriebes als schwierig an: Der Aeroclub am Rande mit seinen Hobbyseglern und Fliegern, hat noch einen Pachtvertrag für sein Gelände bis 2035, und das Luftfahrtunternehmen WDL immerhin auch noch zehn Jahre. Einen Kompromiss mit Ausstieg um diese Zeit herum hat die Stadtspitze erarbeitet und sich damit den Zorn der Flughafengegner zugezogen, die darin eine erneute Verzögerung sehen.

Es sind viele Flugzeuge mit Menschen aus ganz Europa in den vergangenen Jahrzehnten in Mülheim gelandet. „Ganz wichtig sind die Ambulanzflüge und die Helikopter der Bundespolizei“, betont Schlosser. Er sieht den Beschluss der Politik zum Ausstieg aus dem Flughafengeschäft sehr kritisch und ist überzeugt: „Gerade die Wirtschaft braucht ihn und könnte ihn verstärkt nutzen – wenn man es denn zuließe.“

Genutzt wird der Flugplatz, wo in sieben angesiedelten Unternehmen rund 150 Menschen beschäftigt sind, auch von Hubschraubern. Aveo-Air bietet von Raadt aus Rundflüge an. Bei schönem Wetter, gerade an Wochenenden, wird dies rege genutzt – zum Leidwesen der Anwohner, die von einer massiven Lärmbelästigung sprechen. Nicht zum ersten Mal wurde hier die juristische Auseinandersetzung eingeschlagen. Die Bürgerinitiative, das Mülheimer Netzwerk gegen Fluglärm, streitet seit Jahren an der Seite der Anwohner. Es sieht gerade in den Hubschrauberflügen zum Freizeitvergnügen einen massiven Eingriff in die Gesundheit der Menschen. Wer war zuerst da -- der Flugplatz oder die Anwohner von heute? Auch diese Frage wurde in Mülheim immer wieder gestellt. Fest steht: Der nächste Oberbürgermeister, der im September gewählt wird, muss das Flughafenproblem lösen. Schon im Wahlkampf dürfte es zumindest in Raadt ein Thema sein.

Jedes Mal, berichtet Schlosser, frage man die Besuche nach der Führung, ob sie zufrieden gewesen seien oder was sie sich von den Führungen sonst noch wünschten, was ihnen fehlte. Die Antworten sind so unterschiedlich wie die Menschen: „Würde gerne eine Runde fliegen“, „Die Zeppelinhalle sollte mit zur Führung gehören“ oder „Mehr Maschinen von innen besichtigen“. Andere wünschen sich, mehr über die Geschichte des Flughafens zu erfahren. Aber es wird auch gefragt: Wie geht es weiter – am Flugplatz?