Ein Juwel nicht in die Ruhr werfen

Darf sich die Stadt eine neue Dreifachturnhalle leisten? Befürworter und Gegner dieses Vorhabens stehen sich derzeit gegenüber.
Darf sich die Stadt eine neue Dreifachturnhalle leisten? Befürworter und Gegner dieses Vorhabens stehen sich derzeit gegenüber.
Foto: WR
Was wir bereits wissen
Das Land will den Bau einer neuen Sporthalle fördern, doch Mülheims Kämmerer warnt vor den Folgekosten.

Mülheim.. Muss die Stadt auf 4,8 Millionen Landesförderung für eine neue Dreifach-Sporthalle verzichten, weil sie die jährlichen Folgekosten von 418 000 Euro nicht mehr tragen kann? Diese Frage bewegt seit Wochen Politiker, Sportler und Lehrer, denn von der dringend benötigten Halle würden Vereine wie Schulen profitieren. Unerklärlich sind für viele die jährlichen Kosten, die Kämmerer Uwe Bonan aufgelistet hat. „Das ist ein betriebswirtschaftlich ermittelter Wert, wie es jedes Unternehmen macht“, betont der Kämmerer. Er kann den Reiz durch die Landesförderung nachvollziehen, sieht aber derzeit keinen Weg die laufende Unterhaltung aus dem Etat zu finanzieren.

Zur Berechnung der Kosten wurden die Zahlen einer vergleichbaren Dreifach-Turnhalle herangezogen. Als Preisindex wurden 1,25 Prozent pro Jahr über eine Nutzungsdauer von 50 Jahren angenommen. Die Energiekosten betragen rund 218 000 Euro jährlich für so eine Halle, die Hausmeister- und Reinigungsdienste erfordern rund 92 000 Euro, und die Instandhaltung und Verwaltung der Halle schlagen, so die Kämmerei, mit etwa 108 000 Euro zu Buche.Nicht eingerechnet, sagt Bonan, seien mögliche zusätzliche Kosten durch veränderte baurechtliche Vorschriften. „Die Folgekosten müssen langfristig betrachtet und finanziert werden“, sagt er und plädiert für die Suche nach Alternativen, um den Bedarf an Hallenzeiten für Schulen und Vereine zu befriedigen. Sein Vorschlag: Die Auslastung der vorhandenen Sportstätten noch einmal zu überprüfen. Der Mülheimer Sportbund (MSB) und der Sportservice geben ein Defizit von sechs Dreifach-Hallen an, um den Bedarf zu decken.

„400 000 Euro Unterhaltungskosten pro Jahr“

Die Politik wird sich in den nächsten Wochen noch einmal eingehend mit dem Thema befassen. Die Grünen räumen die sportpolitische Notwendigkeit einer weiteren Halle ein, sehen aber Realisierungsmöglichkeiten nur mit Hilfe Dritter. „400 000 Euro Unterhaltungskosten pro Jahr“, erklärt ihre Stadtverordnete Eva Weber „wären angesichts der städtischen Finanzmisere auf Dauer eine schwere Hypothek.“ Die Grünen hoffen, dass sich in der Stadt der großen Unternehmen Sponsoren finden. SPD wie CDU hoffen auf eine neue Finanzierungsidee aus der Sportverwaltung. Die AfD warnt: „Schon für die Auflösung des Sanierungsstaus an vorhandenen Sportstätten fehlt das Geld.“

„Ich weiß, dass man mit Worten viel kaputt machen kann, deshalb habe ich mich bislang nur privat geäußert“, sagt der zweite MSB-Vorsitzende Wilfried Cleven. Nun meldet sich der frühere städtische Dezernent öffentlich zu Wort: „Wenn uns das nicht gelingt, bedeutet das einen Schlag ins Gesicht des Sports. Was da auf dem Silbertablett liegt, ist eine Anerkennung für das, was am Sportgymnasium Luisenschule geleistet wird. Wenn die Notwendigkeit nicht erkannt wird, verstehe ich die Welt nicht mehr, und wenn wir dieses Juwel in die Ruhr werfen, ist es für immer weg.“ Er habe aber weiter die Hoffnung, dass die Notwendigkeit in der Stadt erkannt werde, sagt er.

„Ich bin fassungslos, dass es beim Jahresempfang des Sports nicht zur Diskussion gekommen ist. Wir haben die einmalige Gelegenheit, ein großes Geschenk zu bekommen“, sagt Hans-Gerd Bachmann, Geschäftsführer der Medl. Der ehemalige Hockeynationalspieler des HTC Uhlenhorst weiter: „Als Bürger habe ich Sympathie dafür, dass über Folgekosten geredet wird. Aber es muss eine seriöse Betrachtung geben. So ist das betriebswirtschaftlich nicht seriös.“