Ein Jahrhundert-Ereignis
28.11.2008 | 18:09 Uhr 2008-11-28T18:09:00+0100Mülheim hat's geschafft! Schon zum kommenden Wintersemester sollen die ersten 250 Studenten ihr Studium in Mülheim beginnen, zunächst in einem Provisorium (möglich Agiplan).
Ab 2013 dann soll die neue Fachhochschule an der Ruhrpromenade fertig sein. Mit 2000 Studenten in verschiedenen ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtungen wird geplant. Das Landeskabinett folgte dem Vorschlag der Jury und wird in Mülheim und Bottrop die FH Westliches Ruhrgebiet errichten. Es ist eine von drei neuen Fachhochschulen im Land.
Ob in der Wirtschaft, in der Politik oder in der Stadtverwaltung – die Nachricht sorgte für beste Stimmung. Von einer „tollen Gemeinschaftsleistung”, sprach der IHK-Präsident Dirk Grünewald und sieht in der Fachhochschule eine Problemlösung des Fachkräftemangels in der Region.
„Es ist alles genial gelaufen”, meinte OB Dagmar Mühlenfeld und erinnerte noch einmal daran, wie alles vor gut einem Jahr begann, als der Ministerpräsident bei seinem Siemens-Besuch in Mülheim neue Fachhochschulen für das Land ankündigte. Die OB hob sofort den Finger. Doch der Erfolg hat viele Väter: So lobt sie den CDU-Kreisvorsitzenden Andreas Schmidt, der sofort aktiv wurde, die FDP-Kreisvorsitzende Ulrike Flach, die ihr Netzwerk mobilisierte. Die Politik sei Impulsgeber, die Wirtschaft aber d e r Motor gewesen. Das „inhaltlich beste Konzept” war das Ergebnis der Teamarbeit.
Die eigentliche Arbeit jedoch beginnt erst. In den nächsten Wochen wird gemeinsam mit dem Land ein Zeitplan für den Aufbau der Hochschule festgelegt. Der Präsident der Unternehmerverbandsgruppe Heinz Lison plädierte dafür, zügig einen Förderverein ins Lebens zu rufen, der den Aufbau der Fachhochschule begleitet. Bei der Auswahl der Studienangebote, so Lison, werde das Land Rücksicht auf die Bedürfnisse und Wünsche der Wirtschaft nehmen. Bis zum Wintersemester 2009 stellt das Land für den Aufbau der neuen Hochschulangebote 160 Millionen Euro zur Verfügung, bis 2020 sollen es 1,3 Milliarden sein.
„Jetzt kommt es daruf an, aus dem Entwurf etwas Großes zu machen”, sagt Ulrike Flach. Sie will den guten Draht zum Innovationsminister des Landes und ihrem Parteikollegen Prof. Pinkwart dazu nutzen. „Das Mülheimer Modell muss ein Leuchtturmprojekt für eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft werden”, so Flach.
Die CDU sieht in der Entscheidung eine bahnbrechende Weichenstellung zugunsten des Bildungs- und Wirtschaftsstandortes Mülheim. „Mülheim kann stolz sein, mit gemeinsamen Anstrengungen letztlich die Voraussetzungen für zukunftssichere Arbeitsplätze in unserer Region geschaffen zu haben”, so Andreas Schmidt.“ Klar sei auch, so OB-Kandidat Stefan Zowislo, dass der bisher sichtbare Schulterschluss der heimischen Wirtschaft mit den politischen Entscheidungsträgern für diese Jahrhundert-Entscheidung sich im weiteren Planungsprozess und in der Gründungsphase bewähren müsse. Was die Nachhaltigkeit angeht, so Dieter Wiechering (SPD), sei dies das Größtes, was es seit Jahrzehnten in Mülheim gegeben habe.
Freude auch bei den Grünen, allerdings glaubt MdL Barbara Steffens nicht, dass damit das Hauptproblem gelöst sei: Der Mangel an Studienplätzen im Land bleibe.
Einig sind sich alle: Die Stadt wird eine andere werden, vom Wohnungsbau bis zur Kneipenszene, von den Geschäften bis zu den Freizeitangeboten. Das Ziel heißt bei all dem: Die Menschen für Mülheim gewinnen.

11:53
Lieber LuckyStreik,
warum hängen Sie die Trauben denn gleich so hoch? Wie soll bei einer Stadt wie Mülheim mit ihrer Altersstruktur denn von heute auf morgen diese Jugendkultur denn über Nacht herkommen? Es kann doch nur darum gehen, dass über die Hochschulansiedlung zunächst einmal ein entsprechendes Potenzial in die Stadt kommt, damit sich ein solches Milieu entwickeln kann. Ob es am Ende quantitativ für eine kritische Masse reicht, aus der heraus, dann echtes studentisches Leben in MH erwüchse - man weiß es (heute) nicht. Ich fände es persönlich schön, wenn es so wäre. Auch deshalb, weil ich in besagtem WS97/98 auch vor den Türen meiner alma mater gestanden habe.
Dass die Stadt v.a. auf die enge Zusammenabeit mit Wissenschaft und Forschung setzt, ist dabei doch ebenso legitim (und: notwendig), wie Ihre Hoffnung auf Studentenleben. Und mit den beiden MPI in MH ist doch auch eine gute Grundlage geschaffen. Denn nur, wenn der Laden auch ökonomisch läuft, wir das Land als Träger am Ende auch bereit sein, für die adäquate Auststattung zu sorgen, für die wir vor zehn Jahren ja schon auf die Straße gegangen sind. Und aus demselben Grund finde ich die Planungen für die Ruhrpromenade gut. Ich erlebe zum ersten Mal, seitdem ich in Mülheim lebe, dass sich etwas verändert und empfinde schon diese Tatsache an sich als positiv, weil ich die sonst so oft anzutreffende Beharrungskraft und Veränderungsverweigerung schrecklich finde. Teile der Generation meiner Eltern und Großeltern versucht Mülheim als Schlafstadt zu erhalten, ohne darüber nachzudenken, was aus der Stadt wird, wenn sie mal nicht mehr sind. Und darum ist die FH-Entscheidung ein Segen - für die Wirtschaft ebenso, wie für die Lebensart.
14:12
Sehr geehrte Volksmusiker,
das Sie sich hier so vehement für die Meinungsfreiheit einsetzen ehrt Sie. Aber bitte wo steht in meinen Kommentar etwas von Studiengebühren ? Vielleicht sollten Sie sich mal erkundigen, warum es der Studentenschaft 97/98 und danach ging, bevor Sie hier Unterstellungen vornehmen.
Und ist es nicht so, dass diejenigen, die sich jetzt übe die FH freuen, das in erste Linie, aufgrund von wirtschaftlichen Motiven, Stärkung des Einzelhandels, Attraktivitätssteigerung MHs als Wirtschaftsstandort, etc. tun, anstatt über eine neue multi-kulturelle, alternative, kritische und unabhängige Jugend, die diese Stadt beleben würde?
Es steht doch in dem Bericht, dass die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft angestrebt wird, wenn Sie das so völlig unkritisch begrüßen, dann freuen Sie sich doch darüber, aber unterstelle Sie mir hier nicht, ich würde vereinfachen.
Ob Ruhrbania der ausschlagende Punkt für die Entscheidung ist/war oder nicht bleibt völlig gleich,
es ist meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt.
Aber ich geben Ihnen Recht, mensch sollte es lieber lassen sich kritisch in Einheitsmedien zu äußern.
Sorry und ein schönes WE
13:21
Über manche Menschen kann man sich wirklich nur wundern: Alles ist Mist, nichts ist gut und nun sind die Mülheimer Kommunalpolitiker auch Schuld an den Studiengebühren. Es ist erschreckend, wie viel bodenloses Halbwissen offenbar für einige die Grundlage zur Meinungsäußerung ist! In der Tat, Meinungen sind frei, aber dieses selbstverständliche Recht ist ja nicht mit der Pflicht gleichzusetzen, nur weil man das Recht hat, jeden Unsinn zu verblasen, dass dann auch ungehemmt zu tun.
Die FH Bewerbung basierte zu einem erheblichen Teil, so hat es die Presse auch berichtet, auf dem projektierten Standort. Und den hätte es ohne Ruhrbania-Planung nicht gegeben. Das ist Fakt und wer das leugnen will, der lügt. Hier geht es doch längst nicht mehr um eine sachliche Auseinandersetzung, sondern darum, seine eigenen Feindbilder im Kopf zu bestätigen. Und diejenigen, die sich hier so laut und vehement beklagen, die sind im Grunde doch nur verärgert, dass die Planungen nun entgegen ihrer Hoffnung doch Realität werden.
13:04
Jede Wette, dass diejenigen die sich hier so positiv über die FH auslassen, genau die gleichen sind, die kein Verständnis für die Studienproteste der vergangenen Jahre hatten.
Wäre ja wirklich ein Traum, wenn in MH mehr Leben einziehen würde,
mehr alternative Läden, freie Wohnprojekte, Marx-Vorlesungen, eine kritische, aufgeklärte Jugend. Aber die Damen und Herren hätten ja nicht die neuen Studienordnungen durchgezogen, unliebsame Institute Land auf Land ab geschlossen, wenn jetzt nicht hier eine Reihe angepasster, auf Konformität und Konsum getrimmter Lämmer angelockt werden würde.
„Die Wahl der Studienangebote wird den wirtschaftlichen Bedürfnissen angepasst“
Ich lach mich kringelig! …. Und dadurch Ruhrbania zu rechtfertigen....... Lächerlich!!!
Im Westen nicht Neues
Lucky Streik
10:54
unglaublich, wieviel manche an einer so positiven nachricht meckern können. die fh ist ein riesengewinn für mülheim und das nacht-, freizeit- und kulturleben wird davon mit sicherheit profitieren. dumm gelaufen ist es nur für die auguren, die brache bauflächen und einen schandfleck für die stadt an der ruhr vorhergesagt haben - die müssen jetzt leisere töne anschlagen und sich eingestehen, dass sie geirrt haben!
10:43
Lieber #3 vielleicht haben die Bürger die sich gegen Ruhrbania wenden weiter gedacht als Sie. was nützt Ruhrbania wenn es in Mülheim an viel Elementarererm scheitert... tolle Ruhbania Klötze aber Schule die zum schütteln sind.
10:04
vielleicht wird ja die FH jetzt auch in einer Sparversion gebaut. Ich denke auch das viele Studenten lieber nach Essen oder Duisburg ziehen werden, den da ist ein bischen mehr studentisches Leben ; oder soll die FH dann als Elite FH aufgezogen werden damit der Yachthafen dann auch gut genutztwird,?? Wenn die Studenten einen PKW haben dann ist das Chaos in der Stadt doch vorprogramiert bei der tollen Verkehsplanung ist der Stadtmitte.
09:03
OB: Es ist alles genial gelaufen!
Ja, ich erinnere mich noch an die ruhrbanialose Vergangenheit, als sie ausrief: Wir wollen Ruhrbania errichten und Studenten am Ruhrufer ansiedeln. Laßt uns die Bäume absägen, damit dort viele einen Studienplatz bekommen. Und weil jeder seine Jacht mitbringt, werden wir eine Marina anlegen. Für die älteren Semster ist das Stadtpalais als hübsche Bleibe vorgesehen. Und Gastronomie, jede Menge, für das Studentenfutter!
Das war zu jener Zeit als der alte Wiechering heiser ausstieß: Mulinhem esse delendam!
01:16
@ carfreak: Wer sagt denn, dass das neue Mitbürger werden? Also, ich als Student würde nach Essen , Bochum, Düsseldorf ziehen; aber doch nicht nach Mülheim. Sehr optimistisch gedacht...
23:22
Ist eigentlich denen, die bei der letzten Umfrage Fünf Jahre Ruhrbania mit Anderes wäre wichtiger gewesen abgestimmt haben klar, dass es ohne die Ruhrbania-Pläne keine Fachhochschule gegeben hätte. Die wird jetzt zu Recht als Jahrhundertereignis für Mülheim gefeiert, doch ohne die hochattraktive Lage am Fluss, wäre Mülheim nicht auf Platz 3 im Ranking gekommen. Die FH ist der größte wirtschaftliche und kulturelle Impuls, den Mülheim in den letzten 200 Jahren bekommen hat. Ohne Ruhrbania keine FH. Die Fähigkeit in vernetzten Spin-off-Strukturen zu denken ist bei 55,1% derjenigen die abgestimmt haben nicht oder nur imm Ansatz vorhanden. Eine solche Denke bringt Mülheim aber nicht voran.