Ein Haus mit Atmosphäre

Das Haus gibt es schon seit über 700 Jahren, von Andrea Tietz und Jörg Böhle wird es erst seit Mai letzten Jahres geführt. „Wir sind noch in der Anfangsphase“, sagen sie. Gleichwohl, sie sehen sich in einer Kontinuität. Sie sind stolz darauf, dass sie die Geschichte des traditionsreichen Stammhauses Monning weiterzählen können. Die war zumindest in den letzten Jahren durchaus wechselvoll. Öfter haben die Pächter gewechselt, teilweise auch mit unterschiedlichen gastronomischen Schwerpunkten. „Es war hier auch einmal ein Grieche drin. Aber das passt einfach nicht“, berichtet Jörg Böhle und zeigt dabei auf das Interieur. Und in der Tat zu der gediegenen Gemütlichkeit, die in dem Fachwerkhaus verströmt wird, muss die Speisekarte passen. „Wir setzen ganz klar auf bürgerliche Küche, auf Hausmannskost. Wir bieten immer auch zusätzliche Gerichte passend zur Jahreszeit an“, berichtet Böhle. Verantwortlich dafür ist Küchenchef Dennis Frey. Und der hat sich seine Meriten in einem Restaurant verdient, das unter Mülheims Feinschmeckern auch nachdem es im letzten Jahr geschlossen hat, immer noch einen guten Namen hat. Er hat im „Bannister’s“ gelernt - und eine Vorliebe mitgebracht: Frey kennt sich gut in der schottischen Küche aus und präsentierte sein Können vor Kurzem bei einem schottischen Abend. Neben den kulinarischen Angeboten gab es aber auch die passende Musik und eine Whiskey-Verkostung gehört im Land der Kilts und Dudelsäcke zur Lebensart ebenfalls dazu.

„Der Laden war bis auf den letzten Platz ausgebucht“, zieht Andrea Tietz Bilanz. Solche Veranstaltungen sollen auch in Zukunft zum Profil gehören. Vor allem: Das Stammhaus bietet mit seinen 400 Quadratmetern auch die entsprechenden Räumlichkeiten. Da gibt es einmal den Restaurantbereich mit 60 Plätzen und dann noch einmal das „Domizil“ mit 50 Plätzen, zu dem auch der Kneipenbereich mit großer Theke und der Saal gehören. Der eignet sich für geschlossene Gesellschaften. „Das sind auch wichtige Veranstaltungen für uns. Denn die Besucher solcher Feste sind Werbeträger. Letztens hatten wir einen 50. Geburtstag, da haben vor Ort sofort drei Ehepaare einen Tisch bestellt. Und auch von anderen Gästen wissen wir, dass wir ihnen empfohlen worden sind.“ Was Jörg Böhle und Andrea Tietz aber ablehnen, ist, nur noch auf solche Großveranstaltungen zu setzen. „Ich habe mal in einem Hotel gearbeitet, das sich ganz auf Tagungen konzentriert hat“, berichtet Böhle. „Die Folge war, dass das ganze Restaurant mit den Tagungs-Teilnehmern gefüllt und kein Platz mehr für die à la Carte-Gäste war. Wenn die aber mehrere Male diese Erfahrung gemacht und vor verschlossenen Türen gestanden haben, bleiben sie irgendwann ganz weg. Das darf keinesfalls geschehen.“ Deswegen ist für die beiden klar: Auch bei Veranstaltungen bleibt der Rest der Gaststätte offen. Und auch den Trend bei anderen Wirtschaften, sich ganz auf das Wochenendgeschäft zu konzentrieren und unter der Woche an mehreren Tagen zu schließen, lehnen Böhle und Tietz ab. An der Monning bleibt es ganz klassisch bei einem Ruhetag - in diesem Fall ist es der Mittwoch.

Die Zwei haben 15 Jahre schon in einem anderen Betrieb in Dümpten zusammengearbeitet. Sie kennen das Geschäft - auch seine schwierigen Seiten. Die alte Gaststätte war nämlich vom Biergarten abhängig. „Jeder Tag war eine Überraschung. Ob ein Gewitter kommt oder nicht, daran können wir nichts ändern.“ Beide sind froh, dass sie nun sicherer kalkulieren können. Freilich ein letzter Rest an Unsicherheit bleibt auch hier. Aber Böhle sagt ganz klar: „Ein Bürojob bei dem jeder Tag dem anderen gleicht, das wäre nichts für mich.“ Für Andrea Tietz liegt der größte Reiz ihres Berufes in dem persönlichen Kontakt: „Die Gäste suchen nicht nur eine Dienstleistung, sondern auch das Gespräch.“ Das merkt sie etwa bei den vielen älteren Stammgästen, die den täglichen Mittagstisch nutzen. Gestern gab es Erbsensuppe mit Würstchen - gut bürgerlich eben.