Ein grünes Paradies samt Echsen und Orchideen

In den weitläufigen Teichen von Ernst Stricker und seiner Frau Marianne leben zahlreiche Wasserfrösche.
In den weitläufigen Teichen von Ernst Stricker und seiner Frau Marianne leben zahlreiche Wasserfrösche.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Garten von Familie Stricker in Heißen ist besonders reich an Tier- und Pflanzenarten. Neben Hühnern und Fröschen finden sich auch Eidechsen. Selbst fleischfressende Gewächse gedeihen dort.

Mülheim-Heißen.. Es quakt und gurrt und kräht und zwitschert im Garten von Familie Stricker, dass der Besucher gar nicht weiß, wohin er zuerst schauen soll. Auf die weitläufigen Teiche, um die Quak-Lieferanten zu entdecken? Oder ins Hühner-Gehege, um sich an Hahn Hermann und seinen Hennen zu erfreuen? Oder sollen die Augen versuchen, einen Blick zu erhaschen auf die flinken Eidechsen, denen der 76-jährige Hausherr ein ansehnliches Gehege gebaut hat?

Die tierischen Stars sind eingerahmt von einer Blütenpracht, die ihrerseits bei genauem Hinsehen wahre Schätze offenbart. Ein ganz besonderes Faible hat Ernst Stricker für fleischfressende Pflanzen. Kleine Pflänzchen des Sonnentaus etwa schmücken das Ufer der Teiche. „Ich finde die fleischfressenden Pflanzen interessant“, sagt Ernst Stricker und beschreibt, wie die Gewächse mit Hilfe ihrer Klebedrüsen kleine Insekten fangen.

Mehlwürmer für die Frösche im Teich

Am gegenüberliegenden Ufer steht eine Sarracenia, ebenfalls fleischfressend. Sie setzt ihre gut 20 Zenitmeter hohen Fangschläuche ein, um an fleischliche Nahrung zu gelangen. Ein paar Meter weiter blüht gerade eine japanische Orchidee, reckt ihre zartrosafarbene Blüte in den Himmel. Und am Wegesrand zeigt eine heimische Orchidee ihre satt-lilafarbene, puschelige Blüte. Ernst Stricker kennt sie alle, nennt seine Pflanzen beim botanischen Namen und zupft behutsam mit zwei Fingern ein paar Gräser aus dem Beet. „Das ist mein kleines Paradies, ich brauche nichts anderes“, sagt der 76-Jährige.

Nicht weniger fürsorglich als die Pflanzen umhegt der ehemalige Polizist seine vierbeinigen Mitbewohner. Die Teichfrösche, die nach und nach ganz mutig Richtung Ufer geschwommen kommen, ruft er mit „meine Kleinen“ heran und verwöhnt sie mit Mehlwürmern. Der Senior weiß, was seine kleinen Freunde mögen: „Die bleiben nur dort, wo es ihnen gefällt.

Also muss man etwas dafür tun, dass es ihnen gefällt.“ Wasserfrösche sind das mit ihrer grünen, teils türkis schimmernden Haut, die ordentlich Krach machen während der Paarungszeit. „Da haben wir Glück, dass wir so nette Nachbarn sagen“, sagt Ernst Stricker und schmunzelt. Beschweren dürften sich die direkten Anlieger eigentlich nicht, wandern die Amphibien doch von Grundstück zu Grundstück, von Teich zu Teich und geben mal hier wie dort ein Froschkonzert.

Familienforschung als Winterbeschäftigung

Leiser, aber nicht weniger spannend, geht es am Eidechsen-Gehege zu. Die Reptilien, die in einem Beet samt Holzstoß und aufgeschichteten Steinplatten leben, sind der jüngste Zugang im Hause, vielmehr im Garten Stricker. „Zu Eidechsen hatte ich schon immer eine besondere Affinität“, erzählt der Heißener. Bevor er die Tiere aber anschaffte, hat er sich schlau gemacht über die artgerechte Haltung. Und Kontakt aufgenommen zu einem Züchter aus Gelsenkirchen.

Seit vergangenem Frühjahr nun bevölkern einige Eidechsen-Weibchen und ein Männchen das mit einem Netz (gegen die Vögel) abgehängten Areal. „Die Eidechsen werden richtig zutraulich, wenn man die aus der Hand füttert“, sagt Ernst Stricker, wirft den Reptilien noch eine Hand voll Mehlwürmer zu und bückt sich wieder ins Grün – hier in seinem Paradies gibt es immer etwas zu tun.

Aber was ist im Winter? Langweilt sich Ernst Stricker dann nicht elendig? Von Tristesse keine Spur: „Dann betreibe ich Familien- und Ortsteil-Forschung.“