Ein Glücksfall

Wie haben Sie die Menschen in Südkorea erlebt?

Es ist unfassbar, wie schnell die Südkoreaner lernen, unfassbar, wie sehr sie bereit sind, permanent zu arbeiten. Die U-Bahnen sind rappelvoll mit todmüden Menschen, es spricht keiner, alle hängen an ihren Handys, gucken Fernsehen oder gucken sich Comics an.

Haben Sie Kontakte gefunden?

Ich hatte sehr viel Glück, weil meine Galerie, die mich in Südkorea vertritt, auf der Kunstmesse „Kiaf“ gleich am Anfang drei Arbeiten verkauft hat. Auf dieser Messe habe ich einen Südkoreaner kennen gelernt, der schnell raus hatte, dass ich mich auch mit dem Buddhismus beschäftige. Ein paar Tage später haben wir uns noch mal getroffen, und er hat mich zu einem Zen-Tempel geführt und im Garten haben wir stundenlang geredet über Philosophie und Religion. Danach hat mir dieser Mann unglaublich viele Türen geöffnet und geholfen.

Gibt’s glückliche Fügungen?

Ich will ja nicht jammern, aber ich hab’ in meinem Leben immer heftig arbeiten müssen, um eine kleine Treppenstufe nach oben zu kommen. Jetzt war es ein paar Mal so, dass irgendwer ein Einsehen hatte und mir einfach mal Dinge zugeschoben hat, wie diesen Mann, der auch die ganzen Galerien in Südkorea kannte.

Gab es private Einladungen?

Nein, das ist in Südkorea komplett verpönt. Diese Strukturen, das ganze Betriebssystem – es dauert lange, bis man das mal raus hat. Man trifft sich zwar, aber die anderen Künstler waren mir gegenüber alle sehr vorsichtig. Irgendwann habe ich ihnen verklickern können, dass ich ihnen nichts tue und ihnen auch nichts wegnehme.