Ein fast perfektes Jahr

Der 11. Mai des vergangenen Jahres hat sich bleibend in die Erinnerung von Judith Meulendijks gegraben. Schauplatz Münsterland. Nachdem der deutsche Badminton-Rekordmeister 1. BV Mülheim das Finale daheim aus der Hand gegeben hatte, war das beschauliche Lüdinghausen Schauplatz des Endspiels um die Mannschaftsmeisterschaft. Die Gäste von der Ruhr griffen nach dem Titel, doch sie griffen daneben. 2:4 hieß es nach einem packenden Finale, Gastgeber SC Union tanzte mit seinen Fans, direkt daneben keine Tränen, aber Niedergeschlagenheit pur. Badminton-Mülheim trug nach der verpassten Chance Trauer. „Den Abschluss haben wir uns anders vorgestellt. Wenn du im Endspiel stehst, dann willst du auch gewinnen. Alles andere ist Käse“, blickt die 36-jährige niederländische Mannschaftsführerin zurück auf die Enttäuschung in einem ansonsten perfekten Jahr.

Judith Meulendijks kennt die Welt. Diesen Schatz hat ihr die federleichte Disziplin Badminton geschenkt. Die in Helmond geborene große Dame der Sportart hat ihr Land im Jahr 2000 bei Olympia in Sydney vertreten. 1997 war sie bereits Junioren-Europameisterin geworden. Mit Bayer 05 Uerdingen wurde sie 2002 und 2003 deutscher Meister. Bei den Dutch Open 2012 hatte sie ihre glanzvolle internationale Karriere beendet. Nun serviert sie nach dem Wechsel von Dänemark nach Mülheim in der dritten Spielzeit beim 1. BVM, der sich nicht zuletzt dank der auf dem Spielfeld nach wie vor so leichtfüßig daherkommenden und ungebrochen mit gesundem Ehrgeiz ausgestatteten Niederländerin im steten Höhenflug beweist.

„Nach der letztjährigen Enttäuschung, bis dahin war es eine Supersaison, sind wir wieder auf einem guten Weg, aber die Saison ist noch lang“, frohlockt und warnt die Spielerin zugleich. Das verlorene Finale wertet sie als Lernprozess. „Wir hatten doch noch keine Erfahrung in einem solchen Match!“ Die hat die deutsch-englisch-niederländisch-ukrainisch-englische Europa-Auswahl nun im Gepäck. „Zudem sind wir eine kleine und gewachsene Familie mit großen Zusammenhalt. Bei uns hilft jeder dem anderen. In der Halle und im privaten Bereich. Und wir machen viel gemeinsam, wenn wir wieder zusammenkommen.“ Der BVM schöpft auch aus dem international geprägten Teamgeist Energie. Das schafft kein anderer Klub der Königsklasse.

Im Herbst hat das Leben von Judith Meulendijks noch einmal eine große Wende genommen. Wieder sorgte der Leib- und Magensport für ein neues Reiseziel. Seit dem 1. November gehört sie dem Trainerteam des bei Bern beheimateten Verbandes Swiss Badminton an. „Das war immer mein großer Wunsch, zuvor hatte ich ein Angebot aus Belgien. Und aus Australien. Das war mir aber dann doch zu weit.“ Nun ist es also die Alpenrepublik. „In meinem Alter muss ich doch an die Zukunft denken. Es war der richtige Zeitpunkt und es bedeutet für mich eine Riesenchance. An der Seite des Cheftrainers kann ich viel lernen“, so die 36-Jährige, die nun in Mülheim ihren Zweitwohnsitz hat und wie die ausländischen Mitspieler zu den Bundesligaspielen einfliegt.

Haften bleibt der Abschied von den von ihr trainierten Badminton-Kids des TSV Heimaterde, die ihre Judith mit einer kunterbunten Malaktion überraschten. Die Niederländerin mag eigentlich keine Abschiede, doch dieser hinterließ Rührung. Und dieses Versprechen: „Wir sehen uns bestimmt wieder.“

Mit dem aktiven Sport soll am Ende der Saison Schluss ein. „Ich werde mich zeitnah entscheiden, zudem ist es ungemein wichtig, junge Akteure heranzuführen. Aber ehrlich gesagt, in meiner Brust schlagen zwei Herzen.“ Natürlich, denn in diesem speziellen Fall steht das Alter der Leistung nicht im Weg. Aktuell ist Judith Meulendijks mit 16 Siegen in 16 Matches die erfolgreichste Bundesligaspielerin. Was für eine perfekte Bilanz.