Ein erstes Gesicht für die OB-Wahl

Werner Oesterwind also. Nach längerem Suchen hat sich die CDU-Spitze in dieser Woche einmütig auf einen Oberbürgermeister-Kandidaten geeinigt. Die Zustimmung eines Parteitages steht zwar noch aus, aber die Basis dürfte der Parteiführung kaum einen Strich durch die Rechnung machen. Warum auch?

Wer in den Tagen mal herumfragte, bekam über Werner Oesterwind oft Positives zu hören. Gut vernetzt in der Stadt ist er vielen bekannt, ob als Sportpolitiker, Karnevalist, als Mann für Bürgeranliegen oder als der Kopf der Mülheimer DLRG. Im Rat tritt er eher moderat, besonnen als kämpferisch auf. Er genießt auch in anderen Parteien Sympathien, was ihm im Vergleich zum letzten CDU-Kandidaten Stefan Zowislo einen klaren Vorteil einbringt.

Ob er der geeignete Mann ist für die Führung des Unternehmens Stadtverwaltung, wird er in den nächsten Monaten zeigen müssen. Der Kreisvorsitzende der CDU hob die wirtschaftliche Kompetenz von Oesterwind hervor. Für jeden möglichen Chef der Stadtverwaltung mit rund 3200 Beschäftigten sollte das ein Muss sein. Überbewerten darf man das jedoch auch nicht: Die Selbstständigkeit der kommunalen Verwaltung wird zu Recht als ein hohes Gut betont, doch die Freiheit ist arg begrenzt worden, nicht nur durch zahlreiche Gesetze, durch neue Pflichtaufgaben, vor allem durch den Spardruck und die finanziellen engen Grenzen. Längst können weder OB noch Rat das umsetzen, was für die Stadt dringend notwendig wäre.

Für diese Selbstständigkeit in Land und Bund zu kämpfen, ihren Wert immer wieder herauszustellen, die angemessene Ausstattung der Kommunen und Gemeinden als Pfeiler einer Demokratie zu fordern, so wie es die Amtsinhaberin in den vergangenen Jahren überregional getan hat, bleibt eine wichtige Aufgabe der Stadtoberhäupter generell. Hartnäckigkeit, Überzeugungskraft sind da gefragt. Und im Haus selbst: Wer immer OB sein wird, der Rat gibt den Takt vor – wohl künftig wieder stärker als bisher. Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen eine Partei bis in die Amtsstuben des Rathauses hinein regierte.

Die OB-Wahl im September wird anders sein als die letzte, als zeitgleich auch die Kommunalwahl stattfand. Diesmal steht allein die Person im Vordergrund mit ihren Ecken und Macken, ihrem Verständnis von Stadtpolitik, vor allem mit ihren Ansichten, wie sich die Stadt in den nächsten Jahren entwickeln soll. Die Ausstrahlung, das Zu- und Vertrauen in die Person werden eine viel größere Rolle spielen als das Parteibuch. Die Partei selbst mag Unterstützer sein, aber nicht Zugpferd.