Ein Bild von einem Mann

An manchen Menschen gehen offenbar die Jahre vorbei. Mir zeigt ein Bekannter das Passfoto von sich, das nun auch auf seiner neuen Gesundheitskarte von der Krankenkasse zu sehen ist. Als er es mir hinhält, grinst er so eigentümlich. Warum nur? Ohne Zweifel - das Bild stammt von ihm: Bart, Brille, verschmitztes Lächeln, alles wie immer. Kein Zweifel, eindeutig er. Dann kommt die Auflösung.

Er ist es wohl, aber die Aufnahme ist schon 20 Jahre alt. Alter Schwede, habe ich gedacht, dabei kommt der Mann vom Bodensee. Wie wird das wohl bei mir in zwei Jahrzehnten sein? Glücklicherweise habe ich nicht meinen Bekannten um seine Einschätzung gefragt. Denn der hätte wohl in seine süffisanten Art geantwortet: „Es kann ja nur besser werden.“

Also habe ich lieber, statt mich in eine ungewisse Zukunft vorzudenken, an das zurückerinnert, was ich schon habe. Wie sah ich denn vor 20 Jahren aus? In der Tat nicht so wie jetzt. Der Bartwuchs war noch spärlich, wenn nicht sogar kaum vorhanden. Zuhause habe ich denn auch mal nach alten Fotos aus dieser Zeit geschaut. Auch wenn Bilder ja keine Geräusche verursachen, als ich da drauf geschaut habe, hörte ich gleich wieder dieses Stimmbruch-Gekrächze. Und so ist mir klar geworden: Veränderungen sind gar nicht so schlecht.