Eigene Ampeln für Radfahrer können Wartezeiten reduzieren

Herr Voß, wie viele Fahrradampeln gibt es im Stadtgebiet?

Helmut Voß: Gibt es überhaupt auf der Welt eine reine Fahrradampel? Bei Lichtsignalanlagen wird in der Regel der motorisierte Verkehr untereinander oder auch mit dem nicht-motorisierten Verkehr geregelt. Knoten mit einzelnen oder mehreren gesonderten Signalgebern für den Radverkehr gibt es natürlich öfters, in Mülheim sind es rund 35.

Wer entscheidet über die Installation einer Fahrradampel?

Die Verwaltungsvorschrift zur StVO und die Richtlinie für Signalanlagen (RiLSA) schränkt den Ermessensspielraum stark ein. Grundsätzlich werden in Mülheim nur separate Signalgeber für den Radverkehr vorgesehen, wenn diese notwendig sind bzw. eine erhebliche verkehrliche Verbesserung erzielt werden kann.

Fahrradampeln können eine ärgerliche Bremse im Verkehrsfluss sein. Welchen Sinn haben sie?

Es gibt drei Signalisierungsformen für den Radverkehr: Mitbeachtung des Kfz-Signals, gemeinsame Signalisierung mit dem Fußgängersignal und mit eigenem Signalgeber. Ein gemeinsames Signal mit dem Fußgängerverkehr kommt nur in Frage, wenn ein Radweg vorhanden ist und die Radwegefurt neben der Fußwegefurt angeordnet werden kann. Der Signalgeber muss frühzeitig und eindeutig erkennbar sein. Eine Signalisierung mit dem Kfz-Signal scheidet z.B. aus, wenn die Aufstellfläche für den Radverkehr hinter dem Kfz-Signal angeordnet werden muss. Durch eigene Signalgeber kann die Zwischenzeit bei den Signalzeiten den jeweiligen Räumgeschwindigkeiten der unterschiedlichen Verkehrsarten angepasst werden. Müssen Radfahrer das Signal des Kfz-Verkehrs beachten, ist das Grün-Ende von der Räumzeit des Radverkehrs bestimmt, d.h. Kraftfahrzeuge bekommen „unnötig“ früher rot, was für die Leistungsfähigkeit des Knotens ein Problem darstellt. Müssen Radfahrer das Fußgängersignal mit beachten, wird die Räumzeit durch die Geschwindigkeit des Fußgängers bestimmt. In diesem Fall bekommen Radfahrer früher rot, was unattraktiv ist und zu Regelverstößen und damit auch zu Verkehrsgefährdungen führen kann.

Wo sind sie denn sinnvoll?

Aktuellstes Beispiel ist die Stadtmittekreuzung in Richtung Kaiserplatz. Die Räumwege sind in dieser großen Kreuzung recht lang. Die Räumzeiten – das sind unproduktive Zeiten – für den Radverkehr konnten durch den nachträglich installierten Signalgeber am Inselkopf in etwa halbiert werden, was der Leistungsfähigkeit des Knotens dient.