Durchbruch in die Einsturzgefahr

Wanddurchbruch mit gravierenden Folgen: Heike Rautenberg und ihr Lebenspartner Andreas.
Wanddurchbruch mit gravierenden Folgen: Heike Rautenberg und ihr Lebenspartner Andreas.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Mülheimerin Heike Rautenberg wollte mehr Platz, mehr Licht und ließ in ihrer Wohnung eine Wand durchbrechen – mit fatalen Folgen für andere.

Mülheim an der Ruhr.. Kann ein Wanddurchbruch einen Menschen in die Krise stürzen? Er kann. Vor allem dann, wenn er nicht wie geplant 1500 Euro, sondern am Ende Kosten von weit über 20.000 Euro verursachen wird und das Leben in der Hausgemeinschaft zum Spießrutenlaufen macht. Heike Rautenberg von der Humboldtstraße erlebt diesen Alptraum, der, wie sie meint, jedem passieren könne. Der Fall ist komplex und kompliziert, auch wenn es nur um ein Loch in der Wand geht.

Heike Rautenberg erwarb die Eigentumswohnung an der Humboldtstraße und damit auch eine winzige Küche ohne Fenster. Ein Durchbruch zum Wohnzimmer sollte das Problem beheben. Sie nahm sich einen Architekten, der ihr bescheinigte: Es geht. Damit ging sie in die Eigentümerversammlung und bekam von den Mitbewohnern die Zustimmung.

Doch einer der insgesamt 30 Miteigentümer, der nicht auf der Versammlung war, fechtete den Beschluss an und bekam Recht. Seine Bedenken: Es handelt sich um eine tragende Wand, die Wohnung im Souterrain liegt über einem Schwimmbad. Eine theoretische Instabilität attestierte dann auch ein Statiker: „Die rechnerische Standfestigkeit des Gebäudes ist nicht mehr gegeben.“ Der Durchbruch war jedoch inzwischen gemacht. Im Haus herrschten Aufregung, Angst. Das städtische Bauordnungsamt ordnete in einem Schreiben an die Hausverwaltung an, umgehend das Schwimmbad unter der Wohnung zu sperren.

Es folgten und folgen bis heute juristische Auseinandersetzungen

Es folgten und folgen bis heute juristische Auseinandersetzungen, Begutachtungen, Aufforderungen, Fristsetzungen, Druck der Hausgemeinschaft, die ebenfalls einen Anwalt eingeschaltet hat. Einfach zumauern kommt bei der Wand nicht infrage, es handelt sich um eine Stahlbetonwandscheibe. Ein erster Kostenvoranschlag zur sachgerechten und sicheren Reparatur haute die Wohnungseigentümerin um: 80.000 Euro! Inzwischen gibt es eine preiswertere Lösung.

Ihr Architekt, den sie zur Rechenschaft zieht, erklärt, dass er nach den vorhandenen Bauzeichnungen des Haues gehandelt habe, darin sei der Durchbruch bereits als Öffnung angelegt gewesen. Er will den Streit im Einvernehmen klären, denkt jedoch in viel kleineren Summen als die angefallenen.

Immer wieder sieht sich Heike Rautenberg neuen Kosten und neuem Druck ausgesetzt. Die besorgte Eigentümergemeinschaft setzte ihr Fristen, die sie nicht einhalten kann, und manche Forderung darf sie aus bauordnungsrechtlichen Gründen, wie ihr Anwalt Jörg Messerschmidt ausführt, gar nicht erfüllen. Für ihn war der Wanddurchbruch ein klassischer Architektenauftrag. Und das eigentlich Unglückliche daran: Über den Einspruch des Miteigentümers sei die Mandantin nicht informiert worden. Am Ende geht’s um die Frage: Wer zahlt?