Dümptener Turnverein 1885 e.V. folgt neuesten Trends

Dümpten..  Schon vor 130 Jahren lag den Mülheimern körperliche Fitness sehr am Herzen, wovon die Gründung des Turnvereins Dümpten, DTV, im Jahre 1885 zeugt. Zum 25-jährigen Bestehen duften endlich auch Frauen mitturnen, berichtet Ingo Fieg, seit 2006 Vorsitzender des mit 1800 Mitgliedern, darunter 750 Kinder und Jugendliche, zweitgrößten Sportvereins in Mülheim. Längst haben die Frauen die Männer überrundet, stellen mittlerweile rund 70 Prozent der Mitglieder.

Mit 14 Abteilungen und 85 qualifizierten Trainern und Trainerinnen, davon engagieren sich viele ehrenamtlich oder für eine geringe Aufwandsentschädigung, lockt der Verein, in dem „Turnen“ so gut wie keine Rolle mehr spielt, Menschen aus Mülheim, Essen und Oberhausen. „Schließlich liegen wir hier im Drei-Städte-Eck“, sagt Fieg. Aktiv seien sicherlich 90 Prozent aller Mitglieder, ist Fieg sicher.

Bildungsgutscheine für Kinder

Der DTV passt sich neuen Trends an und trägt den erweiterten Schulzeiten Rechnung, indem Trainingszeiten in den späteren Nachmittag verschoben wurden. „Vor 16.30 Uhr läuft hier nichts mehr für Schüler“, sagt die angestellte Diplom-Sportmanagerin Alexandra Schreiber, die mit ihrer Kollegin am Standort Schildberg, Jennifer Siewert, den Verein organisiert und auch selber Kurse leitet.

Stattdessen baut der DTV seinen Bereich „Sport vor Ort“ kontinuierlich aus. Kooperationen mit Kindergärten und Grundschulen in der ganzen Stadt ermöglichen, Bewegung und Sport im Nachmittagsbereich zu den Kindern zu bringen. Viele von ihnen, vor allem Kinder mit Migrationshintergrund, deren Eltern kein Auto besitzen, haben sonst keine Gelegenheit, am Vereinssport teilzunehmen, weiß Alexandra Schreiber. Bildungsgutscheine befreien einkommensschwache Familien von den Kursbeiträgen. „Wir haben gesehen, wie groß der Bedarf ist“, so Schreiber. Für junge Flüchtlinge hat der Verein kürzlich ein Fußballprojekt ins Leben gerufen. Die 3. Fußballmannschaft, deren Kicker aus neun Nationen stammen und verschiedenste Sprachen beherrschen, holen zehn Flüchtlinge montags an der Gustavstraße ab und fahren zum Sportplatz, um zwei Stunden mit ihnen zu trainieren. „Die integrieren die Jungs super“, weiß Ingo Fieg.

Ansonsten stellt sich der Verein auf Trendsportarten und Neuigkeiten im Sportbereich ein. „Parcours“ wird ebenso angeboten wie das beliebte, weil nur 30 Minuten dauernde „Maxx“-Fitness-Training, „Zumba“ oder verschiedenste Kampfsportarten.

„Wir sind stolz auf unsere qualifizierten Trainer“, sagt Ingo Fieg. Aber natürlich müssen viele auch bezahlt werden. „Wir können nicht alles im Ehrenamt leisten“, so der Vorsitzende, der selber schon vor etlichen Jahren die Goldene Ehrennadel für 40-jährige Mitgliedschaft erhalten hat. „Deswegen planen wir, Alexandra Schreiber als Geschäftsführerin mit erweiterten Kompetenzen einzusetzen“, bekräftigt Ingo Fieg und betont, dass der Verein von seinen Trainern ein erweitertes Führungszeugnis verlangt. Der Verein wandle sich, passe sich an, sei zukunftsorientiert. Das Ganze müsse noch professioneller gestaltet werden. Vor allem der Reha-Bereich für ältere Menschen boome, die Nachfrage sei riesig, an lizenzierte Trainer jedoch nicht leicht zu kommen, so der Vorsitzende.