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Tierschutz

Dubiose Züchter produzieren Möpse wie am Fließband

13.08.2009 | 15:23 Uhr

Mülheim. Ursula Taglang hat vier Möpse. Die Tierschützerin hat die drollige Hunderasse in ihr Herz geschlossen - und schlägt Alarm. Denn seit der Mops zum Modehund geworden ist, "produzieren" zwielichtige Züchter Mops-Welpen wie am Fließband. Wir haben Ursula Taglang mit der Videokamera besucht.

Eigentlich ist es Ursula Taglang gar nicht so recht, dass ihre Möpse im Internet stehen. Denn jeder Bericht, der über die putzige Hunderasse in den Medien erscheint, macht die Tiere noch populärer. "Und seitdem der Mops in Mode gekommen ist, verkommen diese Hunde immer mehr zur Massenware", erläutert die Tierschützerin, die sich für die Organisation "Pro Mops" engagiert.

Vier der sympathisch schnaufenden Vierbeiner wohnen zurzeit bei der Mülheimerin: Der blinde Max (zu sehen in unserem Video) wurde ausgesetzt und von Ursula Taglang im Essener Tierheim aufgelesen. Searchy kommt aus Ungarn und wurde freigekauft: Trotz zahlreicher Erbkrankheiten sollte die Hundedame für die Zucht verwendet werden. Lucy ist nur vorübergehend bei den Taglangs in Pflege. Sie wurde in Koblenz beschlagnahmt, wo sie monatelang in eine kleine Flugbox eingesperrt vor sich hinvegetiert hatte. Fine stammt aus einer Beschlagnahmung in Sachsen. Hier war sie von ihrem Herrchen unter tierunwürdigen Bedingungen gehalten worden. "Sie war eine dieser Legehennen, die das ganze Jahr über Welpen kriegen müssen, einen Wurf nach dem anderen", erzählt Ursula Taglang und schüttelt mitleidig den Kopf.

Welpen werden wie am Fließband produziert

Der blinde Max (zu sehen in unserem Video) wurde ausgesetzt und von Ursula Taglang im Essener Tierheim aufgelesen.

Manchmal kann sie einfach nicht glauben, was Menschen (ihren) Tieren antun. Die einen kümmern sich nicht oder zu wenig um ihre Vierbeiner oder setzen sie aus, sobald die erste Tierarztrechnung im Briefkasten liegt. Die anderen meinen es vielleicht gut, lassen sich dann aber billige, oft kranke Tiere aus dem Ausland andrehen, die von Händlern angeboten werden. "Oder sie kaufen Welpen ohne Papiere aus so genannten deutschen Hobbyzuchten", sagt Ursula Taglang.

Was viele nicht ahnen: Im Hintergrund werden Welpen hier oft wie am Fließband "produziert", gerade erwachsene Hündinnen werden mehrere Male im Jahr gedeckt und ohne Kontakt zu Menschen gehalten, die Kleinen viel zu jung von ihren Müttern getrennt.

Ursula Taglang hat das Leid selbst miterlebt. "Hier, sehen Sie mal", sagt sie und zeigt auf ein Foto, "diese Hündin ist vielleicht sieben oder acht Jahre alt, sieht aber viel älter aus. Ihr Gesäuge ist voller Tumore, und auch seelisch ist dieser Hund fertig." Oder der kleine Mops-Mann, der auf einem anderen Bild zu sehen ist. "Er musste den lieben langen Tag lang Hündinnen decken. Und auch wenn man meint, das sei doch eine tolle Beschäftigung für einen stattlichen Rüden – das ist es nicht, glauben Sie mir", betont Ursula Taglang.

Sie ist einiges gewöhnt. Aber manche Fotos – vor allem diejenigen, die sie aus dem Ausland erreichen – kann auch sie sich nicht anschauen. "Bei einigen Bildern wird einem richtig schlecht", beschreibt die Holthausenerin.

Für "Pro Mops" betreibt die selbstständige Vergolderin, die in Essen ein Geschäft leitet, deswegen gemeinsam im Team mit anderen Tierschützern Aufklärungsarbeit: http://www.pro-mops.de/ informiert über die Hunderasse, es werden Pflegestellen gesucht und Tiere in gute Hände vermittelt. Ursula Taglang hat zudem ein virtuelles Diskussionsforum eingerichtet, in dem sich alles um den Mops - übrigens auch Loriots Lieblingshund - dreht.

Nur Möpse? "Ja, manchmal ist auch ein Mops-Mix dabei oder eine französische Bulldogge", erklärt Taglang. "Aber in Zeiten, in denen das Geld knapp ist, muss man sich entscheiden. Auch wenn man am liebsten allen Tieren helfen würde", so die Mülheimerin.

Nur bei seriösen Züchtern kaufen

Sie rät Hundefreunden, die sich einen Mops anschaffen wollen, zunächst beim Verband - zum Beispiel beim Deutschen Mopsclub - anzurufen und sich dort nach seriösen Züchtern zu erkundigen, bei denen Hunde nicht zur Ware verkommen, sondern als lebendige Wesen respektiert werden. "Kaufen Sie bitte einen Welpen nur dort, wo er geboren wurde, lassen Sie sich das Umfeld zeigen und unterstützen Sie keine Händler!" appelliert Ursula Taglang an die Tierfreunde.

Wer nicht genügend Geld habe, um einen Welpen bei einem anerkannten Züchter zu kaufen, könne über die Möglichkeit nachdenken, ein (eventuell älteres) Tier aus dem Tierheim zu sich nehmen. "Oder einfach mal bei Pro Mops vorbeischauen, eventuell können wir ein Tier vermitteln", schlägt Ursula Taglang vor. Und wer weiß - vielleicht hat es sich am Ende ja sogar gelohnt, dass ihre Möpse im Internet standen.

Tina Halberschmidt

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Kommentare
14.09.2009
19:46
Dubiose Züchter produzieren Möpse wie am Fließband
von der herner | #46

Wo ist denn der Unterschied zwischen skrupelosen Züchtern (i.d.R. dem VHD oder FCI nicht angeschlossen, sondern eher fragwürdige Vereinigungen ohne FCI-Anerkennung bei Zucht und Stammbaum) und unfähigen Hundehaltern?

Gibt genügend Beispiele, wo grosspurig der achso tolle, aber leider auch in unserer Gesellschaft erfolglose Jungspund mit vielen tollen Ideen seinen Hund beglücken will und mit Buzz-Wörtern aus verschiedensten Bereichen (VDH-Zucht, Begleithundeprüfung, Hundeverordnung, Agility, Obedience, et cetera) nur so um sich schmeisst, damit das junge Gemüse ihn anhimmelt und darauf hereinfällt, den Hund aber seelisch quält und derart schleift, dass die Gelenke bei der Entwicklung vom Welpen zum Junghund brutal geschädigt werden.

Danke, aber solche von sich eingenommenen Spinner am anderen Ende der Leine - oft mit eingeschränkter Wahrnehmung der von seiner Umgebung ausgesendeten Signale (Stichwort: Selbstbild und Fremdbild), gibt es einige.

Und die gehören oft genau so weggespeert.

14.08.2009
22:04
Dubiose Züchter produzieren Möpse wie am Fließband
von Christian123456 | #45

@ Udo:
Solche Symptome sind mehr oder weniger ausgeprägt. Die überwiegende Mehrzahl der Hunde leidet darunter - in fast jeder ausführlichen Beschreibung dieser Rasse wird darauf hingewiesen.

Ansonsten haben Sie natürlich Recht. Grundsätzlich ist es so, dass Hundezüchter von ihrer Zucht ihren Lebensunterhalt bestreiten (müssen) und das führt leider bei viel zu vielen zu den oben beschriebenen und angedeuteten Missständen. Hier zu sagen, wo die Grenze des (für das Tier Erträglichen) überschritten wird, ist schwierig. Ich habe den Eindruck, dass z. B. die schlechte Haltung von Hühner in der Öffentlichkeit deutlich mehr wahrgenommen und kritisch beäugt wird, als die Haltung von Hunden bei Züchtern.

14.08.2009
16:46
Dubiose Züchter produzieren Möpse wie am Fließband
von Uschi09 | #44

@von schranzbaum schrieb:

da auch viele andere mops-liebhaber eben diese kurzatmigkeit bemängeln (http://www.fiete-mops.de/html/qualzucht.html) sollte man dazu übergehen, solche tiere vor ihren herrchen zu schützen und langsam aber sicher entweder rückzuzzüchten oder aber deren vermehrung zu verbieten.

Erstens gibt es die schon länger und nicht nur in dem Verband der eine Art Hirnwäsche bei seinen Züchtern und Besuchern betreibt, und zweitens kann man was man über ein Jahrhundert deformiert hat, nicht innerhalb 2 Generationen zurück züchten.

Und auch hier sei erwähnt, das eine nicht freie Atmung bei einem Standart Mops nicht die Regel ist.
Leider bewegen sich mittlerweile mehr wild gezüchtete Möpse und Vermehrerprodukte auf den Straßen als im Verband gezüchtete Möpse.
Das mag das Bild zum Thema kranke Möpse etwas verschieben.
Weil bei solchen Kommerziell gezüchteten Hunden bestimmt nicht auf Optik und Gesundheit geachtet wird.

14.08.2009
16:37
Dubiose Züchter produzieren Möpse wie am Fließband
von Zeigefinger der Nation | #43

Lieber Schranzbaum ...

es geht hier in erster Linie wohl nicht um die Nachzucht der possierlichen Möpse, sonder darum Möpse nicht bei Vermehrern & Konsorten aus dem In- und Ausland zu kaufen. Es geht so habe ich diesen Bericht verstanden um das Leid und die Qual die bei der Produktion der Ware Haustier und bester Freund unserer Kinder oder gar Sozialkontakt für alte und alleinstehende Menschen durchlaufen wird. Sei können mit wenig Aufwand und geringen Skrupel ihre Taschengeldkasse schnell und gut aufbessern.

Und bei der Zucht gibt es vieles was verändert werden muss und der MPRV ist als Zuchtverband mit Sicherheit am weitesten von gesunder Zucht entfernt. Ich kenne keinen Züchter (und damit meine ich nicht nur Mopszüchter) der sich auch nur ausreichend mit Genetik beschäftigt oder gar fundierte Kenntnisse vorweisen können.

Solange ganze Industrien von dem Produkt Hund, Katze & Co leben und mehrstellige Gewinnzunahmen verzeichnen wird sich niemand gegen das Produkt Haustier wehren selbst gefährliche Kampfhunde *Ironie an* werden bei Lotties Futterstube und/oder Zoo,Stroh & Co gerne gesehen. Klingelt doch die Kasse bei jedem Besuch. Ernst zunehmende Zucht wird einzig und alleine bei der Masttierindustrie betrieben, hier werden Wissenschaftler benötigt ein Hausschwein innerhalb kürzester Zeit den modernen Geschmack der Gesellschaft zu generieren. Hier werden Zuchten ständig auf Tierschutz überprüft und kleinste Verstöße stark bestraft. Bei unseren Kleinen Freunden (Haustier) spielt das keine Rolle hier wird sogar noch mit dem Gefühl des Mitleid richtig Kohle gemacht. Umso schlechter der Verkäufer seine Ware Hund vermarktet, ja lauter klingelt die Kasse.

Wenn die Industrie Fäkalien bräuchte, hätte jeder Mensch auf der Erde so viel zu essen das er einmal am Tag Stuhlgang hat.
Soviel zum Gewissen der Gesellschaft.

14.08.2009
16:30
Dubiose Züchter produzieren Möpse wie am Fließband
von Uschi09 | #42

@ Antonietta

schrieb:
Tiere, die nicht überzüchtet sind oder eine gesunde Promenadenmischung, die im Tierheim auf ein neues Zuhause wartet, werden mehr Freude bereiten.

Schade das der Grund des Artikels nicht erkannt wurde. Wieder nur an die vermeindlich bei allen Möpsen nicht in Takte Atmung gedacht werden kann.

Gesund Möpse machen Freude und davon gibt es mehr als sich hier Einige vorstellen können, um sowas zu beurteilen macht es Sinn mal auf ein Mopstreffen zu gehen.

Und auf den Punkt des Artikels zurück zu kommen, es geht darin um Tierschutz.
Und der beinhaltet leider immer mehr Alte, Kranke, Gelistete und Behinderte Tiere.
Es soll auch Tierheime geben, die Solche verschwinden lassen oder nicht an nehmen.

Und Mischlinge in der ersten Generation tragen auch das Erbgut der durch die Bank erkrankten Rassehunde.

14.08.2009
15:03
Dubiose Züchter produzieren Möpse wie am Fließband
von schranzbaum | #41

@udo:
es sollte ein zucht- und haltungsverbot für alle überzüchteten hunde geben, darunter fällt auch der schäferhund und alle anderen, die nichts mehr mit tier, sondern nur noch mit spielzeug zu tun haben.

da auch viele andere mops-liebhaber eben diese kurzatmigkeit bemängeln (http://www.fiete-mops.de/html/qualzucht.html) sollte man dazu übergehen, solche tiere vor ihren herrchen zu schützen und langsam aber sicher entweder rückzuzzüchten oder aber deren vermehrung zu verbieten.

die sogenannte hilfe gegenüber schwachen ist oftmals nichts als purer (guter) egoismus zur (unbewussten) befriedigung des eigenen ichs.

das soll nichts negatives sein, wird aber meistens von ebendenen, um die es geht, so aufgefasst.

14.08.2009
13:23
Dubiose Züchter produzieren Möpse wie am Fließband
von Thomas.Lau | #40

TÜV für Hundezucht
Hier kann man was dagegen machen: www.dortmunder-appell.de

14.08.2009
13:23
Dubiose Züchter produzieren Möpse wie am Fließband
von Peter Noehles | #39

Hier kann man was dagegen machen: www.dortmunder-appell.de
z.B. TÜV für Hundezucht

14.08.2009
13:21
Blockierter Kommentar.
von Peter Noehles | #38

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

14.08.2009
13:20
Blockierter Kommentar.
von Peter Nöhles | #37

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