Diskussion über verpflichtende Impfung gegen Masern

Bundesweit wird über eine Impfpflicht bei Masern diskutiert.
Bundesweit wird über eine Impfpflicht bei Masern diskutiert.
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
Holger van der Gaag, Obmann der Mülheimer Kinder- und Jugendärzte, hält sie in einigen Fällen für sinnvoll. Heilpraktiker Thomas Mickler ist dagegen.

Mülheim.. Nach dem Masernausbruch in Berlin diskutiert die Politik über eine Impfpflicht für Kindergarten- und Schulkinder. Holger van der Gaag, Obmann der Mülheimer Kinder- und Jugendärzte, hält eine verpflichtende Masernimpfung in einigen Fällen für sinnvoll. „Es geht um die Menschen, die wir mit der Impfberatung nicht erreichen“, so van der Gaag. Beispielsweise, weil sie sich aufgrund ihres Bildungshintergrunds nicht damit beschäftigen würden. „Aber auch Flüchtlinge aus anderen Kulturen, in denen Impfungen nicht zum Standard gehören.“

In Deutschland gebe es generell bei keiner Krankheit eine Impfpflicht mehr, so der Mediziner. „Bis zum fünften Lebensjahr gibt es aber verpflichtende Vorsorge-Untersuchungen, bei denen auch der Impfstatus des Kindes geprüft wird. Da raten wir Ärzte auch zur Masern-Impfung“, sagt van der Gaag.

Masern in Mülheim aktuell kein Thema

In Mülheim sei die Krankheit aktuell kein Thema, auch weil die Impfquote zufriedenstellend sei. „90 bis 92 Prozent Kinder haben bei ihrer Schuleingangsuntersuchung mit sechs Jahren die erste Masernimpfung erhalten.“ Bei der zweiten Impfung seien es immerhin noch rund 80 Prozent der Kinder. Das könne sich wie in Berlin aber schnell ändern, die letzte Masern-Epidemie war 2006 in Duisburg, sagt van der Gaag.

Mögliche Probleme bei älteren Kindern

Bei Patienten im Kindergarten- und Grundschulalter sieht er aber keine Probleme. „Bei den zehn- bis 16-Jährigen ist die Zahl derer, die nicht geimpft sind, größer. Und für die, die bis zu diesem Alter noch nicht geimpft wurden, gibt es ja keine verpflichtende Beratung mehr.“ Das gelte besonders für einige Migranten, die im jugendlichen Alter nach Deutschland kämen und Impfungen nicht kennen würden. Hier müsse mehr Beratung stattfinden.

Der Mediziner empfiehlt: „Gegen Masern können nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene unter 40 geimpft werden. Nebenwirkungen sind selten und meist gering.“

Das sieht Heilpraktiker Thomas Mickler anders. Er lehnt die Masern-Impfung nicht generell ab, ist aber wegen des Selbstbestimmungsrechts gegen eine Impfpflicht. „Nebenwirkungen wie erhöhte Allergieanfälligkeit können auftreten, sie sind eben nur schwer als Folge der Impfung nachweisbar.“ Die Entscheidung für oder gegen eine Impfung müsse jeder selbst treffen können.