Die Tauben von der Straße geholt

Kein Dreck und keine Krankheiten: Der Schlag wird täglich gereinigt, die Vögel regelmäßig vom Tierarzt untersucht.
Kein Dreck und keine Krankheiten: Der Schlag wird täglich gereinigt, die Vögel regelmäßig vom Tierarzt untersucht.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo
Was wir bereits wissen
Hunderte Tauben auf engstem Raum und kaum Dreck. Klingt schwer vorstellbar, ist aber mitten in Heißen seit vier Jahren Alltag. Am Marktplatz hat eine Geschäftsinhaberin im Dachgeschoss ihres Mietshauses einen Taubenschlag mit mehr als 300 Tauben.

Mülheim.. Die Tauben fliegen durch eine kleine Luke in den Schlag, die nur zur Innenseite aufschwingt, der Boden ist mit Spanplatten ausgelegt, an den Wänden sind lauter kleine Holzdächer: die Taubensitze.

Täglich wird der Schlag gereinigt, die Tiere kriegen Wasser, Futter, sogar Vitamine. Regelmäßig untersuche der Tierarzt die Vögel. Für kranke Tiere ist eine Quarantäne vorhanden. „Wir haben hier wunderschöne gesunde Tauben“, sagt die Taubenmutter, die lieber unerkannt bleiben möchte aus Angst vor Taubenhassern. Dabei müssten gerade Taubenfeinde von dem privaten Schlag begeistert sein, denn: Die Vögel sind von der Straße. Einmal im Schlag, können sie nicht wieder raus, außer die Taubenmutter lässt sie frei. Zudem würden die Taubeneier gegen Gipseier ausgetauscht, damit die Vögel sich nicht vermehren.

Die Idee mit dem Schlag war aus der Not heraus geboren. Vor knapp sechs Jahren sei der Markplatz voller Jungtauben gewesen, erinnert sich die Taubenmutter, die von ihrem Geschäft aus auf den Marktplatz blicken kann. Die Vögel hätten nicht mehr in ihre eigentlichen Nester im Kirchturm zurück gekonnt, weil dieser bei Arbeiten zugemacht und die Tauben rausgescheucht wurden. Die Geschäftsfrau wollte die Vögel nicht ihrem Schicksal überlassen und hat im Internet nach Rat gesucht.

Gefunden hat sie die Idee vom Taubenschlag. Der Hausbesitzer, von dem sie das Haus komplett angemietet hat, war mit der neuen Nutzung des Dachbodens einverstanden. „Das Ordnungsamt hat uns das Okay gegeben unter der Bedingung, dass für die Stadt keine Kosten anfallen.“

Zunächst habe die Vogelliebhaberin die Tauben zum Schlag gelockt, Futter auf das Flachdach an der Hausrückseite gestreut. Ein Nachbar habe gegen den plötzlichen Taubenbesuch auf dem Dach geklagt, aber vor Gericht verloren. Seit die Tauben im Schlag sind, haben alle Ruhe, die Nachbarn, die Geschäftsfrau und die Vögel.

Was in Heißen funktioniert, könnte auch in der Innenstadt die Probleme von und mit den Tauben lösen. Daher will die Geschäftsfrau einen möglichen Taubenschlag, ob privat oder in öffentlicher Hand finanziell unterstützen.