Die Stimmung bei Siemens in Mülheim ist am Tiefpunkt

Die Siemens-Mitarbeiter verließen am Freitag nach der Belegschaftsversammlung fassungslos die RWE-Sporthalle.
Die Siemens-Mitarbeiter verließen am Freitag nach der Belegschaftsversammlung fassungslos die RWE-Sporthalle.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Unsicherheit in der Belegschaft ist groß. Ein Mitarbeiter des Mülheimer Generatorwerkes schildert seine Sorgen nach dem verkündeten Stellenabbau.

Mülheim.. Nach der Ankündigung der Siemens-Verantwortlichen, am Mülheimer Standort rund 950 Stellen streichen zu wollen, ist die Stimmung bei der Belegschaft auf dem Tiefpunkt. „Der erste Schock hat sich bei den Mitarbeitern inzwischen gelegt“, berichtet Betriebsratsvorsitzender Pietro Bazzoli auf Anfrage. Viele würden nun voller Sorge den Blick nach vorne richten und beim Betriebsrat fragen, wie es weiter gehe. „Dazu können wir aber nichts sagen. Es gibt noch keinen Zeitplan für Verhandlungen mit dem Arbeitgeber.“ Auf einer Betriebsratssitzung Ende Mai oder Anfang Juni könnte Klarheit über das weitere Vorgehen herrschen.

„Diese Ungewissheit zehrt unglaublich an den Nerven“, berichtet ein Siemens-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, von der Zitterpartie, der er und seine Kollegen seit Freitag ausgesetzt sind. Der 43-jährige Familienvater arbeitet seit über 20 Jahren als Industriemechaniker in der Generatorfertigung an der Rheinstraße, hat schon 1999 einen geplanten Stellenabbau gemeinsam mit den Kollegen ausgesessen. Ob es dieses Mal wieder gut gehen werde, könne er nicht sagen. „Wir wissen ja nichts Konkretes, die Verhandlungen haben ja noch nicht begonnen.“

Noch keine Bewerbung bei anderen Arbeitgebern

An eine Bewerbung bei möglichen anderen Arbeitgebern denke er daher noch nicht. „Das ist auch bei den Kollegen im Moment gar kein Thema. Erstmal warten wir ab, was genau passiert.“ Für den Fall der Fälle sieht er sich aber gut gerüstet. „Ich denke schon, dass ich als gut ausgebildete Fachkraft einen Siemens-Bonus habe“, so der Industriemechaniker, der sich vorstellen könnte, in Mülheims Nachbarstädten zu arbeiten.

„Aber in die USA? Was soll ich da, wenn Familie und alle Freunde hier sind?“, fragt er mit Anspielung auf die geplante Verlagerung des Generatorenwerks in die USA. „Die Frage, die sich bei uns alle stellen, ist sowieso, warum das Werk gerade in die USA gehen soll.“ Deutsche Expertise werde weltweit geschätzt und wenn in absehbarer Zeit die Krise mit Russland vorbei sei, werde es dort für Siemens wieder große Absatzmärkte geben, ärgert sich der Mitarbeiter über den „Aktionismus“ des Unternehmens. Er hofft, dass der Betrieb am Mülheimer Standort in den kommenden zweieinhalb bis drei Jahren bei noch gut gefüllten Auftragsbüchern erst einmal normal weitergehe.

An möglichen Protestaktionen oder Arbeitsniederlegungen der Belegschaft werde er sich auf alle Fälle beteiligen, sagt er. Nicht umsonst laute das Motto der Mitarbeiter „Wir werden kämpfen wie die Löwen!“ Daran, dass es Aktionen gebe werde, ließ auch der Betriebsratsvorsitzende Pietro Bazzoli keinen Zweifel.