Die Stadtteilzentren stärken

Der Netto-Markt an der Zeppelinstraße hat ohne Ankündigung geschlossen. Die Nahversorgung im Umfeld ist nun mehr als dürftig.
Der Netto-Markt an der Zeppelinstraße hat ohne Ankündigung geschlossen. Die Nahversorgung im Umfeld ist nun mehr als dürftig.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mit dem „Masterplan Einzelhandel“ wollen die Stadtplaner die Verkaufsflächen für das ganze Stadtgebiet ordnen und die Ortsteilkerne wieder mehr ins Spiel bringen. Die Werbegemeinschaften sollen mitwirken

Mülheim.. Der neue „Masterplan Einzelhandel“ soll entscheidend dabei helfen, erstmals den „Hallenhandel“ vor den Toren der Stadtteilzentren zu ordnen oder zu stoppen. Stadtplaner arbeiten gerade an dem Entwurf für die Zukunft. Kleinere Nahversorgungslösungen seien möglich, wie der nun eingeleitete Wandel im Speldorfer Depot zeige (wir berichteten). Nicht nur Stadtplaner erhoffen sich davon stärkende Impulse für den Stadtteil.

„Die Menschen stimmen mit den Füßen ab und beklagen gleichzeitig, sie können in den gewachsenen Stadtteilen keine Lebensmittel mehr kaufen. Mit diesen Gegensätzen müssen die Stadtplaner arbeiten und nach den gesetzlichen Vorgaben verbindliche Regeln erstellen“, sagt Jürgen Liebich, Leiter des Stadtplanungsamtes. Er und seine Kollegen wollen mit dem Masterplan die Nahversorgung in geordnete Strukturen zu lenken. „Eigentlich fehlt nur noch in Raadt ein Lebensmittelanbieter, eventuell auch in Selbeck. Sonst sieht es in den Vororten gut aus.“

Einkaufen: Zu Fuß oder mit Auto?

Was eine optimale und eine weniger gute Versorgung ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. „Ich kann nicht mehr so weit laufen, jeden Tag nur einige Teile mitnehmen. Wenn der Netto in Heißen-Mitte weggeht, kann ich keinen Laden dieser Art mehr zu Fuß erreichen“, erklärt eine Seniorin. Sie wohnt an der Hingbergstraße und möchte nicht täglich mit der U-Bahn bis in die Stadt fahren. „Meine Kinder kaufen nur mit dem Auto ein“, erzählt die Frau. „Aber auch sie werden ja mal älter.“

„Wir sehen seit Jahren, dass die Menschen mit dem Auto zum Einkaufen fahren. Darum drängen die bekannten Ketten mit ihren großen Märkten ja in die Gewerbegebiete oder auf Grundstücke an den Ausfallstraßen“, kennt Jürgen Liebich die Bauanträge der vergangenen Jahre. Ob das für die Stadtentwicklung Vor- oder Nachteile hat, will er nicht bewerten.

Der Trend zu kleineren Märkten mitten im Dorf

Raadt brauche noch einen Nahversorger, „weil dort viele Kunden leben“. Für Selbeck käme eventuell ein Geschäft in Frage. Aber gleich hinter der Stadtgrenze stehe die Real-Halle mit breitem Sortiment. Dümpten, Broich, Heißen, Holthausen und Saarn sehen die Planer „mit großen Einzelhandelsflächen gesättigt“. In den Ortsteilkernen sei noch etwas möglich. Ob sich Großhändler oder Handelsgesellschaften mit Verkaufsflächen um die 1300 Quadratmeter begnügen, bleibt abzuwarten.

In Essen ist der Trend zu kleineren Märkten mitten im Dorf erkennbar verwirklicht. „Wir dürfen ältere Kunden und Nachbarn nicht verlieren“, heißt es bei Aldi-Nord. Den kleinen Markt häufiger zu beliefern, sei nur eine Frage der Logistik. Ob das eingepreist ist? Darüber schweigt der Handelsriese.

Marktflächen um 1300 Quadratmeter und leer stehende Hallen sind auch in Mülheimer Stadtteilen zu haben. „Ein gut sortierter Lebensmittelmarkt mitten im Kern zieht auch andere Läden an“, wissen die Werbegemeinschaften. Sie sind aufgefordert, den „Masterplan Einzelhandel“ mit ihren Ideen zu komplettieren. „Wir müssen was tun und mit Eigentümern zusammenarbeiten“, sagt man in Saarn.