Die Rettung naht
12.02.2012 | 18:28 Uhr 2012-02-12T18:28:00+0100
Mülheim.Es reicht ein schelmisches Grinsen unter dem roten Schopf und schon darf hemmungslos gelacht werden. Helge Schneider bleibt als Meister des schrägen Humors ein gefragter Künstler . Mit zwei ausverkauften Abenden feierte der unermüdliche Spaßmacher und exzellente Musiker in seiner Heimatstadt am Wochenende den Auftakt seiner großen Tournee 2012.
Wobei die heutige dritte Veranstaltung in der Stadthalle selbstverständlich auch wieder ausverkauft ist. Der Titel seiner neuen Show ist viel versprechend: „Rettung naht – Helgi auf Supertour “.
Der noch vor kurzem mit schlappem Kreislauf pausierende Entertainer hat bis zum Frühjahr immerhin 50 Konzerte gebucht, darunter allein 22 im Berliner Admiralspalast. Zur großen Überraschung war mit Ira Coleman ein alter Freund aus den USA kurzfristig angereist, der unter anderem als Bassist von Sting bekannt ist. Zusammen mit Paul-Kuhn-Schlagzeuger Willy Ketzer durfte sich Helge damit über eine Rhythmusgruppe der Weltklasse freuen. Fehlen durften selbstverständlich auch nicht sein langbärtiger Bühnenartist Sergej Gleithmann und Teekoch Bodo, der den strengen Ritualen von Helges heiterer Zeremonie gnadenlos ausgeliefert bleibt.
Neue Lieder, alte Hits
Geboten wurde eine schöne Mischung aus neueren Liedern und den von seinen vielen begeisterungsfähigen Freunden immer erwarteten alten Hits. Und zwischendurch bewies der auf fast allen Instrumenten geübte Helge auch seine enormen Fähigkeiten als Jazzmusiker. Wer so toll Klavier, Saxophon, Trompete, Vibraphon und Gitarre spielt, der darf auch schon mal einen Witz machen. Dabei erinnerte die neue Show doch inhaltlich sehr stark an die alte Show. Was seine vielen äußerst gut gelaunten jungen Freunde aber nicht störte. Und so ging mancher Lacher schon vor der Pointe los. Aber so soll es wohl sein.
Freundlich begrüßte Helge sein Publikum „in einer der schönsten Städte der Welt“ , in der er auch geboren wurde, aber nicht sterben wolle, da alles sehr eng geworden sei. Kurz darauf beleidigte er dann seinen Drummer Willy Ketzer, der eigentlich Friseur werden wollte, aber dafür „zu doof gewesen ist“. Woraus dann ganz schnell ein Song gemacht wurde, der mit viel Jazz-Feeling allerbeste Bar-Musik geworden wäre. Wenn man den deutschen Text weg lassen würde.
Die Welt erobern
„100.000 Rosen schenk’ ich dir“, hat Helge bereits vor 20 Jahren gesungen und wenn er es heute am Flügel spielt, dann wirkt er so wie ein schräger Udo Jürgens aus dem Ruhrgebiet, nur dass dieser sich so etwas niemals getraut hätte. Selten dämlich sind leider seine Geschichte und der dazugehörige Song „Ich bin der Schönheitschirurg von Banania“.
Doch dann spielte Helge eine fast geniale Flamenco-Nummer und imitierte daraufhin auch noch ganz großartig Udo Lindenberg mit dem schönen Lied „Ich wohn’ im Hotel“. Eine schauspielerisch-musikalische Glanzleistung. So feierte das Publikum einen großen Komiker, dem es auch vor schlechten Späßen noch niemals gegraut hat. Ein umjubeltes erstes Konzert seiner neuen Tournee, mit der Helge von Mülheim aus mal wieder die Welt erobern will.

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