Die Retter von der Ruhr

Ehrenamtliches Engagement macht Spaß. Man glaubt es, wenn man sich mit Sebastian Ide über seinen Einsatz als Rettungsschwimmer und Sanitäter bei der Wasserwacht des Roten Kreuzes unterhält. „Es ist schön, wenn man sich sportlich fit halten und gleichzeitig Menschen im Notfall etwas Gutes tun kann“, erklärt der 22-jährige Chemiestudent, warum er jedes Jahr gerne rund 800 Stunden in seine ehrenamtliche Arbeit bei der Wasserwacht investiert.

Jährlich 800 Stunden fürs Ehrenamt

Immer wieder montags ist der auch für fließende Gewässer ausgebildete Wasserretter im Trainerteam der Rettungsschwimmer aktiv, die sich gerade auf den Rescue Cup der Wasserwachten im Landesverband Nordrhein vorbereiten. „Bisher haben wir dort höchstens einen guten zweiten Platz erreicht“, lässt er seinen sportlichen Ehrgeiz erkennen. Wenn Ide ein- bis zweimal pro Monat im Einsatz ist, dann nicht nur als Rettungsschwimmer auf dem und am Wasser, etwa beim Drachenbootrennen, bei der Voll-die-Ruhr-Floßfahrt, bei einer Unterwasserrugbymeisterschaft im Südbad, am Entenfang, bei Regatten in Duisburg und Essen oder bei der Absicherung von Feuerwerken auf dem Rhein, sondern auch als Sanitäter an Land, etwa beim Pfingst-Spectaculum auf Schloss Broich oder demnächst beim Rosenmontagszug.

Ide und seine Kollegen von der Wasserwacht leisten jedes Jahr rund 60 der insgesamt 400 Sanitätseinsätze des Roten Kreuzes. Der Umgang mit Wurfsäcken, Rettungsbrettern, Rettungsbojen und Rettungsseilen ist ihm ebenso vertraut wie der Umgang mit Verbandsmaterial oder dem Defibrillator, der bei der Wiederbelebung nach einem Herzinfarkt eingesetzt wird. Auch das Fahren eines Rettungsbootes beherrscht Ide, nachdem er 2012 einen entsprechenden Führerschein gemacht hat. Hier ging er bei seinem Vater Peter in die Schule, der bei der Wasserwacht die Ausbildung der Bootsführer betreut. „Heute ist mein Engagement bei der Wasserwacht zum Selbstläufer geworden. Aber mein Vater war für mich der Türöffner. Denn alles fing damit an, dass er mich als Drei- oder Vierjährigen zum Schwimmkurs der Wasserwacht mitnahm“, erzählt Sebastian Ide, der inzwischen mehr als 200 Stunden in seine Ausbildungs als Sanitäter und Wasserretter investiert hat und dabei zuletzt auch auf Wildwasserstrecken an der Erft und an der Sieg in der Anwendung von Abschlepp- und Rettungstechniken sowie in der Beurteilung und Beobachtung von Strömungen geschult wurde.

Getrost ins Wasser gehen

Deshalb dürfen sich auch die ausreichend fitten und interessierten Bürger, die am 8. August bei der Jubiläumsaktion „Schwimmen mit uns“ zwischen Ruhrtalbrücke, Dicken am Damm und Mendener Brücke in die Ruhr steigen, bei Ide und seinen Wasserwacht-Kollegen in sicheren Händen fühlen, wenn sie auf 1,5 bis 3,4 Kilometer langen Strecken die Ruhr durchschwimmen und dabei Wissenswertes über die Flora und Fauna des Flusses erfahren. Diese Jubiläums-Aktion, zu der auch ein Sommer- und Familienfest beim Mülheimer Kanuverein an der Mendener Straße gehört, passt auch zur neuen Kooperation, die die Wasserwacht und der Wasserversorger RWW rund um das Thema Ruhr in diesem Jahr beginnen wollen.

Keine Angst vor neuen Aufgaben

Auch wenn Sebastian Ide bisher nur Schiffbrüchige beim Drachenbootrennen aus der Ruhr gefischt hat, hat er mit seinem neuen Ausbildungsstand im Rücken keine Angst vor neuen und größeren Aufgaben, etwa bei Hochwassereinsätzen oder bei vereinzelten Rettungs- und Suchaktionen an der Ruhr. „Wenn man durch seine Ausbildung weiß, dass man auch in Extremsituationen Menschen helfen kann und sich nicht hilflos in die Büsche schlagen muss, macht das schon ein Stück sicherer und selbstbewusster“, freut sich Ide. Noch mehr freut er sich aber darüber, dass ich bei der Wasserwacht „Teil einer tollen Gemeinschaft bin, die mich vor allem deshalb anzieht, weil man hier auf ganz unterschiedliche Menschen zwischen 16 und 66 trifft, die ihre ganz eigenen Lebens- und Berufserfahrungen mitbringen.“ Und der Student lässt keinen Zweifel daran, dass er auch nach seinem Studium der DRK-Wasserwacht treu bleiben will, weil er hier Freunde fürs Leben gefunden hat, „mit denen man nicht nur bei Einsätzen gerne zusammen ist und gemeinsam etwas auf die Beine stellt.“