Die Promenade

Stadtmitte.  Es gibt einige Sorgen, die die Stadt derzeit umtreiben: 950 Menschen verlieren ihre Arbeit bei Siemens, dem größten Arbeitgeber. Die Röhrenwerke leiden unter der Russland-Politik, Brenntag wandert in die Nachbarstadt, und die Gagfah, die von Annington übernommen wurde, reißt wohl wieder ein Loch in der Broicher Mitte. Wo sind die Erfolgsgeschichten für Mülheim – neben der Hochschule und der Expansion von Aldi Süd? Es könnte am Ende doch noch die neue Promenade werden. Ruhrbania also. Jahrelang von vielen mit Kritik überschüttet, gewinnen immer mehr Menschen Freude an dem Projekt.

Das Ziel, die Menschen an den Fluss zu locken, ihnen dort Atmosphäre und Aufenthaltsqualität zu bietet – so langsam scheint das Vorhaben zu gelingen. Die Baustellen werden nach acht Jahren weniger, die Wohnungen füllen sich, die Gastronomie entwickelt sich. Und wer bei sommerlichen Temperaturen das kleine Hafenbecken mit der Treppenanlage aufsucht, sich dort für einen Moment niederlässt und auf die vorbei ziehende Ruhr blickt – spürt jene Stadtatmosphäre, die die Planer vor mehr als zehn Jahren anstrebten, als sie mit dem Umbau der Promenade begannen.

Das Projekt ist noch nicht fertig. Vor allem anlegende Schiffe fehlen noch, Musik, abendliche Unterhaltung, eine Gastronomie, die sich auch in den neuen Bauten des Mülheimer Wohnungsbaus fortsetzt. Eine gepflegte Atmosphäre soll sich einstellen, keine Partymeile. Ruhrbania braucht auch Zustimmung, ein solches Stück neue Stadt lebt auch davon, wie darüber geredet wird.

Zum großen Wurf wird es für Ruhrbania trotz allem nie reichen, wenn es in absehbarer Zeit nicht gelingt, das Problem zu lösen, das der ehemalige Kaufhof hinterlassen hat. Das Gebäude steht im sechsten Jahr leer – und ist nicht schöner geworden. Die Fotos aus der Stadt in den einstigen Kaufhaus-Fenstern haben Charme, verdecken das Hässliche, können aber keine Lösung sein.

Die Hoffnung ruht auf dem Investor AIP aus Düsseldorf, der dem Standort viel abgewinnt. AIP wollte dort mit MWB die Sparkassen-Akademie umsetzen. Eine Jury entschied anders. Der Investor und Projektentwickler bleibt dennoch seit Monaten am Ball. Wie man hört, wird gerechnet. Ein belastbares Signal wird noch vor der Sommerpause erwartet: Wohnen für Senioren, ein Hotel, Einzelhandel – dieser städtische Mix könnte sich an der Stelle durchsetzen. Käme es so, die Stadt wäre ihr größtes städtebauliches Problem los.

Der Umbau der Promenade wird nicht an der Radtrasse enden. Die Frage ist nur, wann Wohnen am Fluss weiter fortgesetzt wird. Hinter der Brücke liegen weitere Baufelder. Politisch ist eine Ausdehnung Richtung Konrad-Adenauer-Brücke nicht unumstritten. Die Kritiker der ersten Stunde, die Mülheimer Bürgerinitiativen (MBI), halten das Projekt nach wie vor für falsch in einer Stadt mit derartigen Finanzproblemen.

Die Nachfrage wird letztlich entscheiden. Der Mülheimer Wohnungsbau (MWB), der 110 Wohnungen in den drei Baukomplexen errichtet, erlebt ein sehr reges Interesse. Bei den angebotenen Mietwohnungen übersteigt die Nachfrage bei weitem das Angebot und zeigt: Ruhrbania findet Zuspruch.