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Die Öffnung der Welt

30.08.2010 | 19:02 Uhr
Die Öffnung der Welt
31. August 1925: Offizielle Eröffnung des Flughafens Essen/Mülheim.

Der Traum vom Fliegen – 1925 wurde er für viele Bewohner des Ruhrgebiets wahr. Die meisten kannten Flugzeuge höchstens von Bildern, nun hatten Essen und Mülheim ihre eigene Startbahn in Richtung weite Welt.

Die damit schon ein bisschen näher gerückt war. Tausende Schaulustige kamen am 31. August 1925, dem Eröffnungstag, zum Platz an der Stadtgrenze, damals 130 Hektar groß. Am 1. September nahm die Luftverkehrsgesellschaft Ruhrgebiet AG („Lurag“) den Passagierbetrieb auf, die später in die Deutsche Luft-Hansa überging. „Mit dem Flugplatz bekam das Ruhrgebiet Anschluss an die technischen Entwicklungen der Zeit“, erklärt Frank Radzicki, der in Eigenregie das Essener Luftfahrtarchiv betreibt. „Flugzeuge boomten so richtig, im Umkreis schossen die Plätze aus dem Boden – auch in Dortmund und Düsseldorf.“ Beide Städte waren für damalige Verhältnisse allerdings weit entfernt, die A52, so Radzicki, ein „besserer Feldweg“.

Umso stolzer waren die Essener und Mülheimer auf die Fabrikate Junkers F.13, G.24 oder JU-52, die als Eindecker und aus Aluminium gebaut zunächst vier, dann 24 Passagiere transportieren konnten. „Und zwar, mit Zwischenlandung, schon bis London oder Moskau“, erklärt Radzicki. In den 90er Jahren stellte der heute 46-jährige Essener zum ersten Mal historische Fotos aus und ist heute in der Arbeitsgemeinschaft Flughafen und Ökologie (AGFÖ) aktiv, die sich für den Erhalt des Flughafens stark macht.

1925 brachte es der Platz Essen/Mülheim schon auf 500 bis 700 Flüge, 1937 gab es sogar schon rund 5000 Flugbewegungen mit 15000 Passieren. „Die Entwicklung ging damals rasant voran“, so Frank Radzicki. „Und das Ruhrgebiet rangierte bei den Plätzen ganz oben. 1939 galt unser Flughafen als feste Größe im deutschen und internationalen Luftverkehrsnetz.“

Mit Kriegsbeginn endete die Glanzzeit abrupt – die militärische Nutzung verdrängte den Passagierbetrieb. Ab 1939 waren die ersten Fliegerstaffeln stationiert, 1941 erfolgte der Ausbau für die neuen Zwecke. „Aus dem kreisrunden Flugfeld entstand eine geradlinige Startbahn“, erklärt der Experte. „Zuvor waren die Flieger in die Richtung gestartet, die der Wind vorgab.“ Die Ausrichtung der Bahn ist bis heute geblieben, Linienbetrieb gab es in Essen/Mülheim nie wieder. „Die ersten Segelflieger starteten schon 1951, ab 1959 wurde auch der Passagierbetrieb wieder eingeführt. Aber nicht mehr in dem Maße wie früher.“

Bis heute starten, so Radzicki, noch vereinzelte Geschäftsflüge, außerdem gibt es Schulbetrieb und Rund-, Ambulanz- sowie Motorflüge – insgesamt jährlich rund 47000 Flugbewegungen. Diesen Betrieb will die AGFÖ bewahren, sagt der Historiker. „Ausbauen wollen wir den Flughafen gar nicht.“ Aktuell sei der Platz ein Zuschussbetrieb, räumt er ein. „Doch würde man ihn wirtschaftlich gut nutzen, könnte er sich im Wesentlichen selbst tragen.“

Die Arbeitsgemeinschaft ist gegen neue Gewerbeansiedlungen als Alternative zum Flugbetrieb. „Mit der Eigeninitiative der Unternehmen sind wir zuversichtlich“, meint Radzicki. Schließlich habe es Initiativen zum Beenden des Betriebs auch schon in den 50er Jahren gegeben. „Totgesagte leben länger.“

Caroline Uschmann

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Kommentare
01.09.2010
21:17
Die Öffnung der Welt
von neutraler Beobachter | #25

Arbeitsplätze und Familien kaputt machen woiien.
Danke
reinera

01.09.2010
18:16
Die Öffnung der Welt
von reinera | #24

Kein Mensch bekämpft den Flughafen.

01.09.2010
17:21
Die Öffnung der Welt
von ehrlichkeit und recht | #23

Geordneter Rückzug?
Da kann man sich in 10, vielleicht 15 Jahren Gedanken machen. (Falls es dann immer noch Menschen gibt, die den Flughafen mit allen Mitteln bekämpfen wollen)

01.09.2010
00:24
Die Öffnung der Welt
von kommentar | #22

@1 Genau deswegen habe ich diese Zeitung nicht abonniert. Nur schade das der Konzern hier ein Monopol hat

31.08.2010
19:55
Die Öffnung der Welt
von D-IESS | #21

@reinera

Immer die ollen Kamellen wiederholen macht es nicht besser.

Der Flughafen wird noch bis 2034 weiter bestehen.
Die grüne Wiese / Park wird nicht kommen.

31.08.2010
18:27
Die Öffnung der Welt
von reinera | #20

@ #12 ehrlichkeit und recht:

Es würde der Sachlichkeit dienen, wenn Sie Ihre Botschaften weniger Pröllhaft formulieren würden.
An der Tatsache ändert das nichts.

Und je nach dem wie nah Sie dem Flugplatz tatsächlich stehen, sollten Sie prüfen, ob ein geordneter Rückzug nicht die bessere Variante gegenüber einem abrupten Ende ist.

Die Zeiten haben sich geändert, verkehrspolitisch ist der Flugplatz tot, auch wenn die ansässigen Firmen hier den letzten Versuchsballon starten wollen.

Nachdem nun der Düsenflugbetrieb beendet ist - die Genehmigung der Bezirksregierung in dieser Sache war ebenfalls widerrechtlich - wird auch der Flugplatzbetrieb beendet werden.

Und um bei Ihren Worten zu bleiben: Wer dann welche Wahrheit zurecht gebogen hat, werden wir ja dann sehen......

31.08.2010
15:39
Die Öffnung der Welt
von VertrauenMussManSichVerdienen | #19

Schöner Artikel ...

@#5 Vatta ... auch danke für Ihren Beitrag.

[...]Aktuell ist mir der Flugplatz eigentlich egal, aber historisch gesehen ist es kein Teil meiner Stadt, auf den ich stolz bin. [...]
Es ist einiges in dieser Stadt passiert worauf man nicht stolz sein kann - aber so hebt jeder nur das hervor, was für seine Meinung gerade wichtig ist ... das nennt man dann Meinung - sonst würde man ja von Fakten reden ;O)

31.08.2010
14:08
Blockierter Kommentar.
von Konst. Alex. Graf v. Butten | #18

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

31.08.2010
13:38
Die Öffnung der Welt
von w samoht | #17

Es gibt Historiker und Hysteriker. Zu den Letzteren gehören eine Menge der ewig gestrigen Nörgeler, die aber selbst gerne das Flugzeug in Anspruch nehmen.

31.08.2010
11:56
Die Öffnung der Welt
von Haffi59 | #16

So ist das eben, wenn man sich Historiker nennt und keiner ist. Das gleiche gilt für die nebulöse AGFÖ, die jeden Quatsch verbreiten darf. Nur nicht die Wahrheit. Hier träumen nur einige Flieger-Opas und wünschen sich die alte Zeit zurück. Auch wenn man sie sich besser nicht wieder wünschen sollte.

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