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Die Not mit der Aufnahme

05.03.2009 | 19:22 Uhr

Eine Stunde lang wartete Anna-Maria Allegrezza vergeblich, dass ihre Tochter im Evangelischen Krankenhaus behandelt wird.

Anna-Maria Allegrezza ist verärgert. Sicher versteht sie, dass ihre Tochter Jamina mit einer entzündeten Scheide kein Notfall war. Aber warum man ihr in der Notaufnahme im Evangelischen Krankenhaus nicht gleich sagen konnte, dass sie die Zweijährige dort nicht behandeln würden, ist der Mutter von drei Kindern immernoch ein Rätsel.

Was war passiert? Abends, am 29. Dezember bemerkte die 39-Jährige, dass ihre Tochter eine Entzündung im Schambereich hatte. „Jamina weinte wegen der Schmerzen. Weil ich nicht wusste, ob es ernst ist, bin ich mit ihr sofort ins Krankenhaus gefahren”, erzählt Allegrezza. Gegen 20 Uhr erreichte sie die Klinik, im Vorfeld habe sie sich telefonisch erkundigt, ob sie überhaupt kommen dürfe. Das hatte die Rezeption bestätigt. Zum Hintergrund: Das Evangelische Krankenhaus unterhält keine spezielle Kinderambulanz – allerdings stehen sechs Betten für Kinder zur Verfügung. Überdies verbieten Gesetze Krankenhäusern, Patienten abzulehnen.

Das gilt auch für Kinder wie die zweijährige Jamina. An jenem Montagabend füllte ihre Mutter an der Rezeption alle Formulare aus und wartete eine Stunde auf die diensthabende Frauenärztin, die sie letztlich abwies. „Wenn sie es bis hierhin geschafft haben, dann können sie auch noch weiter fahren”, zitiert Anna-Maria Allegrezza die Gynäkologin. Anderes berichtet Melanie Kerfin, Sprecherin des Krankenhauses: „Die Ärztin hat mit der Mutter ein Beratungsgespräch geführt und ihr empfohlen, zur Kinderklinik nach Oberhausen zu fahren.” Es habe sich um eine spezielle Kinderkrankheit gehandelt, die in dem Krankenhaus nicht behandelt werden konnte.

Info
Hintergrund

Wohin im Ernstfall?

Die zehn Mülheimer Kinder- und Jugendärzte haben einen eigenen Notdienst eingerichtet: Mittwochs und freitags ist er von 17 bis 18 Uhr sowie samstags, sonn- und feiertags von 11 bis 12 und von17 bis 18 Uhr unter 0180/50 44 100 zu erreichen. „In dieser Zeit ist es also kein Problem für Eltern, einen Spezialisten zu erreichen”, meint Kinderarzt Dr. Holger van der Gaag. Schwieriger würde es indes, wenn Kinder außerhalb dieser Zeiten, ärztliche Hilfe bräuchten: „Eltern gehen dann am besten ins Katholische Krankenhaus oder rufen den allgemeinen Notdienst”, so van der Gaag.

Denn fachärztlichen Bereitschaftsdienste gebe es in Mülheim ebenso wenig wie eine spezielle Kinderambulanz. „Eltern müssen mit ihren Kindern aber trotzdem nicht in die Kliniken nach Oberhausen, Essen oder Duisburg fahren”, meint Dr. Holger van der Gaag: „Denn wenn es sich um einen Notfall handelt, sollte das nächste Krankenhaus so schnell wie möglich aufgesucht werden, auch wenn dies keine Kinderklinik hat.”

Geärgert hat sich Anna-Maria Allegrezza vor allem deshalb, „weil ich eine ganze Stunde gewartet habe, um dann wieder abgewiesen zu werden.” Ihre beiden Söhne (neun und vier Jahre) hätten Hunger gehabt, sie habe ihren Kindern den Weg in die Oberhausener Klinik ersparen wollen. „Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Gynäkologin meine Tochter zumindest kurz anguckt und mir sagt, ob es sich um eine ernste Krankheit handelt”, meint Allegrezza: Stattdessen habe sie sie mit dem Hinweis, dass im Evangelischen Krankenhaus keine Kinder behandelt würden, weggeschickt. „Dabei habe ich doch extra vorher gefragt, ob sie hier überhaupt behandelt werden kann”, sagt die Mutter, die letztlich verärgert mit ihren drei Kindern nach Hause fuhr. Am nächsten Tag sei sie mit Jamima beim Kinderarzt gewesen: „Die Entzündung hat sich als harmlos herausgestellt”, sagt die Mutter: „Aber was, wenn es etwas Ernsthaftes gewesen wäre...”

Anne HEIDRICH, Stefanie BERSIN



Kommentare
10.03.2009
11:35
Die Not mit der Aufnahme
von muemaus | #17

Diese Not scheint sich nicht nur auf Notaufnahmen zu beschränken.

Ich habe die frische Diagnose MS und deshalb von der Neurologin eine Einweisung zu einer Lumbalpunktion die stationär durchgeführt werden soll.

In Mülheim gibt es keine neurologische Abteilung in den Krankenhäusern - traurig genug.

Also habe ich im Essener Klinikum angerufen. Erst die Zentrale - die hat mich mit der neurologischen Klinik verbunden. Dort wurde ich dann weiter verbunden an das Sekretariat der neurologischen Polyklinik.

Die erste Frage der Dame am Telefon:
wie kommen Sie denn an diese Nummer? Nachdem ich erklärt hatte, dass es nicht mein Verschulden war, dorthin verbunden worden zu sein, wurde mir gesagt, sie rufe mich gleich zurück um mir einen Termin zur Aufnahme zu geben - DAS WAR GESTERN MITTAG!!! Bis jetzt kein Rückruf.

Gleiches Spielchen in Oberhausen - Kath. Krankenhaus: Die erste Frage der Dame am Telefon: Sind Sie privat versichert? Nein bin ich nicht - daraufhin wurde ich aufgeklärt, dass die Betten von der Frau Dr. Oberärztin vergeben würden - und diese würde mich gleich zurückrufen. DAS WAR AUCH GESTERN!!
Selbstverständlich bisher kein Rückruf - bin ja auch nur Kassenpatient. Wen interessiert es da, dass eine unbehandelte MS auch schon mal zu Lähmungen, Sehstörungen und anderen evtl. nicht mehr zurückgehenden Beeinträchtigungen führt.

Bin ja halt auch nur Kassenpatient da eilt es offenbar nicht so.

08.03.2009
01:36
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Name von Moderation entfernt | #16

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08.03.2009
01:33
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Name von Moderation entfernt | #15

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06.03.2009
20:55
Die Not mit der Aufnahme
von muemaus | #14

Es hat schon seine Gründe, dass auch niedergelassene Ärzte von diesem Haus abraten - ich bin diesem guten Rat gefolgt und ins MH gegangen wg. Gallen-OP - und habe mich bestens behandelt und aufgeboben gefühlt. Hervorragende Aufklärung vor der OP, nettes Personal, kein erkennbarer Mangel an Pflegekräften, selbst Essen super ;-)
Ich gehe freiwillig niciht mehr ins EKM

06.03.2009
14:16
Die Not mit der Aufnahme
von daisyblue | #13

Ich habe bisher -obwohl Kassenpatientin - gute Erfahrungen in der Notaufnahme des EKM gemacht. Schnelle Aufnahme, rasche, aber eingehende Untersuchung und Empfehlungen für die weitere Vorgehensweise.
Allerdings hatte ich einige Tage später zwei unterschiedliche schritliche Berichte vorliegen, da man meine persönlichen Daten mit denen einer anderen Patientin vermischt hatte!

Nicht so gut lief es, als meine Schwester mit ihrem zweijährigen Sohn wegen eines Sturzes die Notaufnahme im EKM aufsuchte, Niemand fühlte sich zuständig, sie sass über eine Stunde im Wartebereich, die diensthabende Ärztin war mit dem Kleinkind zunächst überfordert, bis sie einen Tipp von einem erfahrenen Kollegen bekam, dass es ein Schlüsselbeinbruch sein könnte, was sich bestätigte.

06.03.2009
13:56
Die Not mit der Aufnahme
von baumjohann | #12

in der regel bin ich mit meinen kindern direkt nach oberhausen gefahren. wenns aber nicht ging, oder sehr eilig war, bin ich auch im ekm gelandet. dort wurden sie eigentlich immer gut versorgt. einmal war ich sogar morgens mit dem einen zum nähen seines blutigen kinns an allen vorbei und sofort und nachmittags, es war mittwochs, nochmal mit dem anderen zum fingernagel ziehen, (finger in der tür). die haben zwar erstaunt geschaut mich so oft zu sehen aber letztendlich geholfen. da kann ich nix gegen sagen.

06.03.2009
12:36
Die Not mit der Aufnahme
von bigmac | #11

am 29.12.2008? 20 uhr ? was soll das mit 3 kindern ins kranken haus tolle geschichte kind weint abends ach gehen wir doch ins krankenhaus .gibt es keinen notdienst?

06.03.2009
10:48
Die Not mit der Aufnahme
von Thomas Stratmann | #10

Na wenn es beruhigt, den im Marienhospital ist es auch nicht viel besser. Ich kam mit meinem 14 jährigen Patenkind in die Ambulanz und wurde abgelehnt.
1. ist sie noch keine 16 und somit was für die
Kinderklinik. Ich soll in eine Kinderklinik fahren.
2. Bin ich nicht der Erziehungsberechtigte.

Und von den Akademischen Kräften hat sich keiner Bemüht auch nur mal in unsere Richtung zu gehen.
Ich dachte immer es gibt eine
Notfall(Erstversorgung)im KRANKENHAUS und dann wird verlegt.

06.03.2009
10:07
Die Not mit der Aufnahme
von Reinerle | #9

Wann erinnern sich die Menschen , denen es
gut geht, dass sie eine Verpflichtung gegenüber
den in Not geratenen Menschen haben?
Es interessiert anscheinend niemand, wie es
anderen geht.
Wo sind den die Christenjid

06.03.2009
10:05
Die Not mit der Aufnahme
von WSR14 | #8

Ich hab da auch so meine Erfahrungen mit dem EK gemacht: ich war im 6. Monat schwanger und bin mit dem Fahrrad gestürzt. Ein Autofahrer brachte mich in die Notaufnahme des EK. Dort musste ich erst einmal 10 Euro Praxisgebühr zahlen und schließlich weinend und mit den Nerven runter 40 Minuten warten, neben älteren Herrschaften, die mit gepackten Koffern auf die Aufnahme warteten. Als die Dame von der Aufnahme Feierabend machte, fragte sie, weil ich immer noch still vor mich hin weinte: Ist es denn so schlimm? Das hätte ich tatsächlich gerne selber gewusst ... Ich wurde dann endlich in einen Behandlungsraum gebeten, wo mich ein Chirurg auf 3 Meter Distanz betrachtete und fragte: Offene Wunden? Als ich verneinte und nur auf einige Schrammen verwies, mir aber größere Sorgen um mein Kind machte, verschränkte er nur gelangweilt die Arme und sagte: Dann soll sich das mal ne Frauenärztin angucken. Die junge Kollegin untersuchte mich dann zügig mit dem Ultraschall und schickte mich wieder nach Hause. Wenn ich wollte, könnte ich ja bleiben ... Ich wollte nicht, fuhr am nächsten Morgen nach Werden ins St. Joseph Krankenhaus zu einer umfassenden Untersuchung. Dort erfuhr ich, dass Schwangere, die einen Sturz hatten, für mind. 48 Stunden stationär aufgenommen werden müssen! ... Das EK meiden wir seitdem.

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