Die Magie von Karten und Tabellen

Den Nutzen eines lokalen Sozialatlanten im Netz erklärt der städtische Statistiker Volker Kersting mit einem lebenspraktischen Beispiel. Neulich habe ihn eine Therapeutin angerufen und gefragt, wo in der Stadt die meisten Kinder wohnen, denn sie wolle eine Praxis eröffnen. „Diese Frage könnte der Onlineatlas beantworten“, erzählt Kersting. Gleiches würde auch für Fragen aus der Altenpflege gelten. Auch für den Schulunterricht in Mathe, Geografie oder Politik könnte das Angebot hilfreich sein.

Der Sozialatlas ist somit ein gutes Hilfsmittel für die Sozialverbände, aber auch für die Politik, die aus Erkenntnissen und Zusammenhängen, die dort sichtbar werden, auch Entscheidungen und Handlungsempfehlungen herleiten können, wie Sozialdezernent Ulrich Ernst hofft. Aus den Sozialdaten und regionalen Schieflagen hat er im Gegensatz zu Verantwortlichen in anderen Städten noch nie ein Geheimnis gemacht, aber durch die „Magie von Karten und Tabellen“ gewinnen diese Daten noch einmal eine ganz neue Qualität. So war beispielsweise schon früh klar, dass die Kaufkraft in der Innenstadt gering und die Hoffnung auf hochwertigen Inhaber geführten Einzelhandel damit eine Illusion ist, sofern sich die Rahmenbedingungen nicht ändern.

Sozialdaten für alle

Die Testversion dieses mit der Bertelsmann-Stiftung entwickelten Werkzeuges war der Politik bereits im Herbst vorgestellt worden. Seitdem wurde daran gefeilt, gestern Morgen ging die Seite dann offiziell ins Netz. Jeder der Interesse hat, und das ist Ernst wichtig, kann sich die Daten ansehen und auch Tabellen und Diagramme, die in unterschiedlichen Formen angeboten werden, herunterladen.

Zugriff auf die Daten hat jeder über die städtische Homepage: www.stadt-mh.de. Und das Beste: Dieser Service kostet die Stadt keinen einzigen Cent. Der Fokus des Atlanten liegt auf den Lebensbedingungen von Kindern. Keck, heißt das Programm. Das Steht für Kommunale Entwicklung - Chancen für Kinder. Auch die Bertelsmann Stiftung verfolgt damit einen Dreiklang: Analysieren, Erkennen und Handeln.

Den Sozialstatistikern ermöglicht dieses Instrument, Daten kontinuierlich zu aktualisieren und das Angebot auszudehnen. Die Politiker haben dazu, etwa in Sitzungen, unmittelbar Zugriff über das iPad. Prinzipiell funktioniert es auch über das Smartphone.

Die Daten beziehen sich unter anderem auf die Bevölkerungsentwicklung, die demographische Entwicklung, Familienstruktur, Einkommen, Gesundheit und Entwicklung von Kindern, Bildung und Teilhabe, Abschlüsse, Übergang zu weiterführenden Schulen, Sprachentwicklung und die Standorte kommunaler Infrastruktur. So zeigt die Karte beispielsweise die Standorte der 80 Kitas an - auch die rund 40, die sich in freier Trägerschaft befinden. Daten sind für die 27 statistischen Bezirke und die neun Stadtteile verfügbar. Die Statistiker arbeiten daran, noch stärker in die Quartiere zu zoomen und Sozialdaten für die 120 Stimmbezirke aufzubereiten. Auch längere Zeitreihen sind in Arbeit. Bislang gibt es etwa 50 Kennziffern.

Aber auch Querverbindungen können gezogen werden. Das Paradebeispiel: Kinderarmut und die Aktivität an Sportangeboten von Vereinen. Wo die Kinderarmut groß ist, ist auch Vereinssport Mangelware. Seit Jahren versucht die Stadt etwa mit Sportgutscheinen das zu beeinflussen, denn seit langem ist klar, Sport fördert die Intelligenz.