Die Kröten wandern wieder auf den Straßen in Mülheim

Bei ihrer Wanderung zum Laichplatz transportieren einige Weibchen die kleineren Männchen auf dem Rücken.
Bei ihrer Wanderung zum Laichplatz transportieren einige Weibchen die kleineren Männchen auf dem Rücken.
Foto: Stadt
Was wir bereits wissen
Die ersten Tiere sind seit dem Wochenende unterwegs. Ab Donnerstag werden einige Straßen nachts zum Schutz der Amphibien gesperrt.

Stadtgebiet.. Die Krötenwanderung hat auch in Mülheim begonnen, die Witterungsverhältnisse sind derzeit optimal für die wechselwarmen Tiere. Die nächtlichen Temperaturen und die hohe Feuchtigkeit haben sie bereits am Wochenende aus der Kältestarre aufgeweckt. Wie die Stadt mitteilt, werden daher ab morgen die Horbeckstraße, die Klingenburgstraße, die Großenbaumer Straße und die Mühlenbergheide ab ca. 19 Uhr für den Straßenverkehr gesperrt.

Geöffnet werden die Schranken morgens wieder gegen sechs Uhr. Sollte die Wanderung aufgrund der Witterung zeitweilig zum Erliegen kommen, können die Sperren vorübergehend wieder aufgehoben werden.

Zuständig dafür sei die Stadt, die einen Schließdienst mit dem Auf- und Abschließen der Straßensperren beauftragt, erklärt Daniela Specht, die Artenschutzbeauftragte der Stadt. „Ausnahme ist die Horbeckstraße, dort kümmert sich das städtische Tierheim um die nächtliche Straßensperre.“

Krötenschutz begann in den 80ern

Die Initialzündung für den Krötenschutz habe in den 1980er Jahren stattgefunden, so Sabine Brandt, Diplom-Biologin beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). „Damals gab es eine enorme Spontanwanderung. Ursache dafür war die Unterbrechung der Laichwanderung durch einen Kälteeinbruch.“ Dies habe dazu geführt, dass danach sehr viele Tiere auf einmal unterwegs waren. Auf dem Weg zu den Laichplätzen seien aber zu viele gefährliche Straßen im Weg gewesen, so dass man nach einer Lösung zum Schutz der Tiere gesucht habe.

Weil die Naturschützer das Problem mit unterschiedlichen Varianten von Krötenzäunen nicht in den Griff bekamen, seien letztendlich Straßensperren errichtet worden, so Biologin Brandt. „Das ist auf großen Widerstand in der Politik gestoßen, es kam zu Vandalismus oder Anwohnerbeschwerden.“

Lediglich an der Horbeckstraße hätten sich die Anwohner zum Großteil weiterhin selbstständig mit Krötenzäunen um die Tiere gekümmert, sagt die Artenschutzbeauftragte Specht. Dies sei bis zum Jahr 2013 der Fall gewesen – mit Hilfe der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet (BSWR).

Martin Schlüpmann, Mitarbeiter der Biologischen Station, erinnert sich: „Der ehrenamtliche Aufwand konnte aber wegen der extrem hohen Amphibienpopulation nicht aufrecht erhalten werden.“ Seit der Initiative der BSWR aus dem Jahr 2013 gibt es auch an der Horbeckstraße die Straßensperre unter Aufsicht des Tierheims.