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Konzert

Die Kraft der Wüste

11.10.2011 | 19:24 Uhr
Die Kraft der Wüste
| Foto: Uwe Schaffmeister

Noch mag der nigerianische Gitarrist Bombino als Geheimtipp gelten, so dass sein Wüstenblues noch günstig und im intimen Rahmen ganz unmittelbar erlebt werden kann. Das kann sich schlagartig ändern, sobald er für einen Weltmusikpreis nominiert wird.

An die 150 Zuschauer ließen sich jetzt zur Eröffnung der fünften Klanglandschaften im Theater an der Ruhr von dem hypnotischem Reiz seines Gitarrenspiels begeistern, dem auch schon Keith Richards und Charlie Watts von den Stones erlagen. Das war noch, bevor Bombino im Frühjahr mit „Agadez“ sein erstes Album bei einem kleinen europäischen Label herausbrachte.

Als erstes springt das hohe Durchschnittsalter der Konzertzuschauer ins Auge. Jüngere Leute sind kaum vertreten, dafür sind zahlreiche in dem Alter, dass sie die Eltern des 1980 als Omara Mochta Geborenen sein könnten, der im traditionellen Gewand in Türkis und weißem Schal auftritt. Die Zuschauer sind begeistert, gerade wenn es die Band später so richtig krachen lässt.

Sie jauchzen, klatschen zu den treibenden Rhythmen, stampfen mit den Füßen und einige stehen sogar auf und tanzen am Bühnenrand. Als zweites fällt ein Tisch am linken Bühnenrand auf, auf dem ein großer, halbierter Kürbis liegt, der als Perkussionsinstrument dient und, mit der Hand angeschlagen, einen wuchtigen dumpfen Beat erzeugt.

Bombino geht das Konzert ganz entspannt an. Bei den ersten drei Stücken greift er zur akustischen Gitarre, die er wie später die Stratocaster mit den bloßen Fingern zupft. Aus einzelnen Tönen schälen sich Motive heraus, die er immer wieder wiederholt. Dabei wird er auf der Djembe, der traditionellen westafrikanischen Trommel, begleitet. Als er zur Elektrischen wechselt, stehen ihm noch ein Schlagzeuger und ein zweiter Gitarrist zur Seite. Die elektrische Variante, die stellenweise deutlich rockinspiriert ist, begeisterte er umso mehr. Man sieht Bombino auch selbst die Freude an, wenn er über die Bühne hüpft. Dabei handeln die Songs keinesfalls von ausgelassener Lebensfreude.

Die Lieder, die er im typisch heiseren Gesangsstil vorträgt, handeln in einfachen Worten vom Verlust durch das erzwungene Exil, von den willkürlich durch die Kolonialmächte gezogenen Grenzen, von den schlechten Lebensbedingungen und der Unfähigkeit der Tuareg, die als Nomaden in mehreren Ländern leben, sich zu einigen. Es ist weniger seine Virtuosität auf der Gitarre, die beeindruckt, als der lebendige und urwüchsige Ausdruck, den er entwickelt.

Steffen Tost

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