Die Kobra klebt
08.04.2010 | 20:42 Uhr 2010-04-08T20:42:00+0200
Feuerwehrleute sahen täglich nach, obwohl es kaum mehr Hoffnung gab, die hochgiftige Kobra an der Kleiststraße 161 zu finden. Am Donnerstag wurde ihr kleiner, kringeliger Kadaver auf einer der Klebefallen entdeckt. Entwarnung.
Offenbar lockte das frühlingshaft-wärmere Wetter die Babyschlange aus ihrem Versteck. Hängen blieb sie nahe einer Nachtspeicherheizung.
Damit endet der Ausnahmezustand, auch für Philip Schröder und seine Lebensgefährtin, die hier im zweistöckigen Haus wohnen, normalerweise. Drei Wochen lang war das Paar ausquartiert mit einem Teil seines Mobiliars. Sie lebten in einer Ausweichwohnung in Speldorf. „Das war ein Kulturschock“, sagt Schröder, „Hier auf der Heimaterde singen die Vögel, dort fährt die 901 vor der Tür.“
Natürlich gibt es Schlimmeres, etwa den potenziell tödlichen Biss der Monokel-Kobra. Bei deren Besitzer Kevin O., der 19 Jahre jung ist und ohne Arbeit, meldete sich Schröder per Handy und übermittelte den Ausgang des bundesweit beachteten Zwischenfalls. „Doch er wusste es schon aus den Medien.“ Wie von schwerer Last befreit stand Philip Schröder gestern vor dem äußerlich recht gepflegt wirkenden Haus. Sauer auf den Schlangenhalter sei er nicht. „Das war eine überflüssige Aktion, aber er hat es nicht absichtlich gemacht und sich tausend Mal entschuldigt.“
Die Stadt Mülheim wird sich damit nicht zufrieden geben. Denn bislang trägt sie Kosten für die Anti-Kobra-Aktion von rund 100000 Euro, wie Pressesprecher Volker Wiebels vorrechnet. Allein 38500 Euro koste der Feuerwehreinsatz, zu Buche schlagen auch: Entkernung und Wiederherstellung der Dachwohnung, die Mithilfe des THW unter Einsatz endoskopischer Kameras, der vorübergehende Umzug der Mieter und vieles mehr. Wiebels kündigt an, die Rechnung an den Schlangenbesitzer weiterzugeben, der die Summe notfalls „abstottern“ solle.
Derweil präsentiert Torben Rankl, Mitglied der deutschlandweit einzigartigen Reptilienfachgruppe bei der Feuerwehr Düsseldorf, seinen Fang: So zierlich? So gefährlich? – scheinen die zahlreich angereisten Presse- und Rundfunkvertreter zu denken. Kameraleute und Fotografen nehmen das tote Tier ins Visier, während Stadtsprecher Wiebels erklärt: „Uns ist mehr als ein Stein vom Herzen gefallen.“
Er kann eine gewisse Genugtuung nicht verbergen, wenn er ergänzt: „Unsere Einsatztaktik war richtig. Auch wenn Experten gesagt haben: ,Ihr habt die Schlange schon mit dem Müll rausgetragen’ oder ,Es gab gar keine.’“ So bleibe der Stadt auch die schwierige Entscheidung erspart, wann der Einsatz zur Gefahrenabwehr beendet und der Fall zur Privatsache gemacht wwreden soll.
Sven Werner, stellvertretender Feuerwehrchef, wundert sich, wie viele: „Ich verstehe ja nicht, dass man für einen friedfertigen Bernhardiner einen Hundeführerschein vorlegen muss, aber jeder eine Giftschlange halten kann.“ Wenn hier, per Gesetz, eine Prüfung eingeführt würde, hätte die Kobra-Geschichte wirklich ein gutes Ende genommen.

17:00
Zitat #8
Diese Schlange wurde von einem minderbemittelten, arbeitslosen Ars**lo** gehalten, der nix im Leben auf die Reihe bekommt. Und alle freuen sich nun diebisch darüber, dass diese Schlange tot ist.
Dem ist Nichts hinzuzufügen.
Das Tier hatte nie eine Chance in seinem kurzen Leben. Einfach nur traurig...
16:43
@10 Schön kopiert und unter jeden Artikel geklatscht. Wirklich gut gemacht ...
*facepalm*
14:41
Wie der Mensch sein Tier haben will, wird es produziert. In Zoogeschäften werden Hamster, Meerschweinchen oder Kaninchen hinter den Ladenscheiben angeboten, wie in anderen Geschäften tote Gegenstände wie Staubsauger oder Kühlschränke. Für die Zoogeschäfts-Betreiber ist das Tier ein rein materieller Gegenstand, nur der Profit zählt. Die Bedürfnisse der Tiere spielen keine Rolle. Damit die Menschen mit ihrer vermeintlichen Tierliebe unsere Mitgeschöpfe in ihre Wohnzimmer oder Käfige sperren können, treibt die gigantische Heimtierbranche den Markt an. Jährlich macht sie Umsätze von 2 - 3 Mrd. Euro. Davon entfallen etwa 180 Mill. Euro auf den Kauf neuer Tiere. In heimischen Wohnzimmern leiden aber nicht nur Hunde, Katzen und Nager, sondern mehr und mehr auch exotische Tiere. Die Gier nach dem besonderen Haustier macht auch vor Schlangen, Echsen, Spinnen, Schildkröten, Krokodilen, Raubkatzen und Wüstenfüchsen nicht halt.
10:47
Interessant finde ich den letzten Satz von stellvertr. Feuerwehrchef: Zitat „Ich verstehe ja nicht, dass man für einen friedfertigen Bernhardiner einen Hundeführerschein vorlegen muss, aber jeder eine Giftschlange halten kann.“
Für Giftschlangen müßte es eigentlich einen Waffenschein geben!
10:02
@fummel - hier ist der erste, der es echt armselig findet, wie hier über das Tier gesprochen wird.
Lieber Herr Redakteur, wie kann man so abfällig über ein Tier sprechen? Wenn ich sage - stellt Kevin an die Wand, dann kommen wieder die *********** und sagen, böse, böse.
Diese Schlange wurde von einem minderbemittelten, arbeitslosen Ars**lo** gehalten, der nix im Leben auf die Reihe bekommt. Und alle freuen sich nun diebisch darüber, dass diese Schlange tot ist.
Ohne Worte....
07:54
Mich würde interessieren, wer hier für die Entkernung entschieden hat. Könnte das jedem Hausbesitzer in Mülheim passieren nur weil die Verwaltung so entscheidet? Oder hat der Hausbesitzer bzw der Schlangenhalter die Vorgehensweise beauftragt?
Bei der Verwaltungswillkür in Mülheim wundert mich garnicht mehr - ich fürcht das Schlimmste. Man sollte aber rechtzeitig Bescheidt wissen, um rechtzeitig hier wegzuziehen.
Eine Bitte an unsere Lokalpresse: Schreiben Sie doch bitte auch über die Entscheidungabläufe und Verantwortlichkeiten in diesem / einem solchen Fall.
06:53
Armselig ist die Handlungsweise der Verantwortlichen.
23:38
Die Frage hab ich mir gestellt, seit ich das Bild der entkernten Wohnung gesehen habe, in der die Nachtspeicherheizung noch stand: Hat die jemand auseinandergenommen, um darin nachzusehen - wenn das überhaupt geht? Vielleicht hatte sie sich vor der Hektik darin versteckt und ist erst rausgekommen, als es in der Wohnung wieder kuschlig warm wurde durch die gestiegenen Außentemperaturen?
22:03
Wie immer Stammtischgeplärre hier. Armselig.
21:17
Die Aktion war doch völlig unverhältnismäßig. Man hätte mit dem Klebeband anfangen und die Bewohner für einige Tage ausquartieren können. Auch das Aushungern über zwei Monate hätte man mit einem intakten Haus durchführen können. Die sofortige Entkernung war eine Überreaktion und falsch. Die Stadt hat dabei nichts unternommen, um den Schaden zu begrenzen - im Gegenteil, sie hat durch die Vorgehensweise den Schaden unnötig vergrößert. Dafür wird zurecht der Steuerzahler geradestehen müssen.
Ich bezweifle, dass der Schlangenhalter für die Entkernung zahlen muss. Ich würde es nicht tun.
Die Haltung solcher Tiere sollte man aber höchstens Personen mit Sachkundenachweis erlauben oder ganz verbieten.