Die Kirche muss die Fragen der Menschen aufgreifen

Muss sich der Gottesdienst verändern, um mehr Leute zu erreichen?

Grave: Im Kern ist der kath. Gottesdienst unveränderbar. Gesang und Gebete aber sollte man den Empfindungen der Menschen anpassen. In den Fürbitten z.B. müssen die Anliegen der Menschen vorkommen.
Kellermann: Die Kirche muss das Evangelium zu den Menschen bringen. Die sind heute aber sensationsverwöhnt, mit dem Normalen oft nicht zufrieden. Zu Happenings gehen sie. Beim Pfingstgottesdienst in der Freilichtbühne z.B. werden viele sein. Auch Bequemlichkeit spielt eine Rolle, die Einschaltquoten der TV-Gottesdienste sind groß. Ich plädiere ja trotz der notwendigen Kirchenschließungen für Gottesdienste auch in kleinen Stadtteilen, z.B. in angemieteten Ladenlokalen. Aber: Die Gemeinden können einfach nicht immer Happenings anbieten.

Wie muss Kirche künftig agieren?

Kellermann: Sie sollte sich mehr darauf konzentrieren, das Evangelium zu verkünden, nicht soviel nebenher machen. Sie müsste auch mehr Pionierarbeit leisten, so wie es beim Mülheimer Hospiz geschehen ist. Wir brauchen in der ev. Kirche auch mehr charismatische Prediger und das Gefühl, eine Familie zu sein.

Grave: Die Kirche muss dialogfreudig sein. Sie muss im Gespräch mit dem Einzelnen, die Fragen, die die Leute bewegen, erkennen. Das ist mühsam, ich wünschte, es ginge schneller. Aber so können wir ein Feuer entfachen, das ansteckend ist.